Montenegro ist einer der jüngsten Staaten Europas: Erst 2006 wurde das Land von Serbien unabhängig. Südlich von Kroatien an der Adriaküste gelegen, wird das Montenegro von zerklüfteten Gebirgen, alten Dörfern und unberührten Stränden geprägt.

Während Städte wie Dubrovnik  in Kroatien vor den Touristenmassen längstens kapituliert haben, und im Sommer aufgrund der Preise und Menschenansammlungen für Reisende kaum mehr auszuhalten sind, geht es in Montenegro noch ruhiger zu. Das soll jedoch nicht heißen, dass es hier keinen Tourismus gibt! Der Tourismus ist sogar eine der Haupteinnahmen des jungen Staates.

Derzeit wird Montenegro hauptsächlich von serbischen und russischen Touristen bevölkert, die im Sommer die Strände Clubs von Budva in Beschlag nehmen. Nur das nördlich gelegene Kotor wird auch von vielen westlichen Touristen besichtigt (auffallend viele Franzosen), da es von Kroatien aus, innerhalb von wenigen Stunden erreichbar ist und  hier außerdem viele Kreuzfahrtschiffe anlegen

Viele Leute kennen Montenegro aus dem James Bond Film Casino Royal, wo es eine wichtige Rolle im Plot spielte. Was nur wenige wissen: Es gibt kein Hotel Splendide und kein exklusives Casino, weil der Film in Tschechien gedreht wurde.

Die Casinos in Monetnegro sind trotzdem zahlreich, aber alle nicht sehr exklusiv. Wer diesen James-Bond-Flair sucht, muss wohl auch in Zukunft nach Monaco absteigen. Dennoch hat Montenegro viel zu bieten, vor allem die spektakuläre Landschaft verschlägt einem oft den Atem.

Ich hielt mich etwas weniger als eine Woche in Montenegro auf: Die meiste Zeit verbrachte ich dabei in Kotor, von wo ich mit meinem Reisepartner Tagesausflüge unternahm. Aufgrund des nicht sehr gut ausgebauten Straßensystems, dauerte es ziemlich lange durch das Land zu fahren, weshalb wir weit weniger besichtigten als geplant. Im folgenden schildere ich den Eindruck, den das Land auf mich machte:

Kotor

Der Ausblick ist atemberaubend, der Aufstieg jedoch halsbrecherisch

Kotor ist eine wunderschöne mittelalterliche Stadt: Sie liegt in der Bucht von Kotor (eh klar), die oft als südlichster Fjord Europas bezeichnet wird, da der Meeresarm tief ins Festland hineinreicht und von hohen Bergen umgeben ist. (Das ist jedoch nicht korrekt, weil die Bucht von Kotor nicht durch einen Gletscher entstand, sondern vielmehr ein Flussdelta ist, das sich im Lauf von Millionen Jahren durch das Karstgebirge fraß.)

Landschaftlich ist die Bucht von Kotor atemberaubend: Der Meeresarm wird von mehr als 1000 Meter hohen Karstbergen umgeben. Kotor war aufgrund der geschützten Lage jahrtausendelang eine reiche Handelsstadt. Für einige Jahrhunderte gab es eine Republik Kotor, danach wurde sie jedoch von den Venezianern übernommen und später Österreich zugesprochen, bis sie nach dem ersten Weltkrieg Teil Jugoslawiens wurde.

Highlight der Stadt ist die mehr als vier Kilometer lange Stadtmauer (nicht ganz so massiv wie die in Dubrovnik, aber dennoch beeindruckend). Das Stadtzentrum selbst ist von vielen Kirchen und Palästen geprägt. Mehrere hundert Meter über der Stadt wacht die Festung San Giovanni über die Stadt: Die erhaltenen Mauerreste wurden von den Venezianern errichtet, aber schon unter den Römern gab es hier eine Burg. Heute ist von der einst wehrhaften Festung nur noch eine Ruine übrig, die über einen halsbrecherischen Pfad erreicht wird. Der mühsame und wagemutige Aufstieg lohnt sich aber: Von der Festung hast du einen hervorragenden Panoramablick auf Kotor und die Bucht

Um den Weg zu betreten, muss jedoch ein Obolus gezahlt werden. Wie in ganz Montenegro sind die Preise flexibel: Wer beim Wegkreuz nicht verhandelt zahlt circa 10 Euro, wir konnten nach kurzer Verhandlung den Pfad schon um 5 Euro betreten, aber ich denke, du könntest den Preis noch weiter drücken, wenn du es darauf anlegst.

Auch das Nachtleben Kotor ist überraschend gut: Hotspots sind die Letrika Caffe Bar und der Maximus-Club.

Budva

Budva: Schönes Altstädtchen, schlechte Strandmeile, aggressive Kellner

Budva gilt als die Partystadt an der Adriaküste. Die Stadt hat jedoch auch eine kleine, aber feine mittelalterliche Altstadt, mit vielen gemütlichen Restaurants und Cafés. Kern der Stadt ist jedoch die kilometerlange Strandpromenande, die von einem Vergnügungspark und vielen schlechten Clubs und Bars gesäumt wird.

Budva war für mich eine große Enttäuschung, auch weil man sich als westlicher Tourist teilweise unerwünscht vorkommt. Insbesondere die Kellner bestachen bei meinem Aufenthalt durch Unaufmerksamkeit, Aggressivität und dem Willen uns abzuzocken. An einer Stelle hatten wir fast eine Schlägerei mit einem Kellner.

Daher lohnt sich Budva meiner Meinung nach eher als Stopover für ein paar Stunden. Die Altstadt ist durchaus sehenswert, mehr muss man jedoch nicht in Budva unternehmen.

Cetinje

Das älteste (1450) Gebäude der Stadt: Vlaška crkva (dt. Walachische Kirche)

Die alte Hauptstadt des Landes und noch heute der Sitz des Präsidenten Montenegros. Cetinje ist im Grunde ein Bergdorf, das auf einem Hochplateau liegt, und aufgrund mangelnder Alternativen für einige Jahrzehnte den Status einer Hauptstadt erschleichen konnte. Ende des 19. Jahrhundert errichteten die meisten europäischen Länder Botschaften in der Stadt: Diese Gebäude prägen noch immer das Stadtbild Cetinjes. Sehenswert sind auch die ehemaligen Regierungsbauten sowie das Kloster der Stadt. Viel mehr als ein paar Stunden, musst du hier aber nicht verbringen.

Gleich in der Nähe befindet sich außerdem die….

Lipa Höhle

Dieses Höhlensystem hat eine Gesamtlänge von circa 2,5 Kilometern. Sehenswert sind die unterirdischen Seen und Quellen. Die Höhle ist für Touristen erschlossen, alle Besucher werden jedoch von einem Höhlenführer begleitet.

Lovćen

Das Locven Gebirge ist das Hauptmassiv Montenegros und ein Nationalpark gleich in der Nähe zu Cetinje. Auf einem der Gipfel befindet sich das Njegoš-Mausoleum, das in den 70er Jahren zu Ehren des kroatischen Bildhauers Ivan Meštrović errichtet wurde. Leider konnte ich es nicht besuchen, weil die Straße gesperrt war. Die Landschaft des Nationalparks ist definitiv eine Reise wert.

Podgorica

Ist vermutlich eine der hässlichsten Hauptstädte Europas. Mehr gibt es über Podgorica nicht zu sagen

Ulcinj

Ulcinj ist die südlichste Stadt Montenegros: Wer hier ankommt, merkt gleich, dass ein neuer Kulturkreis betreten wird. 70% der Bevölkerung sind Albaner. Das Stadtbild wird nicht von Kirchen, sondern von Moscheen geprägt, Kopftücher sind trotzdem kaum sichtbar. Die Stadt ist interessant, aber für die meisten Reisenden nicht unbedingt sehenswert. Gleich in der Nähe befindet sich der kilometerlange große Strand (Velika Plaža), der sich bis zur albanischen Grenze erstreckt und der längste Sandstrand Montenegros ist.

Tara-Schlucht

Die Tara-Schlucht ist mit einer Tiefe von bis zu 1300 Metern der zweittiefste Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon) und ein Paradies für Rafting-Sportler. Das Durchfahren des Flusses ist die vermutlich die beste Art den Canyon kennenzulernen

Wer es lieber trocken hat, kann die Schlucht aber auch durchwandern! Einen sehr guten Ausblick auf die Schlucht hast du von der Tara-Brücke: Diese ist 350 Meter lang und spannt sich auf einer Höhe von bis zu 150 Metern über den Fluss. Die Tara-Schlucht ist Teil des Durmitor-Nationalparks, der im abgelegenen Norden des Landes liegt. Ein guter Ausgangspunkt um die Schlucht und den Nationalpark zu erforschen ist das Örtchen Zabljak. Leider konnte ich mich im Rahmen meiner Reise nicht bis zur Tara-Schlucht durchschlagen, sie ist aber definitiv ein Grund, um wieder zurückzukommen.

Fazit – Ist Montenegro eine Reise wert?

Montenegro ist ein sehr abwechslungsreiches Land und für alle Reisenden interessant, die nicht nur die typischen Destinationen besuchen wollen. Abgesehen von Kotor fand ich die Küstenregion jedoch nicht besonders spektakulär. Die wahren Stärken des Landes liegen in den beeindruckenden Bergen und den unberührten Naturlandschaften im Landesinneren. Sollte ich noch einmal zurückkommen, werde ich deshalb deutlich mehr Zeit in den Nationalparks und Gebieten im Zentrum Montenegros verbringen.

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Autor

Reisejunkie, Autor, Solopreneur. Mag es, ungewöhnliche Orte zu entdecken und nach seinen eigenen Regeln zu leben.

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