Belgrad ist eine der größten Metropolen in Südosteuropa und eine Stadt, die sich im Umbruch befindet. Im Moment zählt sie noch zu den Geheimtipps in Europa: Auf der Straße flanieren wenige Touristen und die Stadt wirkt wie Budapest vor 20 Jahren. Deshalb kommen die meisten Besucher auch aus den Nachbarstaaten Serbiens und aus Russland. Deutsche Besucher sind laut Statistik ebenfalls stark vertreten, aber das kann an der großen serbischen Diaspora liegen.

Du fragst dich vermutlich, was für eine Städtereise nach Belgrad spricht:

  • Es gibt viele günstige Direktflüge von Wien, Hamburg, Berlin, München und anderen Städten.
  • Die Einreise ist ohne Visum möglich
  • Das Preisniveau in Serbien ist sehr gering (Geo-Arbitrage)
  • Die serbische Gastfreundschaft ist exzellent
  • Es gibt in Belgrad viel zu sehen!

Kyrillische Buchstaben vs Lateinschrift

Die offizielle Schrift in Serbien ist Kyrillisch, was vermutlich einige kyrillischunkundige Leute vor einer Reise abschreckt. Zum Glück sieht die Sache im Alltag etwas unkomplizierter aus, weil von der Bevölkerung sowohl Kyrillisch als auch Latein verwendet werden. Aufgrund von Smartphones und des Internets wird die Lateinschrift unter Jugendlichen immer beliebter, während Kyrillisch eher als Schrift der älteren Leute gilt. Offizielle Dokumente müssen aber noch immer in Kyrillisch geschrieben werden. Viele Serben merken nicht einmal in welcher Schrift sie ein Dokument lesen oder in welcher Schrift sie eine Nachricht schreiben, weil sie mühelos zwischen den beiden Schriftsystemen wechseln.

Touristen werden aufgrund dieser Entwicklung in der Stadt keine Orientierungsprobleme haben. 80% der Schriftzüge im Zentrum Belgrads sind in Lateinschrift geschrieben.

Serbische Küche

Die serbische Küche ist deftig und fleischlastig. Sie lässt sich am besten als bodenständige Balkanküche mit orientalischen und mediterranen Einflüssen beschreiben. Fast alle Gerichte werden mit einer Art festen Rahm serviert, der Kaymak genannt wird.

Die bekanntesten serbischen Gerichte sind:

  • Ćevapi – Fleischröllchen (meist aus Rind oder Schweinefleisch)
  • Ražnjići – Gegrillte Fleischspieße
  • Karađorđeva šnicla – Gerolltes Schweinefleisch, das mit Kaymak gefüllt wird

Vegan unterwegs in Belgrad?

Anhand der beschriebenen Speisen sehen wir, dass die serbische Küche der Alptraum jedes Veganers ist. Dennoch ist es  möglich als Vegetarier oder Veganer in Belgrad und Serbien durchzukommen. In den letzten Jahren haben sogar einige vegetarische und vegane Restaurants eröffnet: Sehr gefallen hat mir zum Beispiel das Restaurant Mayka, das von außen durch seine spektakuläre Beleuchtung auffällt, und im Inneren mit einer exzellenten vegetarisch/veganen Küche aufwartet.

Am serbischen Land kann es passieren, dass Huhn und Fisch als vegane Speisen verkauft werden. Aber keine Sorge: Da die Gastfreundschaft sehr hoch geschätzt wird, kochen dir die Köche oft vegetarische Speisen, auch wenn sie nicht auf der offiziellen Karte stehen.

Was sehen in Belgrad – Sehenswürdigkeiten und Attraktionen

Belgrad ist mit fast zwei Millionen Einwohnern eine große Stadt, dennoch ist das Zentrum angenehm kompakt, so dass du fast alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen kannst. Die Stadt verfügt über kein U-Bahn-System, daher spielt sich der gesamte Stadtverkehr auf der Oberfläche ab. Staus und viel Verkehr gehören zum Belgrader Stadtbild dazu, außerdem sind sehr viele Menschen selbst bei großer Kälte auf den Straßen unterwegs.

  • Festung von Belgrad

Belgrad war in den letzten 500 Jahren eine stark umkämpfte Stadt: Im 15. Jahrhundert eroberten die Osmanen die Stadt. Die kaiserlichen Truppen konnten die Stadt 1688, 1717 und 1789 drei Mal erobern, aber nie dauerhaft halten. Daher galt die Stadt unter den Osmanen als Dar Ul Jihad (Haus des Krieges). Erst die serbischen Aufstände im 19. Jahrhundert konnten die Osmanenherrschaft dauerhaft abschütteln. Im 20. Jahrhundert starben im ersten Weltkrieg 60% der männlichen Bevölkerung Serbiens, auch der zweite Weltkrieg forderte einen hohen Blutzoll. Zuletzt wurde die Stadt 1999 von den Nato-Streitkräften bombardiert.

Eine derart umkämpfte Stadt verfügt natürlich über eine starke Festungsanlage. Auch heute noch thront die Festung von Belgrad  50 Meter über den Zusammenfluss von Donau und Save. Vor der Festung befinden sich eine großzügige Parkanlage und der Zoo von Belgrad. Im Inneren der frei zugänglichen Festungsanlage befinden sich unter anderem das Militärhistorische Museum, wo Waffen aus den letzten Balkankonflikten ausgestellt werden (Zitat eines Fremdenführers: „These primitive weapon brought down a new american aircraft“), ein Teil des Naturkunde-Museums mehrere Gedenkstätten und Sportplätze.

  • Heiligtum des Heiligen Sava
Das Kuppel Mosaik wurde von der russischen Gazprom gesponsort

Das Heiligtum des Heiligen Sava ist eine serbisch-orthodoxe Kirche, an der seit dem Jahr 1935 gebaut wird. Das Gebäude ist im neobyzantinischen Stil gebaut und eine der größten orthodoxen Kirchenbauten der Welt. Leider verzögerten Kommunismus und Bürgerkrieg die Fertigstellung um Jahrzehnte. Erst seit 2017 ist die Außenfassade vollendet. Die Fertigstellung der Innendekoration wird im Jahr 2019 angepeilt. Heute ist die Kirche einer der markantesten Punkte der Belgrader Skyline.

  • Knez Mihailova ulica – Prachtstraße und Fußgängerzone
Die Knez Mihailova ulica ist der Mittelpunkt von Belgrad

Die Knez Mihailova ulica ist die wichtigste Flanierstraße der Stadt. Wie es sich für eine europäische Prachtstraße gehört, wird sie von vielen klassizistischen Gebäude gesäumt. Hier befinden sich die trendigsten Shops, Cafes und Restaurants der Stadt. Teuer ist die Straße dennoch nicht: Im Cafe Boutique konnte ich zum Beispiel ein füllendes Frühstück um nur umgerechnet € 6,- genießen.

  • Nikola Tesla Museum

Der Erfinder Nikola Tesla ist der bekannteste Sohn des Landes, obwohl er im heutigen Kroatien geboren wurde, seine Studienjahre in Graz und Prag verbrachte, in Budapest und Paris arbeitete, um schließlich 1884 in die USA zu ziehen, wo er seine ersten Patente anmeldete.

Das Museum in Belgrad beherbergt die Urne Teslas, Instrumente sowie Geräte von Tesla und den Großteil seines Nachlasses. Das Museum ist klein und kann in einer halben Stunde absolviert werden: Sehr zu empfehlen sind die regelmäßig stattfindenden (englischsprachigen) Führungen, die den Besuchern das Leben und Wirken des Erfinders näherbringen.

Aktivitäten in der Umgebung und in Serbien?

Serbien hat natürlich weit mehr als nur Belgrad zu bieten:

  • Skifahren in Kopaonik
Das Skigebiet liegt auf 1.700 Metern Höhe und verspricht von November bis April Schneesicherheit

Serbien und Skifahren ist nicht die erste Assoziation, die man mit diesem Land hat. Dabei verfügt Serbien in Kopaonik über ein modernes und gut ausgebautes Skigebiet. Der Skiort liegt in circa 1.700 Metern Höhe und ist somit sogar schneesicherer als viele Skigebiete in den Alpen. Hinzu kommt, dass das Tal zweihundert Sonnentage im Jahr aufweisen kann. Schneesicherheit in Kombination mit viel Sonne, das lässt das Skifahrerherz höher schlagen!

Der höchste Gipfel des Skigebiets, der Pančićev, ragt 2017 Meter in die Höhe. Dahinter erstreckt sich gleich der Kosovo. Jener umstrittene Balkan-Staat, der noch immer von vielen Serben beansprucht wird, und dessen Unabhängigkeitskampf im Jahr 1999 den Anlass zu den Nato-Bombardierung gab.

Das Skigebiet verfügt über moderne 6er- und 4er-Doppelmayr-Sessellifte (einer überraschte sogar mit einer Sitzheizung). Insgesamt gibt es fast 60 Pistenkilometer, was für österreichische Verhältnisse klein, für mehrere Tage Skispaß aber ausreichend ist. Reisende, die das Preisniveau in den Alpen gewohnt sind, werden die Skikosten sehr angenehm finden: Ein Tagespass lässt sich um € 30,- zu erwerben, ein Drei-Tages-Pass sogar um nur € 50,-.

Für Preis-Füchtlinge, die sich die Kosten der alpenländischen Skiressorts nicht mehr antun wollen, ist Kopaonik somit eine attraktive Alternative.

Ein kleines Manko ist, dass die Pisten keine großen Herausforderungen für geübte Skifahrer darstellen. Offiziell gibt es zwar einige schwarze Pisten, diese würden in Österreich aber als (leichte) rote Pisten gelten. Genauso fühlen sich die roten Pisten eher wie blaue Pisten an.

Highlight des Skigebiets ist das Nachtskifahren. Von 18 bis 21 Uhr kann die illuminierte Hauptpiste des Skigebiets befahren werden.

  • Wohnen in Kopaonik

Meine Reisegruppe wurde im Grand Hotel & Spa untergebracht. Dieses Hotel ist direkt an der Piste gelegen und derzeit der größte Hotelkomplex des Ressorts. Ein Highlight des Hotels ist der Spa-Bereich: Hier kannst du dich nach dem Skifahren im Pool vergnügen, in der russischen oder finnischen Sauna ausschwitzen, oder deine Lungen in der Salzgrotte stärken. Weitere Services wie Massagen oder Floating können kostenpflichtig gebucht werden. 

Für Gäste gibt es sowohl ein umfangreiches Frühstücks- als auch Abendbuffet, das auch Veganern und Vegetariern genügend Auwahl lässt.

  • Weingebiet

Serbien hat gute Böden für den Weinanbau und dank der Erderwärmung wird das Klima sogar immer besser für den Wein. Leider wurde die jahrtausendealte Weintradition des Landes in der Zeit des Kommunismus zerstört. Damals gab es zwar staatliche Winzer, die Devise der Kommunisten lautete jedoch Quantität statt Qualität. Als ein Resultat bereiteten serbische Weine damals keinen Genuss, sondern verursachten bestenfalls Kopfschmerzen am nächsten Morgen.

Zum Glück versuchen seit einigen Jahren immer mehr Winzer an die Weinbau-Tradition des Landes anzuschließen. Das ist natürlich kein leichtes Unterfangen: Ein Weingut braucht in der Regel mehr als sieben Jahre bis es profitabel ist. Die Qualität der neuen serbischen Weine kann jedoch überzeugen. Besonders die serbischen Rotweine sind ausgezeichnet.

  • Tobola Mausoleum
Die Mosaike in dieser Kiche bestehen aus 40 Millionen Glassteinchen-Mosaiksteinchen

Das Haus Karađorđević war die letzte der beiden Königsdynastien Serbiens. Das Haus stand in Konkurrenz mit dem Haus Obrenović, das 1903 schließlich in einer Verschwörung beseitigt wurde, die Erinnerungen an Game-of-Thrones hochkommen lässt.

Der zweite Weltkrieg und die Übernahme der Regierung durch Tito im Jahr 1945 beendeten die Herrschaft des Hauses Karađorđević. Erst in den 2000er Jahren durfte die Familie wieder nach Serbien zurückkehren und hat heute sogar das Wohnrecht im Königlichen Schloss auf dem Dedinje inne.

Bei Tobola befindet sich in der Kirche des Heiligen Georg, in der sich das Mausoleum dieser serbischen Königsdynastie befindet. Außerdem finden Besucher in Tobola die königlichen Weinberge, ein Museum, das Haus des Königs Petar, und die königliche Villa vor.

Die Kirche des Heiligen Georg wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im neobyzantinischen Stil erbaut. Im prunkvollen Mausoleum liegen 39 Mitglieder der Familie Karađorđević begraben.

Fazit – Zahlt sich eine Reise nach Belgrad und Serbien aus?

Mein Kurztrip nach Serbien war großartig. Das Land ist ideal für Leute, die ein Land im Umbruch kennenlernen wollen und keine Lust auf Massentourismus-Destinationen haben. Die Qualität des Ski-Ressorts in Kopaonik hat mich überrascht: Insbesondere für Anfänger und preissensible Reisende, stellt es eine tolle Alternative dar.

Offenlegung: Meine Reise wurde von serbien.travel, der offiziellen Tourismus Organisation Serbiens gesponsert.

Empfehlungen:

Restaurant

Mayka: Kosančićev venac 2, Beograd 11000, Serbien

Boutique Cafe: Trg Republike 3, Belgrad, Serbien

Weingut

Tarpoš: Vrbica bb, 34300 Aranđelovac, Serbien

Hotel in Kopaonik

Grand Hotel & Spa, Kopaonik bb, Kopaonik 36354, Serbien

Mehr Reiseinspiration für Serbien findest du in den Blogbeiträgen meiner Kollegen:

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Autor

Reisejunkie, Autor, Solopreneur. Mag es, ungewöhnliche Orte zu entdecken und nach seinen eigenen Regeln zu leben.

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