Heute möchte ich dich mitnehmen auf eine Reise zu den Nationalparks in Tansanias Süden, die ich im Zuge meiner Explorer-Reise im September 2025 erstmals besuchen durfte. Im Gegensatz zu den berühmten Nationalparks im Norden Tansanias, die wir auch im Rahmen meiner Fotoreise Tansania besuchen, fristen die südlichen Pendants geradezu ein Schattendasein. Nur eine Handvoll Touristen verirrt sich pro Jahr in den wilden Süden, während die Schutzgebiete im Norden fast schon mit Over-Tourism zu kämpfen haben.
Warum das so ist und ob sich Tansanias südliche Parks trotzdem als Fotoreiseziel eignen, wollte ich bei meiner Erkundungstour im Süden des Landes herausfinden.
Inhaltsverzeichnis
Wissenswertes zu den Nationalparks im Süden Tansanias

Auf dem Papier liest sich die Beschreibung der südlichen Nationalparks wie der Wunschtraum eines jeden Afrika-Liebhabers. Sie rühmen sich mit unberührter Wildnis, einer vielseitigen Tier- und Pflanzenwelt und landschaftlicher Vielfalt. Ihre wilde, naturbelassene Atmosphäre richtet sich vor allem an safarierfahrene Reisende, die Afrika in all seiner Ursprünglichkeit erleben wollen.
Dabei gibt es allerdings auch einige Dinge zu beachten. Die abgelegene Lage und die schwierige Erreichbarkeit machen eine Safari durch die Nationalparks in Tansanias Süden logistisch und organisatorisch zu einer Herausforderung.
Herausforderungen bei einer Reise durch die südlichen Nationalparks in Tansania
Besonders hervorzuheben ist die Erreichbarkeit der Parks im Vergleich zu den Nationalparks im Norden des Landes. Wer schon einmal eine Safari in Tansania gemacht hat, der weiß, dass auch die Fahrten im Norden kein Zuckerschlecken sind und einiges an Sitzfleisch erforderlich ist. Etwa 2,5 Stunden benötigt man von Arusha nach Tarangire und von dort weiter in die Serengeti mindestens 4 Stunden reine Fahrtzeit.
Lange Fahrten oder teure Fly-in Safaris
Zeitangaben, über die man im Süden nur müde lächeln kann. Wer die Strecke Mikumi – Ruaha mit dem Auto fährt, kann mit mindestens 8 Stunden Fahrzeit rechnen. Unser Highlight war die Strecke retour von Ruaha nach Morogoro. 12 Stunden verbrachten wir,dank LKW-Kolonnen und willkürlichen Straßensperren, im Jeep. Die Hauptstraßen im Süden sind eine wichtige Verbindung nach Sambia und Malawi und dementsprechend chronisch mit Lastfahrzeugen verstopft. Überholen ist selten möglich und so schleicht man einen Großteil der Fahrt hinter stinkenden Schwerfahrzeugen her. Wenn dann gleichzeitig noch die Präsidentin vorbeischaut, um Wahlkampf zu machen, dann ist es überhaupt vorbei mit der Mobilität.

Eine Alternative sind Fly-in Safaris, bei denen du ab Dar es Salaam mit dem Buschflieger in die Nationalparks fliegst. Viele Campbetreiber bieten solche Pauschalangebote an. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn du ersparst dir die lange Anreise und kannst mehr Zeit auf Pirschfahrten verbringen.
Allerdings sind solche “Fly-in” Safaris nicht nur sehr teuer, sondern du bist auch hinsichtlich Game Drives an das Angebot der Unterkunft gebunden. Sprich, du nimmst an den Pirschfahrten mit den Fahrzeugen der Lodge teil und teilst diese mit anderen Besuchern. Das ist gerade für Fotografen eine eher suboptimale Lösung, weil sie doch meistens andere Bedürfnisse haben als klassische Safariurlauber. Außerdem finde ich die erhöhte Sitzposition der offenen Safariwägen zum Fotografieren problematisch, besonders von den hinteren Plätzen ist es kaum möglich, in einem tiefen Winkel zu fotografieren.
Überschaubares Angebot an teuren Unterkünften in den Nationalparks im Süden Tansanias

Ein weiteres Thema bei Safaris im Süden sind die Unterkünfte. Nicht, weil die Qualität nicht passt, ganz im Gegenteil, im Süden übernachtete ich in einer der schönsten Lodges, die ich je gesehen habe, sondern eher wegen der geringen Auswahl.
Während man im Norden aus unzähligen Camps unterschiedlicher Qualitäts- und Preisklassen wählen kann, von einfachen Camping Safaris bis hin zum 5-Sterne Superior Erlebnis, stellt sich das Angebot in Tansanias südlichen Nationalparks deutlich reduzierter dar. Und wenig Auswahl bedeutet weniger Konkurrenz und damit meistens höhere Preise. Tatsächlich sind die Kosten für Unterkünfte, aber generell die gesamte Safari-Logistik im Süden deutlich höher als in den Parks im Norden.
Wer mit diesen Herausforderungen leben kann oder ein paar Extrakosten nicht scheut, der wird jedenfalls mit einem absolut unverfälschten und authentischen Safarierlebnis belohnt.
Das sind die schönsten Nationalparks im Süden Tansanias
Im folgenden Abschnitt möchte ich dir die wichtigsten südlichen Nationalparks vorstellen. Die beste Reisezeit für Tierbeobachtung im Süden ist von Juni bis Oktober, da viele Parks in der Regenzeit nur schwer zugänglich sind.
Mikumi Nationalpark

Der Mikumi Nationalpark wurde 1964 gegründet und verfügt über eine Größe von 3.230 km². Aufgrund seiner offenen Savannenlandschaft und der vielfältigen Tierwelt wird er oft mit der legendären Serengeti verglichen, obwohl er nur einen Bruchteil ihrer Fläche einnimmt.
Im Mikumi-Nationalpark im Südosten des Landes erwartet dich eine große Anzahl an Tieren auf einem überschaubaren Gebiet. Er ist damit der perfekte Ausgangspunkt, um deine Erkundungstour durch die südlichen Nationalparks zu starten. Der Mikumi-Nationalpark wird von sehr vielen Tagesbesuchern aus Sansibar im Rahmen einer “Fly-in” Safari besucht, daher kann es untertags sehr voll werden. Es empfiehlt sich daher, sich auf Morgen- bzw. Nachmittagspirschfahrten zu konzentrieren und das Mittagessen im Camp einzunehmen.
Ein bis maximal zwei Übernachtungen sind genug, um diesen kleinen Nationalpark zu entdecken und einen guten Überblick zu gewinnen. Die Chancen stehen sehr gut, neben den klassischen Savannenbewohnern, wie Giraffen, Zebras und Impalas, auch Elefanten, Löwen und Flusspferde vor die Linse zu bekommen. Für mich persönlich war der Mikumi-Nationalpark eine wirklich positive Überraschung, da ich nicht mit so vielen tollen Sichtungen gerechnet hätte.






Eintritt: US $ 30,- pro Person und Tag (+ 18% VAT)
Unterkunftsempfehlung: Vuma Hills Tented Camp, Mikumi National Park, Tansania
Udzungwa Mountains Nationalpark

Der Udzungwa Mountains Nationalpark sticht durch seine besondere Flora und Fauna und die von den Eastern Arc Mountains geprägte Landschaft hervor. Dichter tropischer Regenwald und malerische Wasserfälle dominieren das Bild. Der Udzungwa Mountains Nationalpark ist bekannt für seinen hohen Anteil an endemischen Arten, wie der Udzungwa Stummelaffe oder die Sanje-Mangabe. Der Nationalpark wurde 1992 gegründet und umfasst eine Fläche von 1900 km². Trotz seiner landschaftlichen Schönheit und der Artenvielfalt gilt er als der am wenigsten besuchte Nationalpark Tansanias.
Wegen der landschaftlichen Gegebenheiten sind klassische Safaripirschfahrten in diesem Nationalpark nicht möglich. Den Udzungwa Mountains Nationalpark erkundet man zu Fuß auf Wanderpfaden mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Auch mehrtägige Trekkings sind möglich, zum Beispiel auf den Gipfel des Mwanihana (2.150 m).
Die bekannteste Sehenswürdigkeit des Parks ist der Sanje-Wasserfall mit einer beeindruckenden Fallhöhe von 170 m. Tierfotografen erfreuen sich an einer artenreichen Vogelwelt und den zahlreichen Primaten.




Eintritt: US $ 30,- pro Person und Tag (+ 18% VAT)
Unterkunftsempfehlung: Udzungwa Falls Lodge, 10km from Kilombero Township (Ruaha Junction)
Ruaha-Nationalpark

Vielleicht der legendärste Nationalpark in Tansanias Süden? Mit Sicherheit jedoch der abgelegenste und die beste Wahl für ungestörte Safaris. Früher war Ruaha auf Grund der isolierten Lage nur mit dem Flugzeug erreichbar, mittlerweile gibt es zwar eine (großteils) befestigte Straße, die Anreise gleicht jedoch noch immer einer kleinen Weltreise. Wer Ruaha mit dem Auto besuchen möchte, braucht geduldiges Sitzfleisch und viel Ausdauer.
Die weite Anreise lohnt sich jedoch, denn Ruaha ist landschaftlich sehr attraktiv und überzeugt mit einer vielseitigen Tierwelt. Besonders berühmt ist Ruaha für seine riesigen Elefantenherden und die beeindruckenden Löwenrudel. Etwa 10% der Löwenpopulation von ganz Afrika lebt im Ruaha Nationalpark und nicht selten begegnet man Gruppen mit bis zu 20 Tieren. Außerdem sieht man sehr häufig die scheuen Kudus. Diese elegante Antilope ist in den nördlichen Parks nur mit sehr viel Glück vor die Linse zu bekommen.
Im Hinblick auf Landschaft und Vegetation ähnelt Ruaha stark dem Tarangire Nationalpark, allerdings auf einer deutlich größeren Fläche von mehr als 20.000 km². Riesige Baobab-Bäume und Akazienwälder prägen das Bild und im Zentrum bildet, besonders während der Trockenzeit, der Große Ruaha River die Lebensader des Nationalparks.






Eintritt: US $ 30,- pro Person und Tag (+ 18% VAT)
Unterkunftsempfehlung: Ruaha River Lodge, Ruaha Nationalpark, Tansania
Nyerere-Nationalpark (ehemals Selous Game Reserve)

Der Nyerere Nationalpark geht aus dem Selous Wildreservat hervor, das bereits im Jahr 1896 von der deutschen Besatzung errichtet und 1922 nach dem ehemaligen Großwildjäger Frederic Selous benannt wurde. 2019 wurde ein Teil des Selous Game Reserves zum Nyerere Nationalpark erklärt. Er ist mit einer Größe von knapp 31.000 km², das entspricht der Landesfläche von Belgien, der größte Nationalpark Tansanias.
Das Wildschutzgebiet Selous selbst hat eine Ausdehnung von mehr als 50.000 Quadratkilometer und umfasst damit etwa fünf Prozent des gesamten Staatsgebietes. Seit 1982 ist es Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Wie man anhand der Zahlen sieht, ist die Ausdehnung enorm, dementsprechend kann man sich vorstellen, wie lange man im Nyerere Nationalpark auf Pirschfahrt unterwegs sein kann. Auch wenn nur ein kleiner Teil der Gesamtfläche für Fotosafaris genutzt wird, sind die Distanzen dennoch riesig.
Neben Pirschfahrten erwartet die Besucher in Nyerere eine weitere Besonderheit: Er ist einer der wenigen Nationalparks in Tansania, wo Bootsafaris möglich sind. Wahlweise am Rufiji Fluss oder am idyllischen Lake Manze kannst du mit dem Boot in den Sonnenuntergang schaukeln und dabei Büffel, Flusspferde und Krokodile sowie die atemberaubende Vogelwelt bestaunen und fotografieren.






Eintritt: US $ 70,- pro Person und Tag (+ 18% VAT)
Unterkunftsempfehlung: Lake Manze Tented Camp, Nyerere National Park, Tansania
Fazit meiner Reise durch die Nationalparks im Süden Tansanias

Trotz aller Herausforderungen und der teils sehr komplizierten Logistik hat sich meine Entdeckertour durch die südlichen Nationalparks definitiv gelohnt. Es war ein sehr ursprüngliches Safarierlebnis fernab vom Massentourismus, das zwar teilweise meine Nerven und meinen Geduldsfaden stark strapazierte, aber uns auch mit einzigartigen Begegnungen und Erlebnissen belohnte. Die Safari hier ist von Weltklasse, wenn man sich darauf einlässt.
Wichtigstes Learning für mich: Wer den Süden bereist, muss seine Erwartungen anpassen. Die Schutzgebiete sind viel größer, das Touristenaufkommen gering und die Wildtiere damit viel weniger abgestumpft. Sichtungen müssen hart erarbeitet werden, denn es besteht kaum eine Möglichkeit, dass sich die Fahrer mit anderen Guides austauschen oder über Funk Informationen einholen können. Dazu sind viel zu wenig Fahrzeuge unterwegs. Das bedeutet auch, dass die Tiere viel scheuer sind und beim Anblick eines Autos gerne flüchten.


Einige Gebiete des heutigen Nyerere Nationalparks waren zudem früher Trophäenjägern für die Jagd zugänglich und man merkt demnach, wie skeptisch die Tiere gegenüber Jeeps sind. Ein erfahrener Fahrer, der die Fluchtdistanzen und die Reaktion der Tiere einschätzen kann, ist hier absolut Gold wert.
Ein Vorteil des geringen Touristenaufkommens im Süden ist definitiv, dass man spektakuläre Tiersichtungen komplett für sich alleine genießen kann. Riesige Löwenrudel mit Beute, Elefanten beim Plantschen oder Leoparden im Baum, das alles kannst du erleben, ohne dich mit 50 anderen Autos um den besten Stellplatz prügeln zu müssen. Zudem bieten nur die südlichen Nationalparks die einzigartige Chance, den gefährdeten afrikanischen Wildhund in freier Wildbahn zu beobachten.

Auch landschaftlich spielen die südlichen Nationalparks alle Stücke. Angefangen mit den Udzungwa Mountains und ihrer fast tropischen Vegetation, über die weitläufige Steppe des Ruaha Nationalparks mit den vielen Baobabs bis hin zum von Seen und Flussläufen durchzogenen Nyerere-Nationalpark. Die Ausblicke und Panoramen sind spektakulär und bieten auch für Landschaftsfotografen viele Möglichkeiten.
Würde ich diese Reise wieder anbieten?
Würde ich die Fotoreise durch Tansanias südliche Nationalparks wieder anbieten? Definitiv, allerdings mit etwas geänderten Reiseablauf und angepasster Reisebeschreibung und weiterhin nur nach einem persönlichen Gespräch mit den potenziellen Kunden. Tansanias südliche Nationalparks sind ein Reiseziel für Abenteurer und Leute, denen ein Aufenthalt in abgeschiedener Natur, die Spannung bei der Suche nach den Tieren und das Eintauchen in die unberührte Wildnis Afrikas mehr bedeuten als das einfache Abhaken einer “Must-See”-Liste an Tieren.
Allen, die möglichst schnell möglichst viele unterschiedliche Tiere sehen wollen, empfehle ich definitiv eine Safari in den nördlichen Parks. Kombiniert man die Serengeti mit dem Ngorongoro-Krater, kann man mit ein wenig Glück innerhalb eines Tages alle “Big Five” bzw. zumindest die “Big Four” (ohne Nashorn) plus Gepard sowie alle weiteren typischen Vertreter der Tierwelt Afrikas sehen.
