Der Blue Mountains Nationalpark beginnt etwa 65 Kilometer von Sydney entfernt und zählt zu den bekanntesten Attraktionen im Großraum Sydney. Wenn es deine Zeit erlaubt und vor allem wenn du gerne wanderst und Zeit in der Natur verbringst, solltest du unbedingt einen Abstecher in den Park machen, der sich per Zug bequem aus vom Sydney erreichen lässt. Wenn du im Besitz eines sogenannten „MyMulti 3“ Passes für Sydney bist (dabei handelt es sich um ein Wochenticket gültig für alle Busse, Fähren und Züge in Sydney und Umgebung) ist die Fahrt zu den Blue Mountains sogar inkludiert. Ansonsten kostet die zweistündige Zugfahrt ca. 9$ pro Strecke und die Züge verkehren zur Hauptverkehrszeit alle 30 min und sonst stündlich entweder ab Central oder ab Strathfield Station.

Es gibt in der Umgebung des Parks einige Orte die sich perfekt als Ausgangsbasis für die diversen Wanderungen eignen, aber der bekannteste und das Zentrum der Blue Mountains ist mit Sicherheit Katoomba. Hier findet man ein breites Angebot an Unterkünften und Restaurants in diversen Preisklassen sowie eine vorzügliche Infrastruktur, sprich Supermärkte, Pharmacies und medizinische Versorgung. Außerdem gibt es diverse Tourenanbieter, wobei hier die Auswahl von Hop-On, Hop-Off Bustouren, die Touristen per Bus von einem Look-Out zum nächsten transportieren, bis hin zu mehrtägigen, geführten Wanderungen reicht.

Ich hatte ja eigentlich ursprünglich geplant, an zumindest einer geführten Wanderung teilzunehmen, um die Gegend mit allen Details kennenlernen zu können und Insiderinfos zu Vegetation und Tierwelt zu bekommen, aber leider waren an den gewünschten Tagen keine Wanderungen mehr verfügbar, obwohl ich meiner Meinung nach recht früh noch von Wien aus angefragt hatte. Ich kann daher nur empfehlen, frühzeitig zu buchen oder mit dem Datum flexibel zu sein, wenn der Wunsch nach einer geführten Wanderung besteht.

Wandern in den Blue Mountains Three Sisters
Der Aussichtspunkt „Three Sisters“

So musste ich also eine kleine Planänderung machen und beschloss mich nach Wanderungen zu erkundigen, die man auf eigene Faust bestreiten konnte. Glücklicherweise erhielt ich direkt in meinem Hostel kompetente Auskunft sowie Pläne der Routen. Mir wurde empfohlen, am ersten Tag bis zu den weltberühmten Gesteinsformation „Three Sisters“ zu laufen (etwa 30 min ab Katoomba Zentrum) und von dort entweder den Prince Henry Cliffwalk oder die Giant Stairways Richtung Leura Wasserfälle zu wandern, um von dort direkt zum Hostel zurückzukehren. (das Hostel lag zwar noch in Katoomba aber schon nahe bei Leura).

Am zweiten Tag wollte ich voll ambitioniert die Wentworth Wasserfälle in Angriff nehmen, eine Wanderung für die man allerdings 3-4 Stunden (ohne Fotostops) einplanen sollte. Ich hatte mir also wieder ein ambitioniertes Programm für meinen Aufenthalt zusammengestellt, das keine Verschnaufpausen zuließ. Leider plagte mich während meiner zwei Tage in Katoomba eine hartnäckige Verkühlung, weshalb sich die Wanderungen und vorallem die vielen Stufen, die in den Blue Mountains zu bewältigen sind, als sehr mühsam herausstellten.

Australien: Wandern im Blue Mountains Nationalpark
Aussichtsplattform Three Sisters

Nachdem ich also von meinem äußerst reizenden Hostel No 14 bis zu den weltberühmten 3 Sisters marschiert war und das obligatorische Foto geschossen hatte, musste ich erst einmal vor dem herannahenden Gewitter in den nahe gelegene Souvenirshop flüchten, denn der Himmel war ziemlich schnell bedrohlich schwarz geworden und ich wollte meine Wanderung keinesfalls während eines Tropensturms beginnen.

Also hieß es einmal im wahrsten Sinne des Wortes Abwarten und Tee (bzw. Kaffee) trinken. Gott sei Dank verzog sich das Gewitter recht schnell und schon bald kam die Sonne heraus und es wurde wieder angenehm warm. Ich hatte ja schon befürchtet, dass ich auf Grund des Wetters alle meine Wanderpläne auf Eis legen könnte und die zweistündige Fahrt aus Sydney umsonst angetreten war, aber Gott sei Dank klarte es ziemlich schnell auf.

Australien: Wandern in den Blue Mountains
Eingang zur“The Giant Stairways“ Wanderung

Ich packte also meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg zum Cliff Walk. Nach einem kurzen Stück kommt man an eine Abzweigung, wo man sich entscheiden muss, ob man oben entlang der Klippen oder unten im Tal durch den Regenwald wandern möchte. Oben hat man natürlich die bessere Aussicht über das Tal und der Weg ist auch kürzer, aber er liegt auch etwas exponierter und bietet wenig Schatten. Unten im Tal ist es zu jeder Tageszeit hingegen angenehm kühl und schattig, allerdings ist der Weg länger und um ihn zu erreichen muss man erst ungefähr 900 Stufen hinabsteigen, auch bekannt als der Giant Stairway.

Ich war natürlich mal wieder übermotiviert und wollte unbedingt die schwerere Wanderung bewältigen. Was ich leider in diesem Moment nicht bedacht hatte war, dass die Stiegen durch den Regen extrem nass und rutschig waren. Obwohl ich extrem vorsichtig war, sobald ich meine Fehleinschätzung bemerkt hatte, und trotz wirklich guter Wanderschuhe, passierte es und ich rutschte oben auf einem Teilstück aus. Es passierte so schnell, dass ich erst realisierte was passiert war, als ich schon auf meinem Rucksack die gesamte Stiegenlänge heruntergeschlittert war. Da lag ich also, mitten im Nirgendwo wie ein Käfer am Rücken und dachte mir nur „Scheiße, was mach ich jetzt wenn ich mir was gebrochen habe?“. Wegen des Regens war ich nämlich der einzige Depp auf diesem Wanderweg und ich sollte später auch nur zwei andere Leute auf dieser Route treffen!

Nach dem ersten kurzen Schock prüfte ich endlich alle meine Gliedmaßen auf ihre Funktionstüchtigkeit und stellte ziemlich erleichtert fest, dass ich wohl Glück gehabt hatte und alles noch dran war. Anscheinend hat auch der Rucksack wie ein Airbag gewirkt und meinen Rücken geschützt. Allerdings fiel ich wohl auf der letzten Stufe voll auf mein Steißbein und das tat wirklich höllisch weh. Ansonsten hatte ich glücklicherweise nur ein paar Kratzer und blaue Flecken abbekommen, aber das Steißbein tut auch heute, 10 Tage später noch weh und ich werde es wohl zur Sicherheit röntgen müssen, wenn ich wieder zu Hause bin.

Australien: Wandern im Blue Mountains Nationalpark
Wasserfall mit Graufilter fotografiert

Aber ich wollte mich nicht unterkriegen lassen und wanderte nach einer kurzen Verschnaufpause weiter, wobei ich wirklich jeden Schritt sehr bewusst und langsam setze, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich unten angekommen war. Hier ging es dann flott weiter auf einer ebenen Strecke durch den Regenwald, wo durch den vorhergehenden Regen eine wirklich sehr spezielle Stimmung herrschte. Was mich allerdings leicht nervös machte war die Tatsache, dass hier, obwohl es sich um eine der beliebtesten Routen handelte, an diesem Tag augenscheinlich niemand unterwegs war.

Normalerweise trifft man auf bekannten Wanderungen in regelmäßigem Abständen andere Wanderer und hat so ein bisschen eine Sicherheit, dass man im Fall des Falles Hilfe bekommen kann, aber hier war ich wirklich ganz auf mich alleine gestellt. Kein unbedingt sehr schönes Gefühl, obwohl die Wanderung selbst wirklich toll war. Ich sollte, wie bereits oben erwähnt, erst ganz am anderen Ende der Strecke auf zwei Menschen treffen, die sich ebenfalls auf den Giant Stairway gewagt hatten. Wie auch immer, am Ende ist ja alles gut gegangen und ich kam schon bald am Ende des Weges an und wie ihr euch vorstellen könnt, wenn man 900 Stufen hinuntergestiegen ist, so muss man diese 900 Stufen auch wieder erklimmen und das war wirklich der anstrengendste Teil des Weges, nicht zuletzt deshalb weil es an diesem Tag auch außergewöhnlich schwül war.

Als ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich bei den Leura Fällen angekommen war, war ich, die sich eigentlich für eine überdurchschnittlich fitte Person hält, wirklich ungewöhnlich fertig und freute mich auf eine Dusche und ein weiches Bett. Ich fand den Weg zum Hostel Gott sei Dank recht schnell und fiel dann auch recht bald in einen tiefen Schlaf. Trotz aller Aufregung eine ungewöhnlich schöne Wanderung in einer sehr beeindruckenden Umgebung.

Australien: Wandern in den Blue Mountains
Eukalyptuswälder, Blue Mountains NP

Am nächsten Morgen fühlte ich mich schon wieder fit und nahm nach einem ausgiebigen Frühstück den Zug nach Wentworth um von dort aus die 4-stündige Wanderung Wentworth Falls und National Pass in Angriff zu nehmen. Der Tag war schön und trocken und es waren daher – oh Wunder – auch zahlreiche andere Leute unterwegs, was schon ein sehr beruhigendes Gefühl war. Das Schuhwerk so mancher ließ mich allerdings nur den Kopf schütteln, den viele, speziell viele junge Wanderer, waren nur mit einfachen Sneakers oder Converse unterwegs und ich muss ehrlich sagen, ich möchte gar nicht daran denken, was am Vortag passiert wäre, wenn ich nicht die festen, knöchelhohen Wanderschuhe getragen hätte, die meine Knöchel vor dem Umknicken schützten.

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Auf gehts zum National Pass

Die Wanderung um die Wentworth Falls zählt definitiv zu den schönsten in den Blue Mountains. Zu Beginn geht es wieder einige Stufen hinab neben spektakulären Wasserfällen und kleinen Flüssen und einer traumhaften Aussicht auf das Tal. Eine Besonderheit hier ist der bläuliche Nebel, der immer über den Baumkronen zu liegen scheint (daher kommt auch der Name „Blue Mountains“). Grund für dieses Phänomen sind die vielen Eukalyptus Bäume, deren Öl in der Luft über den Baumwipfel verdampft, was für den für das Tal charakteristischen mystischen Nebel sorgt. Nachdem die Wasserfälle passiert sind geht es weiter auf dem National Pass, ein Pfad der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Klippen gehauen wurde. Dieser Weg bietet eine spektakuläre Aussicht über den National Park und immer wieder laden Look Outs für Fotostops ein.

Wandern Blue Mountains National Pass
Der National Pass bietet tolle Aussichten

Vom National Pass führen einige Wanderungen weg, aber mich zog es, da ich nicht so viel Zeit hatte und nach den Erlebnissen am Vortag auch nicht übertreiben wollte, zur sogenannten Conservation Hut. Von dort kann man entweder den Bus zurück nach Katoomba nehmen (er fährt wie ich feststellen musste nicht wirklich sehr regelmäßig) oder zu Fuß nach Wentworth laufen (ca. 40 min) und von dort den Zug nehmen. Ich entschied mich schlussendlich für Zweitere Option, da es mir sinnvoller erschien, als stundenlang in der Pampa auf einen Bus zu warten. So konnte ich zumindest auch noch einen Blick in den Ort werfen, ein wirklich entzückendes kleines Städtchen mit vielen gepflegten Häusern und Gärten.

Wandern in den Blue Mountains Hostel No. 14
Das entzückende Hostel No. 14 in Katoomba

Zurück in Katoomba holte ich noch schnell meine Sachen im Hostel ab bevor ich den Zug zurück nach Sydney nahm. In Sydney angekommen führte mich mein Weg direkt nach „Ball’s Head“ ein Erholungsgebiet nördlich des Zentrums gelegen, das wirklich einen fantastischen Blick auf die Stadt bietet und das aus einer wenig bekannten Perspektive. Ich hatte darüber im Internet gelesen, und wollte mich unbedingt selbst davon überzeugen. „Ball’s Head“ liegt nur ein paar hundert Meter von der Zugstation „Waverton“ entfernt und ist somit leicht von der Central Station aus zu erreichen. Was mir nicht bewusst war ist, dass es sich dabei anscheinend wirklich um eine Art Geheimtipp handelt, denn ich war mir nicht ganz sicher in welche Richtung ich bei der Station abbiegen sollte und egal wen ich fragte, es konnte mir keiner der vorbeikommenden Einheimischen sagen, wo genau sich die „Ball’s Head Reserve“ befand.

Sydney Aussichtspunkte Ball's Head Reserve
Aussicht von Balls’s Head Reserve (Graufilter)

So irrte ich also ein wenig in dem Viertel herum, nebenbei erwähnt im kompletten Wanderoutfit, bis ich endlich auf eine junge Australierin traf, die wusste wo ich hinwollte und es mir auch gut erklären konnte. Im Endeffekt ist es eh ganz leicht, man muss nur ein Stück weitergehen als man glaubt zu müssen. Vom Zug kommend raus und links auf die Baystreet und dieser folgen. Sobald man glaubt, dass bald nichts mehr weiter geht, ändert sich der Straßenname in Ball’s Head Drive und dann ist es schon nicht mehr weit. Im Park angekommen noch ca. 10 Minuten hinauf zum Lookout und zur Picknickarea und man wird mit einem wirklich spektakulären Blick auf die Stadt belohnt.

Leider konnte ich nicht bleiben, bis es komplett dunkel war, da ich noch nicht im Guesthouse eingecheckt hatte und auch noch mein Gepäck aus dem Gepäckraum holen musste, aber mir sind ein paar beeindruckende Fotos mit Graufilter gelungen! Außerdem würde ich grundsätzlich empfehlen, den Lookout mit dem Mietwagen zu besuchen, wenn man die Möglichkeit dazu hat, da der Weg zurück nur wenig beleuchtet ist.

Leider war mein Aufenthalt in Sydney und den Blue Mountains damit schon zu seinem Ende gekommen. Natürlich hätte ich auch eine Woche oder mehr in der Traumstadt verbringen können, aber bei meinem begrenzten Zeitkontingent von nur 3,5 Wochen, musste ich leider Prioritäten setzen. Immerhin habe ich aber mehr als nur einen Grund, irgendwann wieder hierher zu kommen und außerdem freute ich mich schon ganz besonders auf die mir bevorstehende Outback Safari ab Alice Springs über die ich im nächsten Artikel schreiben werde!

Unterkunft: Hostel No 14,14 Lovel Street, Katoomba, NSW2780, Australien, Tel: +61 2 47 82 7104, E-Mail: info@no14.com.au

Tipp: Dieses gemütliche Hostel kannst du auch bequem über Booking.com* buchen!

Geführte Touren: Blue Mountain Guides, 33 Portland Road, Medlow Bath NSW 2780, Blue Mountains, Australia, Tel: 1300 300 755, E-Mail: info@bluemountainsguides.com.au

Bester Fotospot (Sydney): Ball’s Head Reserve, Balls Head Dr, Waverton NSW 2060, Australien

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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

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