Zwei Millionenmetropolen. Zwei historische Städte mit einer tragenden Vergangenheit. Doch während die Hauptstadt Kolumbiens vor allem durch seine berühmten Kulturveranstaltungen und Gewaltverbrechen bekannt ist, schmückt sich die “Stadt des ewigen Frühlings” mit Geschichten über Pablo Escobar und dem Titel der „innovativsten Stadt der Welt“.

 

Bogotá

Raus aus dem tropischen Regenwald und rein in die pulsierende Großstadt. Morgens umgaben mich noch Vogelgezwitscher und die artenreiche Natur Puerto Nariños. Ich relaxte am Fluss und die Sonne wärmte meine Haut. Nachmittags finde ich mich zwischen 15 Stylisten, auf ca. 20m2, wieder. Völlig überfordert sitze ich hier, während Friseure Scheren und Föhne schwingen, Kinder umherwuseln und die Damen von der Maniküre über den Lärm hinweg schnattern.
Nach einigen Tagen, fernab der Zivilisation, wollten meine Freundinnen und ich uns etwas gönnen. Wir wollten uns wieder hübsch machen. Doch wir landeten in einem typischen kolumbischen Salon, der auch noch völlig überfüllt war. Somit wurden wir mit Gedränge, Lärm und Hektik in die Realität zurückgeholt.
Doch irgendwie ist das auch okey. Schließlich beschreiben diese Substantive auch eine Facette Bogotás. Und jeder, der bereits das Transmilenio der Hauptstadt genutzt hat oder zu den Stoßzeiten im Auto gesessen ist, wird mir vermutlich stöhnend zustimmen. Bei einer Einwohnerzahl von circa 7,7 Millionen Menschen sind Unruhe und Stress eben vorprogrammiert.

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Bei der Berichterstattung über die Millionenmetropole stehen meist der Drogenhandel von Kartellen, Gewaltausübungen und mangelnde Sicherheit im Vordergrund. Davon erfahre ich jedoch gar nichts. Im Gegenteil – meine Freunde entführen mich zu schönen Plätzen, tollen Kulturveranstaltungen und bringen mir das Leben der Rolos (Bewohner Bogotas) näher. Denn, was viele Personen nicht kennen, ist Bogotás Vielzahl an renommierten Kultureinrichtungen. Neben dem Ruf eines der gefährlichsten Städte Südamerikas zu sein, erlangt es so auch als eines der kulturellen Zentren Lateinamerikas an Bekanntheit. Demnach ist der Besuch kultureller Einrichtungen Pflichtprogramm. Mein persönlicher Tipp für Jung und Alt, Kulturliebhaber und eher Abgeneigten ist das Kino „cine tonala“. Dieses führt sehr interessante und alternative Filme vor. Neben gratis Wohnzimmeratmosphäre gibt es ein kleines Restaurant, welches leckeres Essen und Getränke anbietet. Nach Deinem Kinobesuch solltest Du noch einen Abstecher in die Calle Septima (2 min. Fußweg) machen und in der „Beer Company“ kolumbianisches Bier kosten. Für Liebhaber kultureller Veranstaltungen hat Bogotá einiges zu bieten. Im Sommer finden viele Aktivitäten, wie Musik- und Tanzveranstaltungen aber auch Festivals, unter freiem Himmel statt. Generell gilt Bogotá als Hochburg des lateinamerikanischen Theaters, wobei die Inszenierungen, aufgrund des minimalen europäischen und amerikanischen Einflusses, immer ihren eigenen Charme aufweisen.

La Candelaria
La Candelaria

Neben dem Besuch kultureller Einrichtungen solltest Du definitiv einen Rundgang durch die Altstadt machen. La Candelaria ist nämlich durch ihre vielen historischen Gebäude, ihre koloniale Architektur, ihre coolen Graffitis und durch ihre kleinen, süßen Geschäfte ein sehenswerter Ort. Generell hat Bogotá, auch durch seine Lage, ein besonderes Flair. Es liegt in einer fruchtbaren Hochebene der Anden, auf 2.640 Metern, und wird von einem schnell wechselnden Klima beherrscht. Aufgrund der Höhe ist es meist relativ frisch, sobald sich aber die Sonne blicken lässt, wird es schnell warm (Schalenlook). Die Millionenmetropole wird von den Dreitausendern der Kordilleren und dem Berg Monserrate umgeben. Letzteren kannst Du mithilfe einer Seilbahn erklimmen und dann die Kirche, sowie den Schrein des „Gefallenen Jesus“ besichtigen. Der Hausberg von Bogotá ist Teil des Nationalparks Enrique Olaya Herrera und beinhaltet auch einige schöne Wanderwege.

Ausblick über Bogotá
Ausblick über Bogotá

Ein Ort, um gemütlich ein Bier zu trinken oder endlos feiern zu gehen, ist die Calle 85. Tagsüber lädt sie außerdem zum Shoppen und Essen gehen ein, wobei sich nationale, internationale, sehr schicke aber auch rustikale Restaurants aneinanderreihen. Ein Muss ist das Probieren der Klassiker der kolumbianischen Küche: arepa (con huevos, boyaca), empanadas de carne / pollo und bunuelos. Diese Klassiker empfehle ich Dir an einem Stand auf der Straße zu essen, da das dortige Essen meist traditioneller zubereitet ist. Definitiv solltest Du einen Markt / Supermarkt aufsuchen und verschiedene, exotische Früchte kaufen sowie die frischen Säfte probieren, die an jeder Ecke verkauft werden. Eine Geschmacksexplosion ist hierbei sicher!

 

Früchte- und Shakeparadies
Früchte- und Shakeparadies

In Bogotá gibt es gefährliche Orte, wie auch in Berlin, New York und Sydney. Denn es hat, wie viele andere (lateinamerikanische) Länder, mit der großen Schere zwischen Armut und Reichtum zu kämpfen. Je südlicher der Stadtteil, desto gefährlicher wird es – vor allem bei Nacht. Wenn Du Dich jedoch an die Ratschläge der Polizei und Einheimischen hältst, hast Du nichts zu befürchten. Im Gegenteil – Du wirst die Einzigartigkeit der Hauptstadt Kolumbiens sehr schnell schätzen lernen.

 

Meine Tipps für Deine Reise
  • für einen Kinobesuch im cine tonala solltest Du im Voraus Karten reservieren.
  • Party: Baum (Elektro), Octava (Elektro) und Armando (Rooftop: Elektro, Erdgeschoss: Salsa, Reggaeton)
  • Fortbewegungsmittel: In Bogotá bieten sich Taxis an, da das Bussystem (Transmilenio) nicht alle Stadtteile abdeckt. Die Taxis besitzen Taximeter.
  • generell werden die Busse in Kolumbien sehr stark heruntergekühlt, ziehe Dir deshalb etwas Langes (und Dickes) an.

 

Good to know
  • Der männliche Bevölkerungsanteil Bogotás siezt sich gegenseitig (usted). Dies ist eine Frage des Respekts und ist auch schon bei Teenagern gang und gäbe.
  • Viele Kolumbianer schätzen und präferieren das klare und gut verständliche Spanisch der Bewohner Bogotás. Teilweise wird es auch als Maßangabe für Bildung und Ansehen gewertet. Die Paisa (Bewohner der ländlichen Region im Norden) gelten jedoch als warmherziger.
  • Falls Du ein Auto mieten möchtest: Du musst mindestens 25 Jahre alt sein und (solltest) über einen internationalen Führerschein verfügen. Außerdem gibt es bestimmte Regelungen, was den Straßenverkehr anbelangt. So wird an Sonn- und Feiertagen ein riesiges Straßennetz zur autofreien Zone erklärt. Des Weiteren dürfen zu gewissen Zeiten Autos mit einem bestimmten Nummernschild nicht fahren (pico y placa).

 

 

Roadtrip in den Norden Kolumbiens

Nach unserer Reise in den Amazonas und nach Puerto Nariño zieht es uns weiter. Von unserer Base in Bogotá ausgehend, fahren wir so in den Norden Kolumbiens. Wir – das sind: Ein Kolumbianer, eine Österreicherin und zwei mehr oder weniger deutsche Mädels. Süchtig nach Abenteuern und energiegeladen. Ein Auto – kein Plan.

 

Medellín 

Im Aburrá-Tal, von Bergen umringt, liegt Medellín. Doch nicht nur das Tal, sondern auch die bergige Landschaft, wird von vielen Kolumbianern bewohnt. Diese weite Distanz zwischen dem Zuhause vieler Einheimischen und dem Stadtzentrum kann seit 2004 durch die drei Metrocables (Seilbahnen) überwunden werden. Durch diesen Bau verbesserten sich auch die sozialen Strukturen der Stadt. So wird die arme Bevölkerungsschicht, welche in den Bergen lebt, nicht mehr ausgeschlossen. Ihr Weg in das Zentrum, zur Arbeit oder auch zum Arzt hat sich wesentlich erleichtert.

Die Stadt des ewigen Frühlings hat durch Pablo Escobar an Berühmtheit erlangt. Doch neben dem König der narcotraficantes prägte auch der Künstler Fernando Botero das Bild Kolumbiens und Medellíns. Seine 23 üppige Bronzeskulpturen kannst Du auf dem Plaza Botero bewundern und, da viele Kolumbianer der Meinung sind, dass die Figuren des Bildhauers Glück bringen, solltest Du Dich über Besucher, die die kurvenreichen Nacktheiten berühren, nicht wundern. Neben diesem bedeutenden Platz gibt es in der Zona Centro (zwischen Fluss und Carrera 46) weitere Sehenswürdigkeiten. Der Plaza de los Pies Descalzos (Barfußplatz) lädt Dich zum Testen Deiner sensorischen Fähigkeiten ein, während Du im Parque Barrío auf Losverkäufer, Kirchgänger und Troubadoure triffst. Falls Du Partys und Restaurants suchst, bist Du in den Parks „Parque el Poblado“ und „Parque Lleras“ sowie der Straße „Calle 33“ genau richtig. Auf gar keinen Fall solltest Du Dir jedoch Guatapé und die Fahrt mit einer Seilbahn entgehen lassen.

Plaza Botero
Plaza Botero

 

Guatapé

Allein der Weg zu diesem kleinen, bunten und lebendigen Dorf fasziniert mich. Er zeigt uns nicht nur, dass das Entfliehen der Großstadt schnell möglich, sondern ebenso wunderschön ist. Dementsprechend erleben wir auf der 2 stündigen Fahrt nach Guatapé die blühende und artenreiche Natur Kolumbiens. Als wir das Kolonialdorf erreichen, ziehen die farbigen Häuser mit ihren bunten, dreidimensional geschmückten zócalo (Sockel), unsere Blicke auf sich. Schnell erreichen wir den See „Embalse Peñol -Guatapé“, welcher zu einer Bootstour einlädt. Hierbei kannst Du, die schöne Natur genießend, mehr über Stadt und Umgebung erfahren und den Geschichten über die Domizilien sowie Tätigkeiten Pablo Escobars lauschen. Zum Mittagessen solltest Du in eines der gemütlichen Restaurants einkehren und das typische Gericht “Bandeja Paisa” probieren. Auch empfehle ich die 649 Stufen des El Peñol zu erklimmen. Denn dieser 200 Meter große, am See gelegene Granitfelsen beeindruckt mit seiner Aussicht.

 

Seilbahn / Metrocable

Um die Vielseitigkeit, Größe und Einzigartigkeit Medellíns zu erfassen, lohnt sich die Fahrt mit einer der Seilbahnen. Meine Freunde und ich fahren zur Metro-Haltestelle „San Javier“ und steigen in die dortige kleine Gondel, welche uns über unzählige Häuser hinwegschweben lässt. Wir sehen heruntergekommene Hochhäuser sowie die einfachen Blechhütten der armen Bevölkerungsschicht und erhalten einen Eindruck über die immense Größe der Stadt. Nachdem wir die Zwischenstation passiert haben, führt uns die Gondel hinauf in die Berge Medellíns. Nach ca. 10 min erreichen wir die Comuna 13. Trotz der Begleitung eines hiesigen Freundes verschaffen wir uns nur einen kleinen Überblick. Wir schlendern zu einem nahe gelegenen Aussichtspunkt. Dort umgeben uns auf einmal 15 Jungen, die uns nicht einmal bis zur Brust reichen. Sie spielen mit ihrem Fußball und halten sich am Anfang noch zurück. Als sie jedoch merken, dass wir spanisch sprechen, laufen sie auf uns zu und löchern uns mit Fragen. Sie können ihre Neugierde nicht mehr zurückhalten und wollen alles über uns wissen.

Aussicht über Medellín von der Comunidad 13
Aussicht über Medellín von der Comuna 13
Meine Tipps für Deine Reise
  • Free Walking Tour: sie verschafft Dir einen guten Überblick über die Stadt. Informationen dazu erhältst Du in nahezu jedem Hostel
  • Medellin ist eine Großstadt. Verhalte Dich dementsprechend: Entdecke die Stadt am besten mit einer Gruppe, meide gefährliche Orte und achte auf deine Wertsachen.

 

 

Reisen durch Kolumbien

Backpacking durch Kolumbien ist generell sehr einfach und relativ günstig. Das Finden einer Unterkunft wird Dir durch die Vielzahl an Visitenkarten, die in so gut wie jedem Hostel zu finden sind, erleichtert. Daneben ist das Bussystem gut und das Streckennetz ausgebaut. Teilweise musst Du verschiedene Transportmittel nehmen, um an abgelegenere Orte bzw. Unterkünfte (Los Angeles, La Finca) zu kommen. Die herzlichen Kolumbianer werden Dir gerne weiterhelfen. Sobald Du ein Taxi nimmst, das kein Taximeter besitzt, solltest Du vor dem Einsteigen den Preis verhandeln.

 

 

 

 

 

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Autor

Reisejunkie, Autor, Solopreneur. Mag es, ungewöhnliche Orte zu entdecken und nach seinen eigenen Regeln zu leben.

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