Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Reise-Tagebuch, das ich (Lisa) während meiner Rundreise durch Neuseeland 2011 geschrieben habe. Teil 11 findest du hier.

Liebe Daheimgebliebenen,

meine Reise neigt sich mit riesigen Schritten dem Ende zu. Time’s flying. Unglaublich. Ein paar Tage zuvor noch zwischen Bergen, Schafen und einsamen Schafscherer-Pubs, hat mich die Zivilisation wieder und ich muss mit Wehmut feststellen, dass meine Reise durch die Südinsel quasi abgeschlossen ist. Kaum zu glauben, dass ich jetzt zweieinhalb Wochen auf diesem rauen, wilden Eiland mit seiner unglaublichen Landschaft verbracht habe.

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Christchurch- Flower Clock

Christchurch bildet den Abschluss der Rundreise durch den Süden und es ist fast so, all ob mich dieser Aufenthalt wieder ein bisschen an die Zivilisation gewöhnen sollte. Christchurch klingt nicht nur britisch, es ist es auch. Es ist so britisch, dass das kleine Strömchen, welches die Stadt quert als „Avon River“ bezeichnet wird und dutzende Backsteinhäuschen bzw. viktorianische Holzhäuser an seine Wurzeln erinnern. Beim Besuch des Art Centers, ehemals die Universität, könnte man fast meinen, gerade nach Cambridge gebeamt worden zu sein. Logisch natürlich auch, dass die kleine Kirche mit ihrem 34 m hohen Turm als Kathedrale bezeichnet wird.

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Die Kathedrale von Christchurch wurde kurz nach meinem Besuch bei dem verherrenden Erdbeben im Februar 2011 zerstört

Diese markiert übrigens auch gleichzeitig das Zentrum der Stadt, die sich von diesem zentralen Platz ausgehend schachbrettartig ausbreitet. Den Turm kann man übrigens auch besteigen, die Aussicht kann zwar mit der vom Petersdom nicht mithalten, aber es ist ganz nett und bietet einen schönen Überblick.

Da in Neuseeland ja die meisten Leute in Auckland leben, ist natürlich auch Christchurch eine Großstadt im relativen Sinn. An einem Tag hat man eigentlich das wichtigste gesehen und einen umfassenden Einblick gewonnen. Die Menschen hier sind eine bunte Mischung aus Studenten, Backpackern und Aussteigern sowie vereinzelten Einheimischen. Die Atmosphäre ist stets sehr gechillt, man trifft sich häufig am Cathedral Square für einen Plausch oder einen Kaffee.

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Markt beim Art Center

Christchurch war übrigens eine der wenigen Städte, wo ich mir selbst eine Unterkunft gesucht hatte, da man mit dem Bus zumeist in riesigen, unpersönlichen Massenabfertigungshostels eingebucht wird. Das hat zwar den Vorteil, dass man mit seiner aktuellen Gruppe zusammenbleibt aber über die teilweise herrschenden Zustände in den Gemeinschaftsküchen und den Lärmpegel des Nächtens, wenn Leute fortgeschrittenen Alters, so wie ich :-), bereits schlafen, brauche ich hier denke ich keine Worte verlieren.

Überhaupt ist das Phänomen 18, Schule fertig Weltreise, wirklich witzig zu beobachten. Selbst da die Küchen mit Schildern wie „Mum’s not here, cleaning after you, wash your dishes and keep kitchen tidy“ gepflastert sind, hilft das relativ wenig, wenn der junge Weltreisende schon Probleme beim Erwärmen des Dosenfutters hat. Und überhaupt, wer hat behauptet, dass man nach dem Einseifen mit Wasser abspülen sollte? Da wird der Teller frisch fröhlich eingeseift und sofort trocken gewischt. Wem das Einseifen auch zu mühsam ist, der taucht den Teller schnell mal in das Wasser, das sich in der Spüle gesammelt hat, da selbige wieder mal verstopft ist, fertig! Brauche ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich meine Teller immer zweimal- vor und nach dem Essen- gewaschen habe?

Wie auch immer, ich buchte mir also dieses ultra entzückende Hostel „Foley Towers“, etwas außerhalb des Zentrums, wo es pro Zimmer nur 3-4 Betten gab, die Küchen sauber und toll ausgestattet waren und man in einem schönen Garten frühstücken konnte. Als Draufgabe gab es eine anhängliche Hauskatze, die einen Morgens miauend begrüßte als ob man schon ewig dort wohnen würde. Ich war zwar alleine dort, aber diese Ruhe… Herrlich!

Meinen freien Tag verbrachte ich mit einem ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt und ihre Gärten. Dabei fiel mir auf, dass das Erdbeben, das Christchurch im September 2010 erschütterte, doch viel mehr Spuren hinterlassen hatte, als ich es mir vorgestellt hatte. Neuseeland liegt nämlich genau da, wo australische und pazifische Platte aufeinandertreffen und desöfteren äußert sich das in schweren Erschütterungen. Im September 2010 eben in Christchurch mit ganzen 7,2 auf der Richterskala! Ums Leben gekommen ist übrigens wie durch ein Wunder niemand, aber der Schaden ist, wie gesagt, beträchtlich. Ganze Straßen sind noch immer verwüstet, Häuser halb eingestürzt, Geschäfte verweisen auf Ersatzstandorte oder sind bis auf weiteres geschlossen. Unzählige Gerüste, Baustellen und gesperrte Straßenzüge erinnern täglich an das Desaster. Es ist wirklich sehr schade, denn die Stadt hatte durchaus Charme und sehr hübsche Gebäude.

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Besuch im botanischen Garten

Die meisten sind wie bereits eingangs erwähnt im englischen Stil gehalten, aber es gibt auch ein paar Straßenzüge mit fast Hacienda artigen Gebäuden, die stark an Spanien erinnern. Ein großes Highlight der Stadt ist der botanische Garten, ein 40h Refugium mit unzähligen Bäumen, Blumen und Blüten verschiedenster Länder und Arten. Ein grünes Paradies und herrliche Ruheoase. Gleich daneben lockt die Art Gallery mit interessanten Ausstellungen und in der ehemaligen Universität, dem Art Center gibt es einen Wochenmarkt, wo Kunsthandwerk und typische neuseeländische Artikel verkauft werden. Dazu kulinarische Spezialitäten und Straßenkünstler! Hier habe ich übrigens endlich meine heißersehnten und lange gesuchten original neuseeländischen Lammfellstiefel erstanden, herrlich warme Stiefel aus feinstem Lammleder, gefüttert mit Lammfell für warme Füße zu jeder Zeit. In Österreich blättert man für so ein Importprodukt aus NZ oder Australien an die € 300 hin, mir haben sie umgerechnet ca. € 115 gekostet. Wieder ein Hackerl auf meiner Must- Do Liste!

Nach meinem botanisch-kulturellen- Schuheinkaufsausflug erklomm ich noch schnell den Turm der Kathedrale mit seinen unglaublichen 34 m bevor ich den Rest des Nachmittages durch die umliegenden Souvenirläden streifte. Ein paar Daheimgebliebene dürfen sich schon freuen 🙂

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Ausblick von der Kathedrale auf die Stadt

UPDATE 2014: 5 Tage nach meinem Besuch in Christchurch, legte ein verheerendes Erdbeben diese schöne Stadt in Schutt und Asche. Kaum eines der von mir erwähnten und in den Fotos zu sehenden Gebäude hat diese Katastrophe überstanden. Das Zentrum war jahrelang gesperrt und die Aufräumarbeiten dauern auch drei Jahre danach noch an. Daher ist mein Beitrag eine Reflektion über den Zustand der Stadt vor diesem großen Unglück.

Am Abend wurde dann noch die unglaublich große und bestens ausgestattete Küche meiner Unterkunft hier ausgenutzt, bevor es ziemlich früh ins Bett ging, da es am nächsten Tag wieder um 6 Uhr Tagwache hieß. Bevor wie uns nämlich endgültig von der Südinsel verabschieden würden, stand noch ein Besuch in Kaikoura an. Dieser kleine Ort gilt als Wal und Meeressäuger Hotspot und man kann hier so ziemlich alles machen, was mit Walen, Delfinen oder Seelöwen zu tun hat. Schwimmen mit Delfinen, Walbeobachtungen vom Boot oder Flugzeug, Seelöwen Encounters… Nachdem ich es nach reiflicher Überlegung persönlich für nicht eine allzu gute Idee halte, die Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum mit hysterischen Touristen zu belästigen, schied Delfinschwimmen schon einmal aus, ganz abgesehen von den nicht unerheblichen Kosten und der Tatsache, dass ich meinen Ausgaberahmen für diese Reise schon zweimal unauffällig nach oben korrigieren musste. Aber man gönnt sich ja sonst nichts im Leben 😉

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Seelöwen in Kaikoura

Wale beobachten konnte ich schon in Kanada, daher war ich mir nicht sicher, ob ich das noch mal machen sollte aber während ich noch heftig grübelte wurde mir die Entscheidung vom Wettergott abgenommen, da die Fahrt wegen, dreimal dürft ihr raten, REGEN und dementsprechend schlechter Sicht abgesagt wurde. Daher habe ich nachdem das Wetter etwas besser geworden war, sprich kein Regen, nur noch grau, wieder einmal die Wanderschuhe ausgepackt und den Kaikoura Peninsula Walkway in Angriff genommen. Ein schöner Wanderweg von 3-4 Stunden einmal rund um die Halbinsel, vorbei an Schafweiden, Klippen und Seelöwenkolonien. Und hier hatte ich dann doch noch ein Meeressäuger Erlebnis, ich konnte nämlich die putzigen Pelzrobben aus nächster Nähe beobachten, da sich die hier reihenweise und völlig unbeeindruckt von den hektisch knipsenden Touristen auf den Felsen sonnen bzw. bei Mangel an Sonne ebendort schlafen. Einer dieser lustigen Gesellen lieferte eine richtige Show, setze sich auf, drehte sich auf den Rücken und versuchte sich mit seiner Schwanzflosse am Ohr zu kratzen. Da zwischen steckte er uns noch die Zunge heraus. So süß!!! (es gibt alleine auf meiner Kamera geschätzte 200 Fotos und mehrere Videobeweise dieses denkwürdigen Ereignisses)

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Kaikoura Peninsula Walkway
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Kaikoura Peninsula Walkway

Tja, das war dann auch schon der wirklich Abschluss meines Besuches im Süden. Morgen geht es auf der Fähre zurück nach Wellington und dann wieder nach Auckland, wo als krönender Abschluss meiner Reise von 18. bis 20. ein Besuch des hohen Nordes, der Bay of Island ansteht. Der gilt übrigens, ob seinen hohen Temperaturen und unzähligen weißsandigen Stränden als Neuseelands äquivalent zur Südsee und da dies meine letzte Chance ist, doch noch etwas Urlaubsfarbe aufzureißen, dürft ihr mir alle noch einmal die Daumen drücken für 2 schöne Tage da oben.

Bis dahin, alles Liebe!

Lisa

Christchurch

Unterkunft: Foley Towers Hostel, 208 Kilmore St, CHRISTCHURCH 8011, New Zealand. (ich habe geprüft, das Hostel hat das Erdbeben überstanden und kann normal gebucht werden)

Weitere Hostels in Christchurch findest du z.B. auf Hostelworld.com

Botanischer Garten: Christchurch Botanic  Garden, Rolleston Avenue, Christchurch, New Zealand, E-Mail: Öffnungszeiten: Nov.-Feb. 7am to 9pm, Mar.and Oct. 7am to 8.30,April-Sep. 7am to 6.30pm, Eintritt frei (für Besucher normal geöffnet, teilweise noch Schäden an den Gebäuden)

Arts Center & Wochenmarkt: Arts Center, 301 Montreal Street, Christchurch, New Zealand, Tel: +64 3 364 9720, E-Mail: info@artscentre.org.nz (schwere Schäden durch das Erdbeben)

Kaikoura

Unterkunft: Albatross Backpackers, 1 Torquay Street, Kaikoura, 7300, New Zealand, Tel (im Land): 0800 222 247, Tel (international): +64 3 319 6090, E-Mail: albatrossnz@xtra.co.nz

Delfin Schwimmen: Dolphin Encounter, 96 Esplanade, Kaikoura 7300, New Zealand, Tel: +64 3 319 6777, E-Mail: info@dolphin.co.nz

Walbeobachtung: Whale Watch Kaikoura, The Whaleway Station, Whaleway Road, PO Box 89, Kaikoura, New Zealand, Tel: + 64 3 319 6767, E-Mail: res@whalewatch.co.nz

Wandern: Kaikoura Peninsula Walkway, weitere Infos auch im Kaikoura Visitor Centre, West End Kaikoura, New Zealand, Tel: +64 3 319 5641

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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

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