Dieser Beitrag ist ein Auszug aus meinem Reise-Tagebuch, das ich (Lisa) während meiner Rundreise durch Neuseeland 2011 geschrieben habe. Teil 10 findest du hier.

Liebe fleißigen Leser dieses Blogs,

jetzt ist mir beim Durchlesen meines letzten Eintrags doch tatsächlich aufgefallen, dass ich ihn mit den Worten „ich bin gerade beim Mount Cook“ begonnen habe, euch aber am Ende vor lauter Schwärmerei von Stewart Island gar nichts dazu erzählt habe. Naja aber das wäre dann wohl auch ein wenig lange geworden.

Ich muss ja auch sagen, dass ich hier soviel erlebe, soviel sehe und soviel abklappere, dass ich mit dem Schreiben meiner Berichte kaum nachkomme. Es ist ja auch nicht so, dass ich dazwischen so ultra viel Zeit hätte. Und meistens ist man nach so einem Reisetag- ganz zu schweigen nach Monsterwanderungen- auch dermaßen kaputt, dass man gar keine Lust mehr hat den Computer aufzudrehen. Immerhin bewegen sich unsere „Tagwache“ Zeiten auch täglich zwischen 05:30 und 7:30 Uhr, ohne Rücksicht auf Wochenenden etc.. Ich befürchte ja fast, dass ich nach diesem Reisemarathon Urlaub vom Urlaub brauche 😉

Auf jeden Fall war es so, dass wir Stewart Island in aller Herrgottsfrühe wieder verlassen mussten, um unseren Bus zu erwischen. Dankenswerterweise und ohne Rücksicht auf unseren etwas müden Geisteszustand, zeigte uns das Meer da unten ganz ungeniert, was es so drauf hat. Da gabs einen Wellengang, das habe ich ja noch nie erlebt. Zeitweise befürchtete ich wirklich, die kleine Fähre würde zwischen den riesigen Wellen verschwinden, aber unser Skipper fuhr ziemlich cool durch die aufgewühlte See und das kleine Schiffchen hüpfte wie ein Flummi über die Wellen- brettelharte Landung inklusive. Es fühlte sich ein bisschen so an wie eine Mischung aus Achterbahn und Bruchlandung. Meine schweizerischen, deutschen und britischen Kollegen hingen alle ziemlich grün an der Reling am Heck, Toilettenbesuche inklusive. Was mich angeht muss ich mit Stolz sagen, trotz meiner Wurzeln als waschechter Städter, ging es mir ziemlich gut. Ich habe nämlich die Hälfte der Fahrt einfach verschlafen 🙂

Glücklicherweise kamen wir dann nach gut einer Stunde unversehrt an und konnten, manch einer noch ganz wackelig auf den Beinen, unseren Bus besteigen und die anderen Mitreisenden mit unseren tollen Erzählungen quälen. Ob es so mancher bereute, den Tag davor im Pub verbracht zu haben?

Im Bus ging es dann weiter die Küste hinauf auf einer Route durch eine Gegend, die als die Caitlins bekannt sind. Früher Sumpflandschaft, haben die Horden an schottischen Siedlern das Land nach und nach in fruchtbares Weideland verwandelt und so präsentiert es sich auch: grün, hügelig und voller weißer Wollknäuel. Überhaupt hatte die Küste hier mit den grünen Wiesen, den schroffen Klippen und dem wilden Meer darunter sowie den unzähligen grasenden Schafherden oben drauf irgendwie was von Rosemund Pilcher Romantik.

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Die Caitlins

Den Abend verbrachten wir dann in einer schönen Stadt namens Dunedin, wo nicht nur der Name an Schottland erinnert. Dass es hier mal wieder regnete muss ich nicht extra erwähnen, oder? Aber was wäre auch so eine britisch angehauchte Gegend ohne Regen 😉 (Ja das nennt man Zweck Humor, oder soll ich mir ernsthaft von diesem lästigen, nassen Element meinen Selbstfindungsurlaub verderben lassen?)

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Dunedin

Mittlerweile vollkommen wasserfest und regenresistent ob der Erfahrungswerte der vergangenen 3,5 Wochen, ließ sich Frau Stelzel natürlich nicht unterkriegen und marschierte brav das gesamte Stadtzentrum ab, mit dem Ergebnis, dass sowohl Reiseführer, Fotoapparat, als auch meine Wenigkeit danach erst einmal trockengelegt werden mussten. Bei vier Personen auf geschätzten 4,5 Quadratmetern in unserer Herberge auch keine allzu schwierige Aufgabe. Abgesehen davon, hatten wir dazu auch beim abendlichen Brauereibesuch reichlich Zeit und Möglichkeiten. Nach einer 1,5 stündigen Tour und einem Einblick hinter die Kulissen DER neuseeländischen Biermarke Speight’s Brewery, konnten wir uns eine halbe Stunde lang durch das gesamte Sortiment kosten. Ich sage nur Prost!

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Speight’s Brewery

Am nächsten Morgen, oder besser im nächsten Morgengrauen ging es weiter, das Wetter perfekt, der Himmel strahlend blau, als ob der Regen am Tag davor nur Einbildung war. (Manchmal habe ich ja mittlerweile ernsthaft das Gefühl, der alte Maori Gott will mich ärgern) Unser nächstes großes Ziel hieß Aoraki/ Mount Cook, ein weiteres Highlight in diesem schönen Land. Dieser Berg ist nämlich mit seinen 3754 m Neuseelands höchster Gipfel. Ursprünglich maß er übrigens stolze 3764 m, aber musste auf Grund eines Felssturzes Federn bzw. Steine lassen und eben diese 10 m einbüßen. Hat aber an seinem Status als höchster Berg nichts geändert!

Aoraki ist übrigens Maori und bedeutet „Wolkenkratzer“. Wie sein englischer Name ja nahelegt, wurde der Berg ursprünglich nach einem alten Bekannten- ich verweise auf vorhergehende Blogs- benannt, Captain Cook, der Kapitän, der als erster die englische Flagge auf neuseeländischem Boden hießte. Im Zuge der Abkommen mit den Maori und der Wiedergutmachungen der vielen bösen Taten, die die Engländer werden der Kolonialisierung begangen hatten, wurde den Maori Land zurückgegeben, die Sprache ist offiziell als zweite Amtssprache im Gebrauch und, siehe Mount Cook, viele Sehenswürdigkeiten und Orte bekommen auch ihren Maori Namen zurück bzw. müssen offiziell einen Doppelnamen tragen. Daher Aoraki/Mt. Cook. Soviel zur Historie dieses Ortes.

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Blick auf Mt. Cook am Weg ins Hooker Valley

Achja, bevor ich es vergesse, Mount Cook ist auch als Trainingsberg von Sir Edmund Hillary bekannt. Klingeln da etwas? Also wenn nicht, Sir Hillary ist so ziemlich der berühmteste Neuseeländer aller Zeiten. Dieser wagemutige Mann war nämlich im Jahre 1953 erstmals am Mount Everest und hatte für dieses Kunststück eben am Mount Cook trainiert. Der Berg ist zwar nicht allzu hoch (wenn mich jetzt meine geografischen Kenntnisse nicht ganz im Stich lassen müsste er was die Höhe angeht sich im Bereich unseres Großglockners befinden), aber anscheinend sehr schwer zu bezwingen und bot daher ideale Trainingsbedingungen für den ehrgeizigen Bergsteiger. Angeblich verloren schon über 200 Leute ihr Leben da oben. Sir Edmund Hillary, leider schon verstorben, ist auf jeden Fall eine Legende in Neuseeland und daher ist im am Fuße seines „Hausberges“ auch ein ganzes Museum gewidmet, das Sir Edmund Hillary Alpine Center.

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Anfahrt zum Mt. Cook

Ich habe es auf jeden Fall keine Sekunde bereut, ganze 3 Tage am Fuße dieses majestätischen Berges zu verbringen und er dankte es mir auch mit 2 Tagen strahlendem Sonnenschein. Normalerweise sieht man den Gipfel nämlich nur an einem von drei Tagen, wie ich mir von den ansässigen Experten erklären ließ. Uns präsentierte er sich während unseres gesamten Aufenthaltes in seiner ganzen Pracht. Es ist schon sehr beeindruckend, wenn man durch die ziemlich karge, fast wüstenartige Landschaft fährt und plötzlich ein schneeweißer, riesiger Berg das Blickfeld dominiert. Aoraki und seine Nachbarberge beherbergen nämlich einige der größten Gletscher des Landes und sind daher auch im Sommer strahlend weiß. Am Fuße der Gletscher entstanden Gletscherseen auf denen riesige Eisberge schwimmen, die sich irgendwann aus der Gletschermasse gelöst hatten. Wenn man das sieht kommt man sich vor als hätte man sich um ein paar tausend Kilometer geirrt und sei eigentlich in der Antarktis gelandet.

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Blick ins Tal

Ich habe meine Zeit am Mt. Cook voll ausgenutzt und jeden Tag irgendeine Tour unternommen. Tag eins ging es sofort nach dem Check-in ins Hooker Valley, eine 4 stündige Wanderung, die am Hooker Gletscher endet. Auf dem Weg dorthin eröffnen sich prachtvolle Aussichten auf den Berg. Das war übrigens die letzte Wanderung, die ich mit meiner Schweizer Mitstreiterin erleben durfte, Tags darauf haben sie und eine weitere ganz nette Mitreisende aus England mich leider verlassen 🙁 Das war wirklich schade, denn wir drei bezwangen nicht nur Berge sondern auch diverse Weinflaschen, während unserer fast 3,5 wöchigen gemeinsamen Reise.

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Mt. Cook- Mueller Hut

So musste ich am nächsten Tag alleine los marschieren, denn ich hatte mir einen Mördertrip vorgenommen, für den man so schnell keinen Mitstreiter findet. Ich wollte die Müller Hut erobern, eine Hütte hoch oben auf einem Nachbarberg des Mt. Cook. Beim Aufstieg überwindet man über 1000 Höhenmeter und auf den letzten 500 gibt es keinen Pfad mehr sondern der ambitionierte Wanderer muss sich seinen Weg selbst finden zwischen Geröll, Felsen und Steinen. Ich war wirklich froh, wohlbehalten auf der Hütte angekommen zu sein und noch mehr froh, danach auch den Abstieg unbeschadet überstanden zu haben. Runter ist nämlich, wie ich leidvoll erfahren musste, noch weitaus schwieriger als rauf bei unbefestigtem Boden. Die Aussicht da oben war jedenfalls toll, der Gletscher schien zum Greifen nah und ich war froh, dass ich mich bis zum Ende durchgekämpft habe auch wenn diese 7 Stunden bei weitem die schwierigste und herausforderndste Wanderung war, die ich jemals in meinem Leben bestritten habe. Halleluja!

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Traumhafte Kulisse auf dem Weg zur Mueller Hut

Nachdem es mir dann am nächsten Tag überraschenderweise weit besser ging als befürchtet, bildete ich mir ein, unbedingt den Tasman Gletscher und den dazugehörigen See, das ist übrigens der mit den schwimmenden Eisbergen, sehen zu müssen. Soweit so gut, dieser war nur leider 9 km von unserem Hotel entfernt. In Ermangelung eines vierrädrigen Untersatzes hieß das also, dass ich 9 km hin und 9 km wieder zurückgegangen bin, nur um diese schwimmenden Eisklötze zu bewundern. Ich war auch wirklich der einzige Depp auf dieser Schotterstraße, der zu Fuß unterwegs war, während duzende Touristen mich in ihren Campervans überholt haben- Angeber! Aber immerhin, ich war stolz auf meine Leistung und der Fußweg hatte sich auch wirklich gelohnt.

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Auf dieser Straße marschierte ich 18 km zum Tasman Glacier

Am Heimweg wurde ich übrigens 2 km vor meinem Ziel von einem Pärchen aufgelesen, das augenscheinlich Mitleid mit mir hatte. Sie erzählten mir nämlich, dass sie mich schon bei der Hinfahrt gesehen hatten und konnten es kaum glauben, dass mir niemand angeboten hatte, mich mitzunehmen. Mit dem Auto sind es da rauf nämlich nur 15 min… Naja Ende gut alles gut, ich schummelte also die letzten 2km und ließ mich von diesen netten Mitmenschen vor meinem Hotel absetzen und gönnte mir danach ein riesiges BBQ mit Steak, Lammkotlett und Würstchen, sowie ein riesiges Eis um mich für den absolvierten Gewaltmarsch zu belohnen.

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Tasman Glacier und schwimmende Eisberge
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Das Panorama entschädigte für die Mühen

Tja und dann am nächsten Tag hieß es wieder Abschiednehmen von seiner Majestät, nach einer langen Zeit Abseits der Zivilisation und eigentlich im tiefsten Hinterland hießt es nun auf nach Christchurch, auch genannt „the garden city“ und drittgrößte Stadt Neuseelands. Christchurch bildet eigentlich auch den Abschluss meiner Tour auf der Südinsel. Wie es mir hier so ergeht und was diese Stadt, trotz des verheerenden Erdbebens vom September 2010 noch zu bieten hat, erzähle ich euch in meinem nächsten Blog!

Liebe Grüße an alle Daheimgebliebenen!

Lisa

Unterkunft: Mount Cook Backpacker Lodge, Private Bag, Aoraki Mount Cook Alpine Village, NZ, Tel: +64 3 435 1653, E-Mail: bookings@mountcookbackpackers.co.nz (Die Mt. Cook Backpacker Lodge kannst du z.B. bequem über Hostelworld.com buchen!)

Wanderungen: Mount Cook Hikes & Walks, Mueller Hut Track

Radfahren: Rad & Mountainbike Strecken

Andere Aktivitäten: Bootsfahrt auf dem Tasman Glacier Tasman Glacier Explorers, Tel: + 64 3 435 1641, Email: info@glacierexplorers.co.nz

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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

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