Dieser Beitrag ist der letzte Auszug aus meinem Reise-Tagebuch, das ich (Lisa) während meiner Rundreise durch Neuseeland 2011 geschrieben habe. Hier geht’s los!

Liebe Leser,

fast drei Wochen sind seit meinem letzten Eintrag vergangen und wie viele von euch wohl bereits ahnen, bin ich mittlerweile wieder heil und gut in der Heimat angekommen. Die knapp 6 Wochen sind wie im Fluge vergangen und auch die Tatsache, dass ich schon fast 2 Wochen wieder hier bin, erschreckt mich fast ein wenig.

Der Grund für meine lange Blog- Abstinenz und das lange Warten auf den Abschlussbericht ist einerseits die Fülle an Eindrücken, die ich in meiner letzten Woche am Ende der Welt gewinnen konnte und die mir kaum Zeit für ein Update ließen. Andererseits natürlich auch das schreckliche Erdbeben in Christchurch, das den tragischen Abschluss einer Reise voller positiver Eindrücke und Erlebnisse bildete.

Just als ich mich in Auckland wehmütig auf den Weg zum Flughafen machte, bebte etwas weiter südlich die Erde und legte die hübsche, britisch anmutende Stadt Christchurch, die ich nur wenige Tage zuvor besucht hatte, in Schutt und Asche. So ein Ereignis schockiert natürlich immer, aber gerade wenn man vor kurzem erst dort war und viele der Gebäude, die man besucht oder gesehen hat, im Fernseher in Trümmern sieht, geht das schon speziell nahe. Ganz zu Schweigen von den Gedanken an die vielen Menschen, die man dort kennengelernt hat: von den fröhlichen Mitreisenden, über den freundlichen Lammfellschuhverkäufer bis zum netten Asiaten, der das Internetcafé um die Ecke vom Hostel betrieb. Ob sie alle wohlauf sind?

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Erinnerungen an Christchurch

Daher fehlten mir erstmal die Worte und die Erzählungen und Berichte über meine letzte Woche rückten angesichts der tragischen Ereignisse ganz weit in den Hintergrund. Und ist man ersteinmal in heimischen Gefilden angekommen, so ergreift einen ganz schnell wieder der Alltagstrott und es fehlt einfach an der Zeit zum Schreiben, so schade das auch ist.

Wie auch immer, eine so großartige Reise verdient einen würdigen Abschlussbericht und ihr braven Leser habt es verdient, auch einen Einblick in das nördlichste Ende dieses wunderschönen Landes zu bekommen. „The far north“ oder auch „Northland“ beschreibt die Gegend nördlich der Metropole Auckland. Es wird auch als die „Südsee“ Neuseelands bezeichnet und ist mit seinem subtropischen Klima und dank seiner Lage die weitaus wärmste Gegend dieses Landes. Ich habe euch ja schon einmal gelehrt, dass in Neuseeland alles anders und umgekehrt ist und daher ist auch der Norden wärmer als der Süden.

Bevor ich aber dazukomme, möchte ich auch noch einmal ganz kurz die Hauptstadt Wellington und den „Big Smoke“ Auckland erwähnen. Da ich ja auf meiner Reise gen Süden nur für einen Tag in der Haupstadt war, gönnte ich mir auf meinem Rückweg einen extra Tag um dieses Äquivalent zu San Francisco etwas genauer kennenzulernen. Ganz im Gegensatz zu seinem Ruf und der geografischen Lage am südlichsten Zipfel des Landes (und damit Sturmböhen ungeschützt ausgesetzt), empfing mich „Windy Wellie“ mit strahlendem Sonnenschein und angenehm warmen Sommertemperaturen um die 25 Grad. Wellington ist eine wunderschöne Stadt deren Zentrum und Hafen sich in eine Bucht schmiegen. Die Häuser und Villen seiner Bewohner hingegen sind rundherum auf grünen Hügeln drapiert, was der Grund für den häufigen Vergleich mit San Francisco ist. Es gibt sogar tatsächlich auch ein Cable Car und auch die Erdbeben Gefahr dürfte in etwa ähnlich sein.

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Wellington vom Mt. Victoria Lookout

Wellington ist trotz seiner geringen Größe und der Übermacht Aucklands, was den internationalen Bekanntheitsgrad und die Einwohnerzahl angeht, seit 1865 Haupstadt Neuseelands. Dies hatte vor allem einen strategisch, politischen Grund, da man damals in Zeiten des Goldrausches auf der Südinsel in der Hauptstadt große Angst vor einer Abspaltung und der Bildung eines eigenen Staates auf der Südinsel hatte. Um diese Bewegungen zu unterbinden und größeren Einfluss durch die nähere geografische Lage zu haben, verlegte man also kurzerhand den Regierungssitz vom nördlichen Auckland nach Wellington, quasi dem Tor zur Südinsel.

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Yachthafen von Wellington

Wellington ist nun zweitgrößter Ballungsraum und politisches und kulturelles Zentrum des Landes. Kultureller Höhepunkt und absolutes „Must-do“ bei einem Aufenthalt in Wellington ist der Besuch des Te Papa Nationalmuseums, ein riesiges, 6-stöckiges Museum, vollgerammelt mit Maori Relikten, Kunstwerken, ausgestopften Tieren, zeitgenössischen Ausstellungen und mehr. Wie in angloamerikanischen Museen üblich, ist alles animiert und kunterbunt dargestellt, blinkende Knöpfe und überdimensionale Schalthebel laden Groß und Klein zum Drücken, Herumspielen und Experimentieren ein, sei es um mittels Knopfdruck ein Erdbeben zu verursachen, die Gezeiten zu steuern oder einen Vulkanausbruch zu simulieren. Ein riesiger Spielplatz quasi für die Altersgruppe 0-99. Und das Beste daran ist: das Ganze kostet nix. Neuseeland liegt anscheinend sehr viel an Allgemeinbildung und Geschichtswissen, auf jeden Fall ist der größte Teil des Museums gratis zu besichtigen. Wenn man allerdings einer der häufig stattfindenen Sonderausstellungen einen Besuch abstatten will, so wird man ordentlich zu Kasse gebeten.

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Te Papa Museum

Kurz, für mich gab es keine europäischen Meister, aber ehrlich gesagt litt ich nach 3, 4 Stunden und 6 Stockwerken sowieso bereits an einer Art Reizüberflutung und dabei hatte ich mit Sicherheit noch nicht alles gesehen…

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Regierungsviertel in Wellington

Von Wellington ging es dann mit einer Art Expressbusservice nonstop in ca. 8 Stunden nach Auckland. Ein Tag den ich verwünschte, denn es war unglaublich anstrengend und ich weiß noch, wie ich meine Entscheidung verfluchte, nicht direkt von Christchurch nach Hause geflogen zu sein. Wenige Tage später allerdings würde ich mich bei meinem Schutzengel dafür bedanken, denn der Entschluss per Bus wieder in den Norden zu fahren und von Auckland aus nach Hause zu fliegen, rettete vielleicht mein Leben…

Wie auch immer, zurück im Norden schien es mir, als ob sich das Land bei mir für all die Wetterkapriolen der vorangegangenen Wochen entschuldigen wollte, denn auch Auckland empfing mich mit Sonnenschein und milden Temperaturen. Perfekte Voraussetzungen also für meinen Trip in den Norden und die letzten Tage meines Aufenthalts.

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Northland- ein grüner Traum

Ich sollte nicht enttäuscht werden, denn abgesehen von einem etwas holprigen Start mit ein paar dicken Wolkenfeldern am Freitag und einem Abschieds-Regenguss am Montag zeigte sich das Wetter vorbildlich. Ich konnte tatsächlich in T-Shirts und Flip-Flops herumlaufen und das bis weit in den Abend hinein. Bevor wir in der weltberühmten Bay of Islands, eine Buch geprägt von 140 kleinen und großen Inseln und Landesbekanntes Ferienziel Nummer eins (für die Kiwis) ausgesetzt wurden, machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Dorf in der Nähe, das einem bekannten österreichischen Künstler- Friedrich Hundertwasser– zur Heimat geworden war. Und tatsächlich, wer hier in Kawakawa das stille Örtchen aufsucht, der fühlt sich wie in der Spittelau in Wien: Gras am Dach, bunte Säulen, lustige Verzierungen, Herr Hundertwasser leistete ganz offensichtlich auch am anderen Ende der Welt ganze Arbeit.

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Hundertwasser Toilette in Kawakawa

Von der wunderschönen Bay of Islands und ihre Stränden, genauer gesagt von Pahia wo wir übernachteten, ging es einen Tag später hinauf in den äußersten Norden, genannt Cape Reinga, das letzte Zipferl des Landes mit absolut schöner Landschaft. Je weiter man fährt desto weniger Zivilisation gibt es, bis ganz zum Schluss eine Straße und viele, viele weiße Strände dominieren. Ein weiteres Highlight ist der Ninty-Mile Beach an der Westküste, ein kilometerlanger Sandstrand, der hochoffiziell als Autobahn genutzt wird, allerdings nur von Allradfahrzeugen befahren werden sollte. Trotzdem, Sonnenbaden empfiehlt sich auf diesem Fleckchen nicht, es sei denn man ist ein wenig lebensmüde. Dutzende Touristenbusse mit Horden von begeisterten Besuchern im Schlepptau brausen nämlich Tag für Tag im Affentempo den Sandstrand entlang und schon so mancher Sonnenanbeter konnte sich nur durch einen gezielten Hechtsprung aus der Gefahrenzone retten.

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Weiße Traumstrände im Norden Neuseelands
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Cape Reinga markiert den nordwestlichsten Punkt Neuseelands- hier treffen Pazifik und der tasmanische Ozean aufeinander
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90-Mile Beach

Mir hats da oben übrigens so gut gefallen, dass ich gleich einen Tag dranhängte und wirklich nur noch um den Flug zu erwischen nach Auckland zurückkehrte. Ob der vielen Eindrücke und der herrlichen Landschaft sowie den wunderschönen Stränden dort im Norden verstehe ich es übrigens gar nicht, dass die meisten Besucher dieses Fleckchen meiden und nach der Ankunft in Auckland gezielt gen Süden brausen. Wenn die wüssten, welches Paradies sie dort oben links liegen lassen…

Ich habe meine Zeit jedenfalls genutzt und neben den Ausflug nach Cape Reinga noch eine Wanderung von Pahia zu den Haruru Falls unternommen, einen Abstecher mit der Fähre nach Russell gemacht und am Montag eine Bootsrundfahrt durch die Bucht und ihre Inseln, inklusive der obligatorischen Durchfahrt durch das berühmte „Hole in the rock“, absolviert. Montag Nachmittag ging es dann leider zurück nach Auckland und, es hätte mich ja gewundert wenn es anders gekommen wäre, ich wurde mit einem tropischen Regenguss aus dem Paradies verabschiedet. Regen zum Abschluss, das musste nach diesen 6 wettertechnisch eher instabilen Wochen ja quasi sein.

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Wanderung zu den Haruru Falls
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Strand in Russel
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Hole in the Rock- und ja, das Schiff passt durch!

Zurück in Auckland vertrieb ich mir noch die letzten Stunden meines Aufenthalts am „schönste Ende der Welt“ mit einem kurzen Abstecher nach Rangitoto Island, einer Insel ca. 30 min mit der Fähre von Auckland aus zu erreichen, die durch die Eruption eines Vulkans entstanden war. Auch wenn ich es kaum glauben wollte und die Zeit wie im Flug vergangen war, hieß es danach doch tatsächlich Good Bye New Zealand und ab zum Flughafen.

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Ausblick von Rangitoto Island nach Auckland
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Goodbye Auckland!

Wie bereits eingangs erwähnt, wurde mein Abschied durch das verheerende Erdbeben getrübt, aber selbst diese Katastrophe konnte nicht verhindern, dass diese Reise wohl der Beginn einer großen (Reise)liebe war. Denn ich komme definitiv wieder! Obwohl ich die knapp 6 Wochen wirklich bis ins Äußerste ausgenutzt hatte gibt es noch soviel zu sehen und soviele Berge zu besteigen :-). East Cape auf der Nordinsel beispielsweise, die gesamte Ostküste der Nordinsel, die Tour auf Mount Ruapehu, Red Tarns in Mount Cook etc. etc. Und den Milford Sound muss man doch wirklich unbedingt auch einmal bei Schönwetter gesehen haben 😉

Bevor ich nun abschließe möchte ich mich auch bei allen unseren Busfahrern und „Mädchen für alles“, Rob, Nick, Ricky, Trouble, Dan und Gollum, bedanken, die uns sicher durch das Land chauffierten, dabei meistens großartige Infos lieferten und uns zudem jeden Tag ein Bett zum Schlafen organisierten! You’ve been awesome! Sweet as!

Was meine Leser angeht, so hoffe ich, dass ihr Spaß hattet, meine Reise mitzuverfolgen und dass ich vielleicht dem einen oder anderen dieses Land schmackhaft machen konnte!

Ich hatte eine wunderschöne Zeit und ich bin froh, diesen Schritt so kurzfristig gewagt zu haben! Trotzdem freue ich mich nun auch, wieder zu Hause und unter all meinen „Daheimgebliebenen“ zu sein! Mit diesen Worten schließe ich diesen Blog und bedanke mich bei allen Lesern für die Aufmerksamkeit und das rege Interesse an meinen Berichten!

Alles Liebe

Eure Lisa

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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

3 Kommentare

  1. Hi Lisa! Danke für deinen tollen und sehr ausführlichen Reisebericht zu Neuseeland, habe gerade alle Artikel dazu verschlungen. Da ich im Februar auch zu einer 6-wöchigen Reise ins Paradies aufbreche, würde ich mich freuen, wenn du mir deine Top-3-Must-Sees für Neuseeland verraten würdest. lg, Flo

    • Hallo Flo,

      vielen Dank für dein Lob. Es freut mich immer, wenn meine Berichte und Fotos die Vorfreude auf eine bevorstehende Reise noch erhöhen! Ich finds jedenfalls schonmal gut, dass du anscheinend volle 6 WOchen für deine Reise geplant hast. Viele nehmen das ja nur im Rahmen einer Australienreise mit und hetzen dann in drei Wochen durch das ganze Land- gar nicht zu empfehlen.
      Was meine Top-3 angeht, das ist schwer, dürfen es auch die Top-5 sein? 😉
      Hier meine Empfehlungen:

      1) Tongariro Alpine Crossing- sofern du nicht total unsportlich bist, so dass der Walk eine Gefahr darstellen würde, musst du das unbedingt machen. Die Eindrücke sind die Anstrengung wirklich wert! Plane aber flexibel wegen dem Wetter dort!

      2) Abel Tasman National Park- ein Traum, falls du keine Zeit für den gesamten Coastal Walk hast kann man sich auch mit dem Boot die Küste hochfahren lassen und einen Teil zurückwandern, siehe mein Bericht!

      3) Stewart Island- mein ganz persönliches kleines Paradies. Ich möchte den Trip an das richtige Ende der Welt nicht missen, auch wenn die Bootsfahrt in der Minifähre einen guten Magen voraussetzt 😉

      4) Queenstown- ob Wandern, Bungee, Fallschirm springen, Reiten, Party. In Queenstown ist für jeden was dabei und das in einer Umgebung, die dir den Atem raubt!

      5) Milford oder Doubtful Sound. Plane hier wirklich flexibel und bleibe ein paar TAge in der Gegend. Ich hatte nicht die Möglichkeit und enormes Wetterpech. Habe aber Fotos davon bei Schönwetter gesehen und alleine deshalb muss ich noch einmal hin 😉

      (6) Bay of Islands. Als Extra-Tipp quasi. Wird oft „vergessen“, ich fand den hohen Norden aber ganz besonders schön und reizvoll und vor allem das Klima ist super warm und angenehm! Ein toller Abschluss einer unglaublichen Reise!

      Wünsche dir eine tolle Reise mit vielen schönen Eindrücken!
      LG
      Lisa

  2. Hi Lisa!
    Danke für die Tipps. Steht schon fast alles auf meiner Todo-Liste. Nur bei Stewart Island bin ich noch schwer am überlegen ob sich die Strapazen für den Magen lohnen. 😉
    lg, Flo

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