Eine der häufigsten Fragen, die mich im Zuge meiner Fotoworkshops und Fotoreisen erreicht, lautet, wie man einen Sonnenstern fotografiert. Die gute Nachricht ist, dass es gar nicht so schwer ist, die Sonne oder eine andere Lichtquelle als Stilmittel einzusetzen. Mit verhältnismäßig wenig Aufwand lässt sich ein Eyecatcher kreieren, der sowohl Landschaftsfotos als auch Porträts oder Architekturaufnahmen das gewisse Etwas verleiht.

Alles was du für diesen zauberhaften Effekt brauchst, sind eine Kamera, die manuelle Einstellmöglichkeiten zulässt, ein Objektiv mit Lamellenblende und eventuell ein Stativ. Aber sehen wir uns zuerst einmal an, wie ein Sonnenstern eigentlich entsteht und warum er auch als Blendenstern bezeichnet wird.

Was ist ein Sonnenstern oder Blendenstern?

Sonnenstern fotografieren Island
Dieser Sonnenstern entstand beim Sonnenuntergang auf Island

Die Entstehung eines Sonnensterns basiert auf den Grundlagen der Physik, nämlich der Lichtbeugung oder Lichtbrechung. Wie du wahrscheinlich schon weißt, trifft das Licht über das Objektiv und die Blende auf den Sensor. Je nachdem ob du die Blende eher schließt oder öffnest fällt weniger bzw. mehr Licht auf den Sensor. Da das Licht in der Blende gebündelt wird und sich bei einer kleinen Blendenöffnung an den Lamellen bricht, ist die Blende verantwortlich für den Effekt des Sonnensterns. Man spricht deshalb auch von einem Blendenstern.

Sonnenstern fotografiert in der Atacama Wüste
Ein Sonnenstern direkt am Himmel, fotografiert in der Atacama Wüste

Generell gilt, je kleiner die Öffnung der Blende, desto stärker bricht sich das Licht an den Kanten der Lamellen und desto deutlicher ist der Sonnenstern zu erkennen. Die Anzahl der Lamellen bestimmt auch das Aussehen deines Sonnensterns. Hast du zum Beispiel ein Objektiv mit 8 Lamellen, erhältst du einen Blendenstern mit 8 Strahlen. Grund ist, dass sich die gegenüberliegenden Lichtstrahlen überlagern. Bei einer Linse mit ungerader Lamellenanzahl fehlt diese Symmetrie und die Anzahl der Strahlen verdoppelt sich. Ein Objektiv mit 7 Lamellen ergibt also zum Beispiel einen Sonnenstern mit 14 Strahlen.

Hinweis: Bei einem Objektiv mit runder Blendenöffnung funktioniert dieser Effekt logischerweise nicht. Das betrifft dich aber mit ziemlicher Sicherheit nicht, da die meisten modernen Objektive über eine Lamellenblende verfügen.

Blendensterne fotografieren Nacht
Blendensterne werden auch bei Nachtaufnahmen gerne als Stilmittel eingesetzt

Natürlich kannst du den Effekt nicht nur mit der Sonne, sondern mit jeder beliebigen Lichtquelle erzielen. Sehr häufig werden Blendensterne auch als Gestaltungselement bei Nachtaufnahmen eingesetzt. Straßenlaternen und andere kreisförmige Lichtquellen werden so sternförmig abgebildet.

Welches Objektiv eignet sich zum Fotografieren eines Sonnensterns?

Da sich Objektive abhängig von Hersteller und Bauweise unterscheiden, sehen auch die Blendensterne unterschiedlich aus. Manche Linsen eignen sich besser, manche weniger zum Fotografieren eines Sonnensterns. Man liest oft, dass nur besonders teure Linsen richtig gute Sonnensterne produzieren. Das ist eine Behauptung, die ich persönlich nicht bestätigen kann. In meiner Kameratasche finden sich Objektive in der Preisklasse von 200 bis 2000 € und ich konnte bisher mit jeder einzelnen Linse einen Stern kreieren. Was stimmt ist, dass sich der Effekt mit manchen Linsen leichter erzielen lässt und die Blendenzahl, ab der man schöne Sonnensterne einfangen kann, variiert. Schnapp dir doch einfach mal dein Lieblingsobjektiv und probiere es aus!

Hier zeige ich dir, wie sich die Sonnensterne je nach Objektiv unterscheiden

Nur teure Objektive erzeugen schöne Sonnensterne? Das ist Blödsinn! Anbei siehst du die Ergebnisse unterschiedlicher Hersteller und Preisklassen und kannst dir selbst ein Bild machen.

Sonnenstern fotografieren Sigma ART
Das ist der Sonnenstern des Sigma ART 35 mm f/1,4
Sonnenstern fotografieren Nikon 16-85 mm
Dieser Sonnenstern entstand mit dem Nikon 16- 85 mm f/3,5-4,5
Sonnenstern fotografieren Reflexion
Das ist das Ergebnis mit dem Tokina 11-16 mm f/2,8
Sonnenstern fotografieren Canon
So sieht der Blendenstern des Canon 24- 105 f/4 Objektivs aus
Blendenstern fotografieren Nikon 24-70 f/2,8
Hier sehr ihr den Sonnenstern fotografiert mit dem Nikon 24- 70 mm f/2,8
Blendenstern Nikon 14-24 f/2,8
Dieser Sonnenstern wurde mit dem Ultra-Weitwinkel Nikon 14-24 mm f/2,8 aufgenommen
Sonnenstern mit Nikon 70- 300 Tele
Dieses Foto entstand mit dem alten Nikon 70- 300 mm Teleobjektiv

Hat die Brennweite einen Einfluss auf das Aussehen des Blendensterns?

Die Brennweite selbst hat keinen Einfluss auf das Aussehen deines Sonnensterns. Logischerweise wird die Sonne bei einem Weitwinkelobjektiv kleiner abgebildet als bei einer langen Linse. Durch den Einsatz eines Teles holst du das Motiv, also die Sonne, näher heran und dementsprechend wirkt auch der Sonnenstern größer. An der relativen Größe ändert das aber nichts.

Wichtig zu wissen ist nur, dass man für einen perfekten Sonnenstern möglichst hartes, punktförmiges Licht benötigt. Zoomst du also so weit in das Bild hinein, so dass die Lichtquelle eine sehr große Fläche einnimmt oder bist du sehr nahe an der Lichtquelle dran, wird es schwierig bis unmöglich einen schönen Stern zu erzeugen.

Ich persönlich nutze Sonnensterne sehr gerne als Stilelement in der Landschaftsfotografie und fotografiere tendenziell eher mit weitwinkeligen Objektiven. Wie so Vieles in der Fotografie, ist aber auch das Geschmackssache!

Lesetipp
Welche Objektive es gibt, was die Zahlen und Abkürzungen bedeuten und wofür sie eingesetzt werden liest du in meinem großen Objektiv Vergleich!

Die richtige Blende wählen

Wirklich essenziell für die Qualität deines Sonnensterns ist die Wahl der richtigen Blende. Wie ich bereits eingangs erwähnt habe, entsteht ein Sonnenstern dadurch, dass sich das Licht an den Lamellen bricht. Je weiter geschlossen die Blende, desto schärfer und definierter also normalerweise der Sonnenstern.

Wie weit du die Blende schließen musst, um einen Sonnenstern zu erzeugen, ist wieder abhängig vom Objektiv. Manche produzieren schon ab Blende 11 brauchbare Ergebnisse, während du bei anderen Linsen komplett abblenden musst. Merke dir auf jeden Fall, dass du zum Fotografieren eines Blendensterns eine kleine Blendenöffnung, also eine hohe Blendenzahl benötigst. Wie hoch diese ist und welche Einstellungen bei deinem Objektiv die besten Ergebnisse bringen, probierst du am besten aus. Es macht auch einen Unterschied, ob du die Sonne direkt am Himmel fotografierst oder sich das Licht an einer Kante bricht.

 Als Faustregel kannst du dir merken, dass du mit Blendenwerten zwischen 13 und 22 auf der sicheren Seite sein solltest. 

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Achte auf die Verschlusszeit!

Wenn du mit dem manuellen Modus noch nicht vertraut bist, würde ich dir beim Sonnenstern Fotografieren raten mit der Blendenvorwahl (A, AV) zu fotografieren. So bestimmst du die Blende und die Kamera wählt automatisch die richtige Belichtungszeit.

Die Verschlusszeit selbst hat keine Auswirkungen auf deinen Sonnenstern. Du solltest allerdings aufpassen, dass du nicht zu lange belichtest, um unscharfe Fotos zu vermeiden. Durch die geschlossene Blende tritt weniger Licht durch die Öffnung und somit verlängert sich die Belichtungszeit. Da du aus der Hand nicht länger als 1/60 Sekunde belichten solltest, musst du entweder den ISO-Wert anpassen und die Lichtempfindlichkeit erhöhen oder die Kamera auf ein Stativ packen.

 Gerade in der Landschaftsfotografie würde ich dir definitiv zum Stativ raten, um das Maximum aus deinen Bildern herauszuholen. 

Die Sonne ist überbelichtet
Bei diesem Bild ist die Sonne zu hell. Die Strahlen sind oben nicht mehr zu erkennen.

Wenn du zu Sonnenauf- oder Sonnenuntergang fotografierst musst du auch die Kontrastsituation bedenken. Die großen Helligkeitsunterschiede zwischen Sonne und Landschaft bringen auch sehr teure Kameras an ihre Grenzen. Einerseits darfst du die Sonne nicht überbelichten, da man sonst die Strahlen nicht mehr sieht und andererseits solltest du auch nicht zu dunkel fotografieren, damit die Zeichnung im Vordergrund erhalten bleibt.

Das Ziel ist, so hell wie möglich, aber so dunkel wie nötig zu fotografieren. Eine Kunst, die etwas Übung erfordert und auf Grund des eingeschränkten Dynamikumfangs einer Kamera auch irgendwann an ihre Grenzen stößt.

Abhilfe können ein Grauverlaufsfilter oder eine Belichtungsreihe schaffen. Mit dem Verlaufsfilter dunkelst du den Himmel ab und kannst so trotz korrekter Belichtung des Vordergrunds die Zeichnung im Himmel erhalten. Bei einer Belichtungsreihe fotografierst du das Motiv mit mindestens 3 unterschiedlichen Einstellungen (normal, +1 und -1 Blendenstufe) und setzt diese Bilder später am Computer zusammen. So ist sichergestellt, dass jeder Bereich im Foto zumindest einmal korrekt belichtet wurde. Man nennt diese Technik auch HDR (High Dynamic Range).

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Wie entsteht ein HDR?

In der Galerie siehst du die drei Bilder aus denen das HDR zusammengesetzt wurde. Das Basisfoto wurde mit 1/4 Sekunde belichtet. Danach wurde jeweils ein Bild mit -1 Blende (1/8 Sekunde) und +1 Blende (1/2 Sekunde) angefertigt und schließlich mittels Lightroom zusammengerechnet.

Weitere Tipps zum Sonnenstern fotografieren

Neben einem geeigneten Objektiv und den richtigen Einstellungen gibt es noch einige andere Dinge, die du beim Fotografieren eines Sonnensterns beachten solltest:

Suche Kanten, an denen sich das Licht bricht

Sonnenstern fotografieren Kante
Bei dieser Aufnahme bricht sich die Sonne an der Fassade des Teatro Colon in Buenos Aires.

Es ist leichter einen Sonnenstern zu fotografieren, wenn sich das Licht an einer Kante bricht. Dafür eignen sich zum Beispiel Gebäude oder Äste von Bäumen, aber auch Personen. Sehr beliebt ist auch die Variante, wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet bzw. hervorkommt oder sich an einer Wolke bricht.

Schütze deine Augen und nutze Liveview!

Liveview bei Gegenlichtaufnahmen
Bei Gegenlichtaufnahmen solltest du im Liveview fotografieren

Kennst du den Versuch, bei dem man mit einer Lupe und einem Stück Zeitungspapier Feuer macht? Man hält die Lupe zwischen die Sonne und ein Stück Papier. Durch das Glas wird das Licht gebündelt und konzentriert sich auf einen kleinen Fleck, der als Brennpunkt bekannt ist. Da nicht nur die Lichtstrahlen konzentriert werden, sondern gleichzeitig auch Hitze entsteht, kann das Papier unter gewissen Voraussetzungen zu brennen beginnen.

Ungefähr der gleiche physikalische Effekt passiert, wenn du mit deinem Auge durch den Sucher direkt in die Sonne schaust. Mit etwas Pech wird das Licht genau auf deiner Netzhaut gebündelt und das kann fatale Folgen haben. Daher solltest du Sonnensterne und Gegenlichtaufnahmen generell nach Möglichkeit immer mit Live-View fotografieren.

Halte dein Objektiv sauber!

Auswirkung einer schmutzigen Linse bei Gegenlichtaufnahmen
So sieht dein Bild aus, wenn man die Linse nach einem Strandtag nicht reinigt!

Du kannst das teuerste Objektiv der Welt mit aufwendig vergütetem Glas haben, doch wenn es schmutzig ist, wirst du trotzdem keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen. Da sich die Sonne im Glas spiegelt, werden Staubkörner und Fettflecken gnadenlos betont und zeigen sich als mehr oder weniger schöne Lensflares.

Verhindern kannst du das, in dem du immer einen Blasebalg und ein sauberes Mikrofasertuch dabeihast und dein Objektiv vor heiklen Fotosituationen reinigst. Auch der Einsatz einer Streulichtblende kann unerwünschte Reflexionen verhindern oder zumindest abmildern.

Achte auf eine harmonische Bildgestaltung

Sonnenstern Bildgestaltung Drittelregel
Bei diesem Bild ist die Sonne im rechten oberen Schnittpunkt positioniert

Eine durchdachte Bildkomposition hat große Auswirkungen auf das finale Ergebnis. Überlege dir also gut, wo du die Sonne platzieren möchtest, um deinem Foto den letzten Schliff zu geben. Idealerweise positionierst du die gemäß der Drittelregel in einem der beiden Schnittpunkte im linken oder rechten Drittel.

Da man in manchen Situationen nur wenige Sekunden Zeit hat, um das perfekte Bild zu schießen, solltest du den Bildausschnitt schon vorher wählen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du festhalten möchtest, wie sich die Sonne zu Sonnenaufgang am Horizont oder einem Berggipfel bricht.

Nutze Apps, um den Sonnenstand zu bestimmen

Um den Bildausschnitt zu wählen ist es wichtig zu wissen, wo die Sonne hervorkommt oder untergeht. Gott sei Dank gibt es einige Apps, die dir bei der Berechnung des Sonnenstandes helfen. Sehr bewährt haben sich für mich Photopills und Peakfinder. Auch PhotoEphemeris eignet sich sehr gut für die Planung von Landschaftsaufnahmen in natürlichem Licht.

Was ist die beste Tageszeit zum Fotografieren eines Sonnensterns?

Blendensterne bei Nachtaufnahmen
Bei Nachtaufnahmen von Städten werden Blendensterne gerne als Stilmittel eingesetzt.

Grundsätzlich kannst du zu jeder Tageszeit einen Blendenstern fotografieren. Am meisten Sinn macht es meiner Meinung nach bei Landschaftsaufnahmen zu Sonnenauf- oder Sonnenuntergang. Hier kann die sternförmig hervorblitzende Sonne deinen Bildern den letzten Schliff verpassen. Auch bei Nachtaufnahmen von Städten werden Blendensterne gerne als Stilelement eingesetzt.

Zusammenfassung Sonnenstern Fotografie

  • Schütze deine Augen und fotografiere mit Live-View
  • Schließe die Blende (je nach Objektiv auf einen Wert von ca. 13-22)
  • Suche dir ein Objekt, an dem sich die Sonne bricht (Gebäude, Baum, Horizont etc.)
  • Achte auf eine saubere Linse
  • Verwende die Streulichtblende
  • Kontrolliere die Verschlusszeit und nutze eventuell ein Stativ

Dir gefallen meine Fototipps? Auf meinem Blog findest du noch viele weitere kostenlose Fotografie- Tutorials zu den verschiedensten Themen! Schau doch mal rein, ich freue mich über dein Feedback!



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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

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