Stimmungsvolle Momente festhalten, den Zauber eines Augenblicks auf ein Bild bannen und ein Motiv so gekonnt in Szene setzen, dass es den Betrachter fesselt, das macht für mich gute Landschaftsfotografie aus. Es ist mir wichtig, die Szenerie so realistisch wie möglich abzubilden und die pure Schönheit der Natur zu unterstreichen. Übertriebene HDR-Bilder sind nichts für meinen Geschmack, genauso wenig kann ich es verstehen, dass manche Fotografen den Sättigungsregler bis zum Anschlag drehen und so aus einem stimmungsvollen Landschaftsfoto ein kitschiges Kunstwerk machen.

Der Grat zwischen Optimierung und Übertreibung ist schmal, daher ist es immer mein Anspruch, das Foto bereits so perfekt wie möglich aus der Kamera zu bekommen und im Zuge der Nachbearbeitung nur noch kleinere Anpassungen vorzunehmen.

Damit das auch dir gelingt, habe ich dir in diesem Artikel meine persönlich erprobten Landschaftsfotografie Tipps zusammengefasst. Diese sind natürlich gespickt mit vielen repräsentativen Fotos, so dass du gleich siehst, wie sich die Theorie in der Praxis umsetzen lässt.


Landschaftsfotografie Tipps – in 6 Schritten zum perfekten Foto

Die Vorbereitung für ein gutes Landschaftsbild

Landschaftsfotografie Ausrüstung

Zubehör für die Landschaftsfotografie

Die richtigen Einstellungen für Landschaftsfotos

10+2 Tipps für die Bildgestaltung in der Landschaftsfotografie

Bildbearbeitung von Landschaftsfotos


Vorbereitung für ein gutes Landschaftsbild

Die gezielte Vorbereitung ist die halbe Miete für ein gutes Landschaftsfoto. Wer erst vor Ort damit beginnt, einen geeigneten Fotospot zu suchen, vergeudet viel wertvolle Zeit und verpasst möglicherweise „den einen“ perfekten Moment.

Die Recherche

Ich beginne daher immer schon vor einer Reise mit einer ausführlichen Recherche im Internet. In Foren und Facebook-Gruppen findet man viele Tipps, aber auch Instagram und Pinterest eignen sich hervorragend für die Motivsuche. Auch die Google- Bilder Suche sollte man nicht außer Acht lassen, hier habe ich schon viel Inspiration und Anregungen für meine Bilder bekommen.

Landschaftsfotografie-Tipps-Recherche
Den versteckten Bruarfoss in Island fand ich durch Recherche im Internet

Alternativ eignen sich natürlich auch Bildbände, Magazine und Postkarten. Und nein, es ist nicht verwerflich, sich von Profis oder Kollegen inspirieren zu lassen, denn du kannst deinem Landschaftsfoto durch die Wahl der Perspektive, des Bildausschnittes, der Tageszeit und natürlich der Nachbearbeitung deine ganz persönliche Note verleihen.

Es macht auch Sinn, vorab die Anreise– und Parkmöglichkeiten zu recherchieren. Wie viel Zeit muss ich für die Anreise einplanen? Ist es möglich öffentlich anzureisen oder benötige ich ein Auto? Wenn ja, ist die Zufahrt erlaubt und wo kann ich parken?

Fotospots vorab besichtigen

Wer Zeit hat, besucht die ausgewählten Fotospots vorab, um sich einen Überblick zu verschaffen. Wie fällt das Licht ein, wo ist die perfekte Position für das Stativ und gibt es möglicherweise irgendwelche Störfaktoren, wie Lichtquellen, hoch gewachsenes Gestrüpp und Bäume oder Vibrationen durch vorbeifahrende Autos etc.

Viele schöne Fotospots lassen sich außerdem nur auf dem Fußweg erreichen. Speziell bei Abend– oder Nachtaufnahmen ist es dann wichtig, sich vorab Gedanken über den Rückweg zu machen und zum Beispiel eine Taschen- oder Stirnlampe einzustecken, damit man nach dem Fotografieren nicht im Dunkeln durch den Wald stolpern muss.

Landschaftsfotografie Ausrüstung

Der ideale Fotospot und der perfekte Lichteinfall helfen dir nicht viel, wenn du nicht die richtige Ausrüstung dabeihast. Bei Tageslicht bringen auch Smartphones und einfache Kompaktkameras mittlerweile gute Ergebnisse, doch spätestens bei schwierigen Lichtverhältnissen, wie in der Morgendämmerung oder gar der blauen Stunde, stoßen sie auf Grund des kleinen Sensors an ihre Grenzen.

Die perfekte Kamera für Landschaftsaufnahmen

Die gute Nachricht zuerst: du benötigst für ein gutes Landschaftsfoto keine teure Profiausrüstung. Allerdings sollte deine Kamera manuelle Einstellungen von Belichtungszeit, Blende und ISO zulassen. Dazu brauchst du nicht einmal eine Spiegelreflexkamera, es gibt mittlerweile sogar schon Kompaktkameras, wie die Canon PowerShot G7X Mark II*, die diesen Anforderungen gerecht werden. Diese haben allerdings den Nachteil, dass du keine Wechselobjektive und damit auch keine Filter montieren kannst.

Idealerweise fotografierst du also mit einer System– oder Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Ich fotografiere schon immer mit einer Spiegelreflexkamera von Nikon*, bei Systemkameras erfreut sich die Sony Alpha Reihe* seit Jahren größter Beliebtheit unter Reisebloggern. Für welches System du dich entscheidest hängt stark von deinem persönlichen Geschmack ab.

Landschaftsfotografie Tipps Kamera
ich fotografiere seit Jahren mit einer Spiegelreflexkamera von Nikon

Ich empfehle grundsätzlich immer, sich in einem Fachgeschäft beraten zu lassen und die Kamera dort in die Hand zu nehmen und auszuprobieren. Das gilt für das System ebenso wie für die Marke, denn es macht in Bezug auf die Qualität keinen Unterschied, ob du mit Nikon, Canon oder Sony fotografierst, allein du sollst dich mit deiner Kamera, ihrer Haptik und der Menüführung wohlfühlen!

APS-C oder Vollformat-Kamera?

Du wirst viele Landschaftsfotografie Tutorials finden, in denen die Vorzüge einer Vollformat-Kamera gelobt werden und fast der Anschein gemacht wird, dass man mit einer APS-C Kamera kein vernünftiges Bild schießen kann. Das ist natürlich kompletter Blödsinn, denn es ist immer noch der Fotograf, der für die Bildgestaltung verantwortlich ist und damit vorrangig das Ergebnis bestimmt.

Ja, es stimmt, dass Voll-Format Kameras in gewissen (Grenz)Situationen noch bessere Ergebnisse bringen, z.B. im extremen ISO-Bereich der Astrofotografie, das heißt aber nicht, dass du für ein gutes Landschaftsfoto unbedingt eine teure Vollformat-Kamera benötigst. Auch auf diesem Blog sind 90% der Bilder mit einer Nikon D7100* (Nachfolger Nikon D7200* bzw. Nikon D7500*) entstanden, eine semi-professionelle Spiegelreflexkamera mit APS-C Sensor. Und Hand aufs Herz, wäre dir das jetzt negativ aufgefallen?

Objektiv-Empfehlung für Landschaftsfotografie

Viel wichtiger ist da schon eher das passende Objektiv. Wer nach dem perfekten Objektiv für Landschaftsfotografie googelt, landet meist ganz schnell bei einem Weitwinkel. Das hat auch durchaus seine Berechtigung, denn weite Landschaften lassen sich nun mal auch am besten mit einem möglichst weitwinkeligen Objektiv einfangen. Allerdings kann so ein Bild ohne den entsprechenden Vordergrund oder Eyecatcher auch ganz schnell ziemlich langweilig wirken.

Landschaftsfotografie Tipps Vordergrund
Die Steine im Vordergrund machen dieses Bild interessant und lenken auch den Blick auf das Hauptmotiv

Nicht unterschätzen sollte man auch die Wirkung eines Tele-Objektivs. Viele Landschaften leben von ihren Details, daher solltest du auch immer eine längere Brennweite dabeihaben.

Details der Atacama-Wüste aufgenommen mit einem Tele-Objektiv mit 300 mm Brennweite

Die Lichtstärke deines Objektivs spielt bei der Landschaftsfotografie eine untergeordnete Rolle, da du tendenziell eher mit geschlossener Blende fotografieren wirst und bei Dämmerungs- bzw. Nachtaufnahmen sowieso ein Stativ dabei hast. Lichtstarke Objektive benötigst du vor allem dann, wenn du viel in Innenräumen fotografierst oder Objekte vor dem Hintergrund freistellen möchtest, wie das meistens bei Portraits der Fall ist.

Atacama Milchstrasse
Die Milchstraße fotografiert in der Atacama-Wüste, Chile

Achtung: Eine Ausnahme in der Landschaftsfotografie sind Sternenhimmelfotos. Wenn du dich auch für Milchstraßenbilder und Astrofotografie interessierst, solltest du darauf achten, gleich ein möglichst lichtstarkes Weitwinkelobjektiv zu erwerben! Wie du die Milchstraße am besten in Szene setzt, habe ich dir in meinem Astrofotografie Tutorial ausführlich erklärt.

Ich habe in meiner Kameratasche folgende Objektive für Landschaftsaufnahmen dabei:

Ultra-Weitwinkel Objektiv:

Tokina AT-X 11-16mm f/2,8 Pro DX II* (für Kameras mit APS-C Sensor)

Nikon AF-S Zoom-Nikkor 14-24mm 1:2,8G ED* (für Kameras mit Vollformat-Sensor)

Standard- Brennweite

Nikon AF-S DX Nikkor 16-85mm 1:3,5-5,6G ED VR* (für Kameras mit APS-C Sensor)

Nikon AF-S 24 – 120 mm F4 ED VR* (für Kameras mit Vollformat-Sensor)

Tele-Zoom:

Nikon AF-P Nikkor 70-300mm 1:4.5-5.6E ED VR* (für Kameras mit Vollformat-Sensor, kann aber auch auf APS-C Kameras verwendet werden, die Brennweite entspricht dann 105 – 450 mm)

Die lichtstarke (und sehr teure) Alternative Nikon AF-S Nikkor 70-200 mm, 1:2.8E FL ED VR*

Lesetipp: Noch mehr Objektiv-Empfehlungen und Informationen, welches Objektiv für welche Fotosituation passend ist, findest du in meinem großen Objektiv-Vergleich.

Landschaftsfotografie Zubehör

Neben der richtigen Kamera und dem passenden Objektiv ist auch die Wahl des Zubehörs essenziell für ein perfektes Landschaftsfoto. Zubehör gibt es wie Sand am Meer, Manches ist notwendig, Vieles auch nicht, doch diese drei Dinge sollten in deiner Kameratasche auf keinen Fall fehlen:

Das Stativ

Das wichtigste Zubehör in der Landschaftsfotografie ist das Stativ. Besonders in der Morgendämmerung oder im Abendlicht ist es quasi unmöglich, ohne Stativ ein scharfes Foto zu machen. Außer man reizt die ISO bis an ihre Grenzen aus, was aber wiederum unschönes Bildrauschen zur Folge hat.

Ein Stativ erleichtert aber auch untertags die Arbeit. Es verhindert jede noch so kleine Erschütterung und man kann den Fokus speichern, so dass man nicht jedes Mal neu fokussieren muss. Wer Filter benutzt, um Langzeitbelichtungen bei Tageslicht zu machen, kommt sowieso nicht um ein Stativ herum.

Landschaftsfotografie Tipps Stativ
Ich benutze das Compact Traveler Stativ von Rollei

Ich benutze folgende Stative je nach Reiseart und Fotosituation:

Auf Reisen benutze ich das kompakte Rollei Compact Traveler No. 1*, das mit einem Packmaß von nur 33 cm in jedes noch so kleine Reisegepäck passt und zudem mit seinem geringen Gewicht überzeugt. Wer noch mehr Gewicht sparen möchte, kann auch die rund 200g leichtere Carbon Version* wählen.

Wenn ich mit dem Auto oder auf kurzen Wegen in der Stadt unterwegs bin, habe ich mittlerweile das Rollei City Traveler XL Stativ aus Carbon* dabei. Der Vorteil dieses Stativs sind die maximale Höhe von 156 cm und die höhere Traglast von 8 kg, allerdings ist es auch etwas sperriger als das oben genannte Compact Traveler. Gewichtsmäßig sind sie mit rund einem Kilogramm ziemlich vergleichbar.

Filter

Filter sind bei der Landschaftfotografie fast unumgänglich. Klar, man kann mittlerweile mittels Bildbearbeitung viele Effekte auf dem PC zaubern, doch für mich ist Fotografie immer noch eine Kunst bzw. ein Handwerk, das es zu beherrschen gilt. Wie bereits oben beschrieben finde ich es extrem wichtig, dass das Foto schon so perfekt wie möglich aus der Kamera kommt und nur noch eine dezente Nachbearbeitung benötigt.

Filter können helfen, bestimmte Effekte, wie mehr Kontrast im Himmel, weichgezeichnetes Wasser oder Bewegung in den Wolken, ohne die Anwendung von Photoshop zu kreieren. Manche Dinge, wie etwa die Weichzeichnung im Wasser, sind ohne Filter gar nicht oder nur mir sehr viel Aufwand zu erreichen. Daher ist einer meiner wichtigsten Landschaftsfotografie Tipps, dich mit dem Einsatz von Filtern vertraut zu machen!

Folgende Filter habe ich immer dabei:

Der Pol- Filter

Der Pol-Filter oder Polarisations-Filter war nach den UV-Filtern der erste Filter, der den Weg in meine Fototasche fand. Er hat eigentlich zwei Anwendungsgebiete, nämlich zum einen, Kontraste und Farben zu intensivieren und zum anderen, unerwünschte Reflexionen zu reduzieren. Wie er das tut, beruht auf einigen Grundregeln der Physik in Bezug auf die Ausbreitung des Lichtes in Wellen auf unterschiedlichen Polarisationsebenen. Wenn es euch interessiert, könnt ihr hier nachlesen wie ein Pol-Filter genau funktioniert.

Ich möchte in diesem Artikel aber bei den Effekten bleiben, die einen Pol-Filter für Landschaftsfotografen so interessant machen.

Landschaftsfotografie Tipps Pol-Filter
Der Pol-Filter verstärkt das Blau des Himmels und die Farben des Regenbogens

Ein Pol-Filter kann helfen, das Blau des Himmels zu verstärken und die Wolken deutlicher hervortreten zu lassen. Außerdem kann man damit das Grün von Blättern satter machen oder die Farben eines Regenbogens intensivieren. Ob und wie stark der Effekt zu sehen ist, hängt von der korrekten Anwendung des Polfilters ab. Seine magische Wirkung entfaltet er nämlich erst, wenn das Sonnenlicht mit einem Winkel von etwa 90° zur Kamera einfällt. Auch bei Bewölkung funktioniert ein Pol-Filter nicht, ganz im Gegenteil, er kann sich sogar negativ auf die Bildqualität auswirken, da er je nach Qualität 1-2 Blendenstufen schluckt und das Bild dadurch möglicherweise zu dunkel wird.

Farben und Kontraste lassen sich auch mit Bildbearbeitungsprogrammen sehr gut verbessern. Daher ist das Hauptanwendungsgebiet des Pol-Filters in der digitalen Fotografie mittlerweile die Reduzierung von unerwünschten Spiegelungen oder Reflexionen. Aber Achtung, man will Reflexionen nicht immer verschwinden lassen, denn manchmal ist es ja genau eine Spiegelung, die ein Bild erst interessant macht.

Landschaftsfotografie Tipps Reflexionen nutzen
Dieses Foto würde ohne der Spiegelung viel an Reiz verlieren

Wenn du aber durch eine Glasscheibe fotografierst oder die Unterwasserwelt in einem klaren Teich oder See fotografieren willst, kann ein Polfilter sehr hilfreich sein. Je nach Einfall des Lichts wird die Spiegelung ganz oder teilweise neutralisiert und du kannst quasi durch die Oberfläche hindurch fotografieren.

Landschaftsfotografie Tipps Pol-Filter
Mit Hilfe des Pol-Filters konnte ich die Reflexionen reduzieren und den Grund des Sees sichtbar machen

Tipp: Ein Pol-Filter funktioniert nur wirklich gut, wenn du dich im richtigen Winkel zur Sonne befindest und den Filter durch Drehen korrekt einstellst. Du kannst im Sucher sehr genau sehen, wie sich das Bild durch das Einstellen des Filters verändert und so bestimmen, wieviel Licht absorbiert werden soll.

Pol-Filter gibt es in vielen verschiedenen Preisklassen und Qualitätsstufen, ich persönlich bin mit dem Preis-Leistungsverhältnis des Hoya HP Polarisationsfilters* sehr zufrieden. Achte beim Kauf unbedingt auf die richtige Größe des Filtergewindes!

Der Graufilter oder ND-Filter

Mein persönlicher Favorit in der Landschaftsfotografie ist der Graufilter oder auch ND- Filter (Neutraldichtefilter). Mit keinem anderen Filter kannst du mit so wenig Aufwand dermaßen kreative und spannende Effekte erzeugen, wie mit einem Graufilter. Da das Thema sehr umfangreich ist, habe ich bereits einen eigenen Artikel über das Fotografieren mit Graufilter verfasst.

Einen Graufilter benutzt du generell, um bei Tageslicht Langzeitbelichtungen durchführen zu können. Vielleicht fragst du dich jetzt, warum man denn untertags lange belichten soll, wo doch das Licht für ein normales Foto vollkommen ausreicht?  Nun, dazu gibt es einige Erklärungen und Anwendungsbereiche:

Für die Landschaftsfotografie am interessantesten ist der Weichzeichner– bzw. der Wischeffekt. Durch die lange Belichtungszeit erscheint Wasser weich und schaumig, fast ein bisschen wie Nebel. Das gibt deinem Foto einen zauberhaften, fast schon ein wenig mystischen Touch.

Landschaftsfotografie Tipps Graufilter
Mit einem ND1000 Graufilter kannst du auch bei strahlendem Sonnenschein eine Langzeitbelichtung durchführen

Wolken hingegen, vor allem wenn sie stark in Bewegung sind, werden durch die Langzeitbelichtung verwischt, was ein Foto sehr dramatisch und dynamisch wirken lassen kann.

Durch Einsatz des Graufilters kannst du Wolken verwischen

Eine Langzeitbelichtung mit Einsatz eines Graufilters kann aber auch eine unruhige Oberfläche in eine spiegelglatte Fläche verwandeln, wie du an diesem Beispielbild aus Bali siehst.

Landschaftsfotografie Tipps Graufilter
Mit Hilfe des Graufilters verwandelst du Wasser in eine spiegelglatte Fläche

Und zu guter Letzt sorgt eine Langzeitbelichtung auch noch dafür, dass bewegte Objekte – also im Fall von überlaufenen Sehenswürdigkeiten Menschen – verwischt werden und somit wie von Geisterhand verschwinden. Daher ist ein Graufilter auch für alle interessant, die gerne an stark frequentierten Plätzen fotografieren und ihr Motiv ohne Menschenmassen ablichten wollen.

Persönlicher Landschaftsfotografie Tipp: Besorge dir einen Graufilter!

Alle diese Effekte lassen sich nur sehr schwer oder auch gar nicht in der Nachbearbeitung umsetzen, daher ist ein Graufilter in meiner Fototasche einfach immer dabei! Es ist für mich persönlich der wichtigste und absolut unentbehrlichste Filter in der digitalen Landschaftsfotografie!

Landschaftsfotografie Tipps Graufilter
Der Kirkjufellsfoss in Island in der goldenen Stunde mit Graufilter

Ein Graufilter ist übrigens in verschiedenen Stärken erhältlich. Zu den gängigsten gehören 8x, 64x und 1000x. Die Zahl bezieht sich auf die Verlängerung der Belichtungszeit, mit einem ND-8 Filter kannst du also 8 Mal länger belichten als ohne. Erfahrungsgemäß kommen der ND64 und ND1000 am häufigsten zum Einsatz.

Wie bei allen Filtern gibt es auch Graufilter in unterschiedlichen Qualitätsstufen zu kaufen. Je höher die Qualität, desto geringer die Vignettierung sowie unerwünschte Farbstiche im Foto. Ich selbst nutze die Filter von Haida, die sich preislich im mittleren Preissegment befinden. Für meine APS-C Kamera nutze ich die HAIDA Slim Graufilter*, bei der Vollformat-Kamera habe ich mich für die neueren (und etwas teureren) HAIDA Slim Graufilter PRO II MC* entschieden. Achte bitte auch beim Kauf eines Graufilters auf die richtige Gewindegröße oder besorge dir zusätzlich einen geeigneten Adapterring*.

Der Grauverlaufs-Filter

Der Grauverlaufs-Filter sorgt immer wieder für Diskussionen unter Landschaftsfotografen. Die einen schwören auf ihn, für die anderen ist er dank Lightroom und anderen Bildbearbeitungsprogrammen verzichtbar geworden. Auch ich selbst habe keinen Grauverlaufsfilter im Einsatz, das schicke ich an dieser Stelle gleich voraus.

Der Unterschied zu einem normalen Graufilter erklärt sich schon mit dem Namen: Während ein Graufilter das Bild regelmäßig abdunkelt, verfügt der Verlaufsfilter über einen Verlauf von dunkel nach hell, je nach Filter mit weichem oder hartem Übergang.

Er wird benutzt, um ein Bild in schwierigen Lichtsituationen mit großen Kontrasten richtig belichten zu können. Zum Beispiel bei Sonnenuntergang, wenn der Himmel noch hell ist, aber die Umgebung schon im Schatten liegt. Diese Helligkeitsunterschiede kann die Kamera – anders als das menschliche Auge – nicht richtig darstellen, im Bild ist also entweder der Himmel richtig belichtet und die Landschaft schwarz, oder die Landschaft ist korrekt belichtet und der Himmel dafür überbelichtet (ausgefressen). Setzt du einen Grauverlaufsfilter ein, kannst du den Himmel abdunkeln und den Vordergrund trotzdem korrekt belichteten.

Eine typische schwierige Lichtsituation: heller Himmel mit untergehender Sonne und dunkler Vordergrund

Klingt super, hat aber auch seine Grenzen. Am Strand mit geradem Horizont funktioniert alles perfekt, bist du aber in den Bergen, wo du keinen geraden Horizont hast, sondern ein unregelmäßiges Panorama, stößt der Filter an seine Grenzen. Die Berggipfel, die in den Himmel ragen, sind dann nämlich auch unterbelichtet und benötigen erst recht wieder einiges an Nachbearbeitung.

Daher setzen viele Fotografen mittlerweile auf Bildbearbeitung. Man kann zum Beispiel den Himmel mit einem Verlaufsfilter in Lightroom extra bearbeiten und abdunkeln, solange noch etwas Information im Bild erhalten ist. Ist er komplett weiß ausgefressen hilft das allerdings auch nicht weiter. Allerdings ist der Dynamikumfang moderner Spiegelreflexkameras schon so hoch, dass sich dunkle Stellen sehr stark aufhellen lassen, ohne große Qualitätseinbußen zu riskieren. Die Nikon D750* hat diesbezüglich ganz besonders gute Kritiken erhalten.

Landschaftsfotografie-Tipps-Grauverlaufsfilter
Bei diesem Bild habe ich den Vordergrund einfach aufgehellt. Dank des guten Dynamikumfangs der Kamera ging das ohne gröbere Qualitätsverluste

Alternativ kann man natürlich auch zwei (oder mehrere) Fotos machen und einmal den Himmel und einmal die Umgebung korrekt belichten. Diese Bilder lassen sich dann mit zwei Klicks am Computer zusammensetzen und voila, fertig ist das HDR (High Dynamic Range). Diese Fotos haben leider nicht den besten Ruf, da viele Fotografenkollegen gerne mal übertreiben und das Bild am Ende stark gekünstelt aussieht. Richtig angewandt, kann ein aus einer Belichtungsreihe erstelltes Bild aber ein sehr gutes und natürliches Ergebnis bringen.

Braucht es also unbedingt einen Grauverlaufsfilter? Meiner Meinung nach Nein, denn 99% bekommst auch mit einer Kombination aus Nachbearbeitung und Graufilter hin. Schadet es, sich damit zu beschäftigen? Auf keinen Fall, denn ein Grauverlaufsfilter ist ein interessantes Werkzeug, dessen Einsatz den Blick schärft und das Verständnis für die Fotografie erhöht. Allerdings musst du auch bereit sein, ziemlich viel Geld zu investieren, da Grauverlaufsfilter sehr teuer sind.

Die besten (und teuersten) Filter auf dem Markt produziert angeblich die amerikanische Firma Lee Filters*, eine qualitativ hochwertige Alternative sollen die Grauverlaufsfilter von Rollei* sein. Vergiss nicht, dass du für die rechteckigen Verlaufsfilter auch einen passenden Filterhalter* zum Einstecken kaufen musst. Schraubfilter sind nicht zu empfehlen, da der Verlauf genau in der Mitte liegt, sprich der Horizont deines Bildes müsste sich immer in der Mitte befinden, was dich in der Bildgestaltung zu sehr einschränkt.

Fernauslöser

Einen Fernauslöser benötigst du spätestens dann, wenn du Belichtungszeiten von mehr als 30 Sekunden realisieren möchtest. Bei den meisten Spiegelreflexkameras kannst du bis zu 30 Sekunden mit dem integrierten Selbstauslöser auslösen, eine bequeme und unkomplizierte Alternative. Für die sogenannte BULB-Funktion (in der Regel Belichtungszeiten von über 30 Sekunden) brauchst es allerdings einen Fernauslöser.

Landschaftsfotografie Tipps Fernauslöser
Für Belichtungen mit mehr als 30 Sekunden benötigst du einen Fernauslöser

Fernauslöser funktionieren entweder mit Kabel (das ist die verlässlichste Variante), über Funk oder mittels App über Bluetooth bzw. WLAN. Welche Variante man bevorzugt ist Geschmacksache und hängt auch vom Einsatzzweck ab.

Ich selbst besitze einen billigen Fernauslöser mit Kabel*, ohne integrierte Zeitanzeige, der vollkommen für meine Zwecke ausreicht. Die Belichtungszeit muss ich allerdings am Handy stoppen, daher werde ich mir beim nächsten Mal einen Auslöser mit integrierter Zeitanzeige zulegen.

Einstellungen für Landschaftsfotos

Wie so oft gibt es auch für die Landschaftsfotografie kein Patentrezept. Welche Einstellungen passen, ist immer stark von der Motivwahl, dem Licht und der Gesamtsituation abhängig. Ein paar Grundregeln für bessere Landschaftsfotos möchte ich dir aber an dieser Stelle mitgeben.

Die Blende

Die Blende ist das wichtigste Gestaltungsmittel in der Fotografie. Sie bestimmt, wieviel Licht auf den Sensor fällt. Mit Hilfe der Blende definierst du die Tiefenschärfe, sprich ob das ganze Foto (hohe Tiefenschärfe) oder nur ein bestimmtes Motiv (geringe Tiefenschärfe) scharf sein soll. In der Landschaftsfotografie wollen wir in 95% der Fälle ein komplett scharfes Foto, daher ist eine geschlossene Blende empfehlenswert.

Landschaftsfotografie Tipps Blende
EIn perfektes Landschaftsfoto soll in jedem Bildbereich knackscharf sein

Das heißt übrigens nicht, dass du komplett auf Blende 22 abblenden sollst, denn leider wirkt sich eine stark geschlossene Blende auch auf die Bildqualität aus. Die meisten Kameras produzieren die beste Qualität übrigens bei einem Blendenwert von 9-13. Dies kannst du leicht testen, indem du die Kamera auf ein Stativ stellst und das gleiche Motiv mit verschiedenen Blendenwerten (aber bis auf die Belichtungszeit sonst unveränderten Einstellungen) fotografierst und die Bilder anschließend am Computer analysierst. Vollformat-Kameras lassen sich ohne sichtbaren Qualitätsverlust erfahrungsgemäß etwas weiter abblenden als APS-C Kameras.

Landschaftsfotografie Tipps Blende
Bei diesem Fotowählte ich bewusst einen unscharfen Vordergrund, das Bild wurde mit Blende f/4 aufgenommen

Manchmal benötigst du übrigens auch bei Landschaftsfotografie eine offene Blende, zum Beispiel, wenn du den Vordergrund unscharf abbilden möchtest oder ein Motiv (Baum, Blume etc.) freistellen willst.

Der ISO-Wert

Der ISO-Wert bestimmt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Ein höherer ISO-Wert hilft dir bei schlecht beleuchteter Umgebung korrekt belichtete Bilder zu erhalten, ohne die Belichtungszeit verlängern zu müssen. In der Landschaftsfotografie ist das aber selten notwendig. Untertags steht dir meistens genug natürliches Licht zur Verfügung und abends oder in der Dämmerung benötigst du sowieso ein Stativ. Von daher lasse ich den ISO-Wert meist auf 100 (sonnig) oder 200 (bewölkt).

Belichtungszeit

Die korrekte Belichtungszeit hängt davon ab, was du erreichen willst. Generell gilt, dass man freihändig nicht länger als 1/60 Sekunde belichten soll. Sonst riskiert man Verwacklungsunschärfe. Die zweite Grundregel ist, dass die Belichtungszeit mindestens dem Umkehrwert der Brennweite entsprechen sollte. Bei einem 200 mm Teleobjektiv solltest du also mindestens mit 1/250 belichten, um Unschärfe zu vermeiden.

Willst du längere Belichtungszeiten realisieren, zum Beispiel bei Sonnenuntergang, in der blauen Stunde oder für eine Belichtung mit Graufilter benötigst du ein Stativ.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es nicht „die eine“ korrekte Belichtungszeit für Landschaftsfotos gibt. Wenn du die beiden oben genannten Grundregeln einhältst, solltest du aber keine Probleme mit deinen Fotos bekommen.

Bildgestaltung in der Landschaftsfotografie

Die richtige Bildgestaltung ist die halbe Miete für ein perfektes Landschaftsfoto und macht oft aus einem durchschnittlichen Bild ein großartiges Foto.

Motivwahl

Bevor du dir über die gestalterischen Grundregeln den Kopf zerbrichst, musst du natürlich ein Motiv auswählen. Allerdings tragen viele gestalterische Faktoren dazu bei, ob dein Foto schließlich langweilig oder mitreißend wirkt. Schon allein der Wechsel der Perspektive oder des Blickwinkels kann einen entscheidenden Unterschied machen.

Landschaftsfotografie Tipps Motivwahl
Dieses Bild wirkt durch die Linien und Ebenen aufgeräumt und ansprechend, die Straße fungiert als Eyecatcher

Es ist auch wichtig, dass du dich auf ein Motiv konzentrierst. Ein Eyecatcher in einer Landschaft, wie ein richtig positionierter Baum oder Stein, kann dein Bild spannend machen, zu viele Motive hingegen machen das Foto unruhig und lassen es überladen wirken. Weniger ist daher in der Landschaftsfotografie meistens mehr!

Perspektive

Die meisten Menschen fotografieren automatisch aus der vertrauten „Ich-Perspektive“. Dies führt allerdings nur selten zu außergewöhnlichen Fotos. Viel spannender ist es, den gewohnten Blickwinkel zu verlassen und Bilder aus ungewöhnlichen Perspektiven zu knipsen. Geh doch einmal in die Knie oder lege dich auf den Bauch, um den Boden als Vordergrund einzubauen oder eine Spiegelung in einer Pfütze einzufangen.

Landschaftsfotografie Tipps Perspektive
Gute Fotos verlangen manchmal nach Körpereinsatz

Sehr spannend kann auch der Blick aus einer erhöhten Position sein oder überhaupt die Kamera nach oben zu richten.

Drittel-Regel

Die Drittel-Regel beruht im Weitesten Sinne auf den Grundlagen des Goldenen Schnitts. Schon die alten Griechen benutzten diese Lehre, um ihren Gebäuden harmonische Proportionen zu verleihen und auch in der Fotografie können wir uns die Drittel-Regel zu Nutze machen.

Hier ist das Motiv im untern linken Schnittpunkt plaziert, was das Bild harmonisch wirken lässt

Indem du das Bild gedanklich vertikal und horizontal drittelst, entstehen neun gleich große Flächen und vier Schnittpunkte. Versuche nun dein Hauptmotiv in einem der vier Schnittpunkte zu positionieren, anstatt im mittleren Rechteck. So entsteht ein harmonisches Bild, das ein Betrachter gerne ansieht.

Wenn du einen spannenden Himmel hast, sollte dieser – wie im Beispiel oben – etwa 2/3 des Bildes einnehmen. Ist der Himmel zu vernachlässigen und der Vordergrund der Eyecatcher, sollte es genau umgekehrt sein. Auf keinen Fall empfiehlt es sich, den Horizont genau mittig zu setzen, das macht das Bild kurz gesagt einfach nur fad.

Tipp: Viele Kameras können diese Hilfslinien im Sucher oder Display einblenden, schlage einfach im Handbuch nach oder klick dich durch das Menü, Stichwort „Gitternetzlinien“.

Blickrichtung

Wenn du Menschen oder Tiere in deine Bildgestaltung einbaust solltest du darauf achten, dass diese immer in das Bild hineinschauen. Das Foto oben würde lange nicht so gut wirken, wenn das Auto andersrum geparkt gewesen wäre und somit aus dem Bild hinausschauen würde.

Peru Sehenswürdigkeiten Pisac Aussicht
Hier folgt man fast automatisch dem Blick der Person auf die Inka-Terrassen

In unseren Breiten, wo wir von links nach rechts lesen, ist es außerdem zu empfehlen, die Person oder das Objekt links zu platzieren und nach rechts schauen zu lassen.

Linien

Linien und Strukturen kann man bewusst einsetzen, um den Blick des Betrachters in das Bild zu führen oder auf das Hauptmotiv zu lenken. Linien sind aber nicht nur richtungsweisend, sie verleihen deinem Bild auch Tiefe und Dynamik und sorgen für Ordnung im Foto.

Landschaftsfotografie Tipps Linien
Es sind die Bahngleise, die diesem Bild das gewisse „Etwas“ verleihen

Im Idealfall führen die Linien von außen in das Bild hinein, so dass man ihnen fast automatisch mit den Augen folgt. Linien können künstlich angelegt sein, wie im Fall von Straßen, Bahngleisen oder Wegen, aber auch durch natürlich entstandene Strukturen in der Landschaft, wie Baumreihen oder Steinformationen, lässt sich der Blick lenken.

San Pedro de Atacama Reisezeit
Dieses Bild ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine Linie den Blick lenken kann

Symmetrie

Symmetrie steht ein bisschen im Gegensatz zu der Drittelregel, die ich dir gerade gepredigt habe. Aber Regeln sind manchmal auch da, um gebrochen zu werden und Symmetrie ist ein ganz wesentlicher Grund, um dies zu tun. Symmetrie bedeutet „spiegelbildliche Gleichheit“ und wird vom Auge als sehr harmonisch wahrgenommen.

Symmetrie ergibt sich in der Landschaftsfotografie sehr oft in Verbindung mit Reflexionen, die wir im nächsten Punkt behandeln werden, aber manchmal findet man Symmetrie auch in der Natur selbst, wie das Beispiel dieses Weingartens zeigt.

Landschaftsfotografie Tipps Symmetrie
Fast perfekte Symmetrie im Weingarten

Reflexionen

Ich bin süchtig nach Reflexionen. Spiegelungen festhalten ist nach dem Fotografieren mit Graufilter meine liebste Spielerei in der Landschaftsfotografie und dafür lege ich mich auch gerne mal sprichwörtlich in den Dreck. Besonders faszinierend finde ich unauffällige Spiegelungen in Pfützen oder kleinen Tümpeln, die viele Leute einfach übersehen würden.

Lanndschaftsfotografie-Tipps-Spiegelungen
Hier spiegeln sich die Vulkane und der Himmel in einer kleinen Pfütze

Wie wir bereits im vorherigen Punkt besprochen haben, sind Reflexionen oft auch ein Garant für Symmetrie. Ich würde fast sagen, dass man Symmetrie in der Landschaftsfotografie am häufigsten in Form einer Spiegelung findet.

Tipps Landschaftsfotografie Spiegelung
Um dieses Foto zu schießen lag ich inmitten von Kuhfladen auf dem Bauch

Das Foto aus der überfluteten Salzwüste Salar de Uyuni in Bolivien bei Sonnenuntergang ist ein Paradebeispiel für die äußerst fotogene Kombination von Symmetrie und Reflexion. Hier stört es übrigens im Sinne der Symmetrie auch nicht, dass der Horizont entgegen der Drittelregel (fast) in der Mitte des Bildes liegt.

Landschaftsfotografie Tipps Reflexion & Symmetrie
Sonnenuntergang in der überfluteten Salzwüste

Rahmen

Natürliche Rahmen betonen dein Hauptmotiv und lenken den Blick in die richtige Richtung. Oft sind es Bäume oder Zweige, die einen Rahmen bilden, manchmal kann man aber auch durch ein Fenster fotografieren oder wie im zweiten Foto einen Unterstand zum Einrahmen des Bildes nutzen. Sei aufmerksam und nutze solche Gelegenheiten, um dein Bild interessant zu gestalten und es aus der Masse der durchschnittlichen Landschaftsfotos hervorzuheben.

Landschaftsfotografie Tipps Rahmen
Die blühenden Bäume bilden einen natürlichen Rahmen und lenken den Blick auf den Berggipfel
Landschaftsfotografie Tipps Einrahmen
Bei diesem Bild habe ich den Wetterschutz benutzt, um das Hauptmotiv einzurahmen

Vordergrund

Das Thema „Vordergrund“ habe ich bereits im Kapitel „Objektiv“ angesprochen. Speziell wenn du mit einem Weitwinkelobjektiv fotografierst ist ein interessanter Vordergrund essentiell für ein gutes Foto. Im Idealfall lenkt der Vordergrund das Auge des Betrachters Richtung Hauptmotiv und verleiht dem Bild mehr Tiefe.

Als Vordergrund eignen sich Steine, Blumen oder Büsche, aber auch Objekte oder sogar Menschen und Tiere können als Vordergrund in Szene gesetzt werden.

Landschaftsfotografie Tipps Vordergrund
Dieses Foto profitiert nicht nur von der Langzeitbelichtung, sondern besonders von den markanten Steinen im Vordergrund

Entgegen der landläufigen Meinung muss ein Vordergrund meiner persönlichen Ansicht nach auch nicht immer scharf sein. Ja, die Grundregel lautet, dass ein sehr gutes Landschaftsbild von vorne bis hinten knackscharf sein soll. Doch da sind wir wieder bei der Aussage, dass Regeln auch mal gebrochen werden können!

Landschaftsfotografie Tipps Vordergrund
Hier habe ich den Vordergrund absichtlich verschwimmen lassen, um den Fokus auf den Berg zu lenken

Ich finde, dass auch ein Landschaftsfoto vom Spiel mit Schärfe und Unschärfe profitieren kann, wie man auf diesen beiden Aufnahmen aus Bolivien sehen kann. Daher mein Tipp: Ruhig auch einmal die Blende öffnen und ein wenig mit verschiedenen Vordergründen herumexperimentieren!

Landschaftsfotografie Tipps Vordergrund
Dieses Bild profitiert stark vom Spiel mit Schärfe und Unschärfe

Relation & Größenvergleich

Die Kraft und Stärke der Natur kann man gut betonen, indem man das Motiv in Relation zu einem Objekt oder einer Person setzt. Säße ich auf dem Foto unten nicht neben dem Wasserfall, würde er eher wie ein kleines Rinnsal wirken, da es im Bild an geeigneten Anhaltspunkten für einen Größenvergleich fehlt.

Das Licht

Fotografieren heißt übersetzt „Malen mit Licht“ und so ist es kein Wunder, dass das richtige Licht ein essenzieller Bestandteil eines guten Fotos ist. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass das Abdrücken zur falschen Tageszeit ein Bild komplett ruinieren kann.

Die goldene Stunde

Das beste Licht hast du am frühen Morgen nach Sonnenaufgang und in den Abendstunden kurz vor Sonnenuntergang. In der sogenannten goldenen Stunde wird die Landschaft sprichwörtlich in ein warmes, goldenes Licht getaucht, was für satte, intensive Farben und schöne Schatten sorgt. Solche Bilder benötigen erfahrungsgemäß nur noch ein Minimum an Fine-Tuning am Computer.

Landschaftsfotografie Tipps Goldene Stunde
Goldene Stunde in den Kitzbüheler Alpen
Landschaftsfotografie Tipps Goldene Stunde
Dieses Bild vereint die Langzeitbelichtung mit Graufilter, das perfekte Licht der goldenen Stunde und den Größenvergleich mit einem Menschen
Die blaue Stunde

Auch die blaue Stunde nach Sonnenuntergang ist bei Fotografen sehr beliebt. In diesem kurzen Zeitfenster färbt sich der Himmel intensiv blau, was besonders in Kombination mit beleuchteten Gebäuden für tolle Kontraste und beeindruckende Farben sorgt. Um die blaue Stunde perfekt ausnutzen zu können, benötigst du allerdings auf jeden Fall ein Stativ, da das Umgebungslicht nicht mehr ausreicht, um freihändig fotografieren zu können!

Lanndschaftsfotografie Tipps blaue Stunde
Der Leuchtturm am Neusiedlersee in der blauen Stunde

Das Wetter

Bevor ich zur Bildbearbeitung komme, möchte ich auch noch ein Wort zum Wetter verlieren. Viele Leute sind ja enttäuscht, wenn der Wetterbericht schlechte Bedingungen vorhersagt oder am Urlaubsziel einmal Regen angesagt wird.

Vollkommen zu Unrecht, denn vor allem Wolken am Himmel, im Idealfall welche, die sich stark bewegen, können ein Foto richtig spannend machen! Und Pfützen nach einem Regenguss bieten nicht selten coole Spiegelungen, die du kreativ für deine Bildgestaltung nutzen kannst (siehe auch Abschnitt „Reflexionen“!

Landschaftsfotografie Tipps Wolken
Wolken verleihen deinem Bild Dramatik

Außerdem ist auch bei Schönwetter ein komplett blauer Himmel eher fad anzusehen. Ein paar weiße Wolken sorgen für Kontrast und Struktur und verleihen deiner Aufnahme eine gewisse Dynamik.

Landschaftsfotografie Tipps Wolken
Die Wolken verleihen dem Himmel Struktur

Nachbearbeitung deiner Landschaftsbilder

Zum Abschluss meiner Landschaftsfotografie Tipps möchte ich noch kurz auf die Bildbearbeitung eingehen. Wie bereits mehrfach erwähnt ist es mir persönlich sehr wichtig, dass das Bild bereits so gut wie möglich aus der Kamera kommt und nur noch eine dezente Bearbeitung benötigt.

Ich habe dir ein Beispielfoto rausgesucht, anhand dessen ich dir meine Bearbeitungschritte zeigen werde. Der linke Teil des Fotos ist unbearbeitet „out of camera“, der rechte Teil zeigt das Endergebnis.

Fotografiere in RAW

Ich empfehle dir unbedingt im RAW-Format zu fotografieren. Beim RAW-Format handelt es sich quasi um ein digitales Negativ, in dem noch alle Bildinformationen enthalten sind. Anders als bei einem JPEG, das bereits in der Kamera komprimiert und optimiert wird, kannst du das Foto verlustfrei bearbeiten und zum Beispiel die Helligkeit anpassen oder den Weißabgleich verändern.

Fotografieren im RAW-Format bedeutet allerdings mehr Arbeit, denn eine RAW-Datei MUSS zumindest in den Grundzügen entwickelt werden, sonst sieht sie im Vergleich zum JPEG ziemlich mau aus (siehe auch oben). Wer RAW fotografiert, kommt also um Bildbearbeitung nicht herum, dafür stehen fast unendliche Möglichkeiten offen.

Vorlagen & Kamera Profile

Ich persönlich starte nach dem Import der Bilder zuerst mit den Kamera-Profilen und Vorlagen. Lightroom spielt automatisch das Format „Adobe Standard“ auf die Bilder, was ziemlich flau wirken kann, wenn man eher kräftige Farben gewohnt ist. Ich persönlich bevorzuge die Einstellung „Kamera Standard“, die gefühlsmäßig am ehesten dem entspricht, was ich auf dem Display sehe.

Wie so Vieles ist aber auch diese Einstellung Geschmackssache, manche bevorzugen kräftigere Farben, andere mögen es eher dezent. Tipp: Probiere einfach verschiedene Profile aus und schaue, welches am ehesten deiner Vorstellung entspricht.

Objektiv Korrekturen

Im zweiten Schritt gehe ich zum Punkt „Objektivkorrekturen“ und aktiviere diese. Dadurch werden objektivbedingte Verzerrungen und Vignettierungen automatisch entfernt.

Ausrichtung

Nach den Objektivkorrekturen erfolgt unter „Transformieren“ die Ausrichtung. Stürzende Linien werden hier korrigiert und der Horizont in 95% der Fälle automatisch begradigt. Klappt es nicht ganz, korrigiere ich manuell mit dem Freistellungswerkzeug. Dort kann ich, wenn gewünscht, auch den Bildausschnitt anpassen, denn manchmal wirkt ein Foto nach dem Beschneiden deutlich harmonischer.

Schärfen

Das Schärfen erfolgt bei mir automatisch, da ich die Bilder mit einer Importvorlage importiere, die das Schärfen bereits beinhaltet. Ich maskiere immer auf 90%, so dass nur noch die Konturen nachgeschärft werden, was deutlich natürlicher wirkt.

Weißabgleich

Im nächsten Schritt passe ich den Weißabgleich an. Der automatische Weißabgleich der Kamera liefert in den meisten Fällen gute Ergebnisse, doch gerade bei Nachtaufnahmen und bei Fotos mit schwierigen Lichtverhältnissen muss man ihn manchmal anpassen. Wer lieber kühle Farben mag, zieht den Regler nach links (niedrigere Kelvin), wer warme Farben bevorzugt, wählt eine höhere Kelvin-Zahl, in dem er den Regler nach rechts schiebt. Beim Foto oben entspricht der Weißabgleich dem automatischen Weißabgleich der Kamera.

Farben und Kontraste

Sind die Grundeinstellungen erledigt, korrigiere ich wenn nötig die Belichtung und passe Farben und Kontraste an. Ich mag kräftige, satte Farben, möchte aber nicht, dass mein Bild zu einem kitschigen Kunstwerk wird. Daher ist hier Fingerspitzengefühl gefragt. Durch die sanfte Erhöhung der Klarheit bringe ich schlussendlich mehr Struktur in das Foto und hebe bei diesem Beispiel vor allem den Wald und die Berge besser hervor.

Radial- und Verlaufsfilter

Ganz zum Schluss verpasse ich dem Himmel noch einen Verlaufsfilter und dunkle ihn ein wenig ab (= Pol-Filter Effekt). Bei einem Foto mit Wolken kannst du so auch die Konturen besser herausarbeiten und so für mehr Dramatik sorgen.

Tipp: Auch über die Blau-Luminanz kannst du das Blau des Himmels verstärken, allerdings solltest du auch mit diesem Regler nicht übertreiben!

Das sind für mich persönlich die wichtigsten Schritte in der Bildbearbeitung mit Lightroom. Natürlich ist Adobe Lightroom ein mächtiges Tool, das fast unendlich viele Möglichkeiten bietet deine Bilder zu personalisieren und mit einem eigenen Stil zu versehen. Ich persönlich stehe allerdings nicht so auf die pastellfarbenen Presets, sondern bevorzuge Farben, die dem Original möglichst nahekommen. Von daher reichen diese Bearbeitungsschritte für 98% meiner Bilder aus.


Wie du siehst entsteht ein gutes Landschaftsfoto selten zufällig, sondern benötigt eines an Vor- aber auch Nachbereitung. Es ist das perfekte Zusammenspiel aus Recherche, Equipment, Bildgestaltung, Einstellungen und Nachbearbeitung, das am Ende zu einem großartigen Landschaftsfoto führt.

Ich hoffe, dass dir meine umfassenden Landschaftsfotografie Tipps gefallen haben und du inhaltlich einiges für dich mitnehmen konntest. Natürlich gilt auch in der Landschaftsfotografie „Übung macht den Meister“, weshalb ich dir rate so oft wie möglich mit der Kamera loszuziehen, um das Auge zu schulen und das Zusammenwirken der verschiedenen Faktoren zu verstehen!

Fehlt hier eine wichtige Information? Lass mich in den Kommentaren wissen, was dein bester Tipp für großartige Landschaftsbilder ist!

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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

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