Ist es dir auch schon einmal passiert, dass du von einem Photowalk nach Hause gekommen bist und bei der Durchsicht der Bilder feststellen musstest, dass ein Großteil der Fotos unscharf ist? Am Display ist die Unschärfe nicht immer gleich zu erkennen und so kommt das böse Erwachen meistens erst zuhause beim Betrachten der Aufnahmen auf dem Computer. Das kann ziemlich frustrierend sein, vor allem wenn man auf Reisen ist und weiß, dass man an diesen Ort nicht so schnell wieder zurückkehren wird.

Kein Wunder, dass eine der häufigsten Anfragen die uns erreichen lautet: „Hilfe, meine Kamera macht unscharfe Fotos, was kann ich dagegen tun?“ oder „Welche Kamera soll ich kaufen, um möglichst scharfe Fotos zu bekommen?“.

8 Gründe für unscharfe Fotos und was du dagegen tun kannst

Eine Pauschalantwort auf diese Fragen gibt es leider nicht, denn unscharfe Fotos können viele Gründe haben. Was man allerdings in den meisten Fällen ausschließen kann ist, dass die Kamera selbst für die verwackelten Bilder verantwortlich ist. Natürlich gibt es technische Defekte und man kann auch mal ein Montagemodell erwischen, aber in den meisten Fällen sind unscharfe Fotos auf Bedienungsfehler oder fehlendes Grundwissen zurückzuführen.

Und das ist gut so, denn Bedienungsfehler lassen sich beheben und das fehlende Grundwissen kann man sich aneignen. Ich zeige dir in diesem Artikel die häufigsten Gründe für unscharfe Bilder und erkläre anhand von Beispielen, was du dagegen tun kannst.

1. Unscharfe Fotos wegen zu langer Belichtungszeit

Einer der häufigsten Gründe für unscharfe Bilder ist eine zu lange Belichtungszeit. Als Faustregel gilt: wenn du aus der Hand fotografierst, solltest du dein Bild nicht länger als 1/60 Sekunde belichten. Nur wenige Menschen schaffen es, längere Belichtungszeiten aus der Hand zu realisieren.

Unscharfe Fotos durch zu lange Belichtungszeit
Negativbeispiel London bei Nacht aus der Hand geschossen

Der Grund dafür ist, dass es unmöglich ist, komplett stillzuhalten, schließlich sind wir ein lebendiges Wesen. Schon alleine durch das Atmen und die Muskelspannung bewegen wir uns unbewusst und diese kleinen Wackler werden direkt auf die Kamera übertragen. Wer ganz sicher gehen will, stellt die Belichtungszeit gleich auf 1/125 Sekunden ein. Die Bildstabilisatoren der Objektive der neuesten Generation verschaffen dir zwar Luft nach oben, können aber die Physik auch nicht komplett ausschalten.

Tolles Feature bei Nikon: Unter dem Menüpunkt „ISO-Empfindlichkeits-Einstellungen“ lässt sich die längste Belichtungszeit einstellen. Du kannst also vorgeben, dass deine Kamera immer mit maximal 1/60 Sekunde belichten soll. In Verbindung mit der ISO-Automatik und der Blendenvorwahl sorgt diese Einstellung dafür, dass deine Bilder nie zu lange belichtet werden.

Unscharfe Fotos Kameraeinstellungen
Bei den meisten Nikon DSRLs lässt sich die längste Belichtungszeit in Verbindung mit der ISO-Automatik unter den „ISO-Empfindlichkeits-Einstellungen“ festlegen.

Außerdem solltest du beachten, dass längere Brennweiten eine kürzere Belichtungszeit erfordern. Je länger die Linse, desto schwieriger wird es diese ruhig zu halten, daher sollte bei Teleobjektiven die Belichtungszeit nie länger als der Kehrwert deiner Brennweite sein. Bei 500 mm wäre die längstmögliche Belichtungszeit für scharfe Bilder aus der Hand also 1/500 Sekunden. Auch hier können Bildstabilisatoren natürlich helfen, diese Grundregel auszureizen, 1/60 wirst du mit dieser Brennweite freihändig trotzdem niemals verwacklungsfrei realisieren können!

Unscharfe Fotos Stativ
Knackscharfe Nachtaufnahmen wie diese erfordern ein Stativ

Die Unschärfe durch zu lange Belichtungszeiten zeigt sich vor allem bei Freihandaufnahmen in der Nacht oder Dämmerung, wo die Technik schnell an ihre Grenzen kommt. Natürlich kann man versuchen, das fehlende Licht durch Erhöhen der ISO und Öffnen der Blende zu kompensieren, aber auch das reicht irgendwann nicht mehr aus. Abgesehen davon, dass extrem hohe ISO-Werte die Bildqualität spürbar verringern, Stichwort Bildrauschen.

Möchtest du längere Belichtungszeiten realisieren, um z.B. Nachtaufnahmen zu machen, musst du ein Stativ verwenden oder die Kamera auf einer geeigneten Unterlage abstellen. Als Reisestativ können wir dir das Rollei Compact Traveller* empfehlen, das mit seinem Packmaß von nur 33 cm in fast jedes noch so limitierte Gepäckstück passt. Wer es noch kompakter will, sollte zumindest in ein Gorilla Pod* oder einen Bohnensack* investieren.

2. Verwacklungsunschärfe durch Bewegung

Unscharfe Fotos Bewegungsunschärfe
Ist die Belichtungszeit zu lange, verwischen Bewegungen

Ein zweiter häufiger Grund für Unschärfe in deinen Bildern ist Bewegung. Das kann teilweise gewollt sein, beispielsweise bei bewusst eingesetzter Bewegungsunschärfe (Wischeffekt), um mehr Dynamik ins Bild zu bringen (siehe Bild oben), meistens passiert es aber unabsichtlich.

Unscharfe Bilder durch Bewegung entstehen entweder, weil das Motiv sich bewegt, oft ist man aber auch selbst der Auslöser, entweder weil man im Gehen fotografiert, in einem sich bewegenden Objekt sitzt (Auto, Zug) oder die Kamera einfach beim Auslösen verrückt. Und dass unser Körper sich grundsätzlich immer bewegt, auch wenn wir vermeintlich stillhalten, haben wir ja im ersten Punkt schon besprochen.

Unscharfe Fotos Tiere in Bewegung
Bei diesem Vogel im Abflug reichte auch 1/1000 Sek nicht – in den Federn ist Bewegungsunschärfe zu erkennen

Deine eigenen Bewegungen kannst du minimieren, indem du dich irgendwo abstützt oder für sehr lange Belichtungszeiten ein Stativ verwendest. Das Verreißen der Kamera beim Auslösen lässt sich vermeiden, wenn du dich beim Fotografieren konzentrierst und bewusst abdrückst.

Bewegliche Motive hingegen benötigen sehr kurze Belichtungszeiten. Laufende Tiere, ein Rennauto oder spielende Kinder brauchen oft Belichtungszeiten von nur 1/1000 Sekunden, um sie gestochen scharf abbilden zu können. Man sagt nicht ohne Grund „Bewegung einfrieren“ zu dieser Technik.

Das Bild unten zeigt meinen Terrier Speedy im vollen Lauf, bei extrem schlechtem Umgebungslicht, fotografiert mit der fantastischen Nikon D850* und einer Belichtungszeit von einer 1/1000 Sekunde. Um diese extrem kurze Belichtungszeit unter diesen grenzwertigen Lichtbedingungen realisieren zu können, waren eine Offenblende von f/4 und ein ISO-Wert von 11.400!!! notwendig, um möglichst viel Licht auf den Sensor zu bringen.

Nur wenige Kameras schaffen unter diesen Voraussetzungen noch ansehnliche Fotos, das muss man ganz ehrlich sagen. Daher ist es wichtig, dass du in einer möglichst hellen Umgebung arbeitest, wenn du extrem kurze Belichtungszeiten einsetzen willst.

unscharfe Fotos Bewegung
Um mein Hündchen Speedy im Lauf scharf zu bekommen, war eine Belichtungszeit von 1/1000 Sekunden von Nöten

3. Das Bild ist unscharf, weil der Fokus nicht richtig getroffen wurde

Unscharfe Fotos Fokus sitzt nicht
Mist, der Fokus sitzt nicht

Auch ein Klassiker bei der Suche nach Gründen für unscharfe Fotos. Obwohl der Autofokus moderner Kameras absolute Spitzenleistungen erbringt und dem manuellen Fokus in fast jeder Hinsicht überlegen ist, gibt es trotzdem Situationen, in denen er daneben liegen kann. Schlechtes Umgebungslicht beispielsweise setzt den Autofokus gerne außer Gefecht und auch wenn das Motiv sich schlecht vom Hintergrund abhebt oder hinter Blättern und Gräsern versteckt ist, sinkt die Trefferquote.

Unscharfe Fotos falscher Fokus
Ein Tier hinter dichtem Gestrüpp kann den Autofokus aus dem Konzept bringen

Möglicherweise hast du auch einfach nicht den richtigen Fokuspunkt gewählt? Beim Fokussieren gibt es nämlich zwei Möglichkeiten: Entweder du überlässt der Kamera die Entscheidung, welches Motiv im Fokus stehen soll, oder du definierst das Autofokusfeld selbst. Moderne Kameras regeln das Scharfstellen mittlerweile ganz gut, aber es gibt dennoch Fotosituationen, in denen man besser selbst entscheidet, wo die Kamera scharf stellen soll.

Kreative Bilder mit gewollten Unschärfen und schönen Effekten entstehen nur, wenn man selbst den Fokuspunkt bewusst wählt. Du kannst dies manuell machen, indem du den Bildausschnitt wählst und das Messfeld so lange verschiebst, bis es über der richtigen Stelle liegt oder du definierst und fixierst das mittlere Fokusfeld und verschiebst nach dem Fokussieren den Bildausschnitt. Das ist meine bevorzugte Wahl, weil ich damit gefühlt schneller bin, allerdings muss man bei dieser Technik darauf achten, dass man die Distanz zum Objekt nicht verändert, da sich sonst die Schärfeebene verschieben kann und das Bild erst wieder unscharf wird. Je offener deine Blende (= je kleiner dein Blendenwert), desto stärker ist dieser Effekt, da der Schärfebereich bei Offenblende sehr klein ist.

Unscharfe Fotos Fokuspunkt
Gewollte Unschärfe zaubert schöne Effekte ins Bild

Hätten wir beim Bild oben beispielsweise die Kamera entscheiden lassen, wären vermutlich die Blumen scharf und der Hintergrund verschwommen. Durch die manuelle Wahl des Fokuspunktes konnten wir diesen schönen Effekt mit den Blüten erziehlen und das Hauptmotiv (ich im Strandkorb) scharf in Szene setzen.

4. Unschärfe verursacht durch die Blende

Die Blende ist das wichtigste Gestaltungsmittel in der Fotografie und ein wunderbares Tool, um mit dem Spiel von Schärfe und Umschärfe kreative Effekte in deine Bilder zu zaubern. Falsch angewendet, kann der gewählte Blendenwert aber auch ein Grund für unscharfe Fotos sein.

Unschärfe durch Offenblende

Besonders heikel und anfällig für ungewollte Unschärfen sind Fotos, die mit Offenblende und sehr lichtstarken Objektiven fotografiert wurden. Mit Offenblende kreiiert man tolle Effekte, wie zum Beispiel den verschwommenen Hintergrund, auch „Bokeh“ genannt. Doch setzt man den Fokuspunkt nur um ein paar Millimeter fasch, kann man meistens das ganze Bild in die Tonne werfen.

Der Grund dafür ist, dass der Schärfebereich bei Offenblende sehr klein ist. Je lichtstärker das Objektiv, desto stärker dieser Effekt. Ein Beispiel dafür ist das Bild unten, das mit einer Blende von f/1,8 fotografiert wurde. Hier sitzt der Fokus, das Motiv hebt sich schön vom (gewollt) unscharfen Hintergrund ab und der Fokuspunkt liegt genau auf dem Auge.

Unscharfe Fotos Offenblende
Ein korrekt fokussiertes Bild mit Offenblende

Man kann aber auch sehr gut erkennen, dass Halsbereich und Schnauze des Hundes bereits wieder unscharf werden. Dies liegt am kleinen Schärfebereich. Verrutscht der Fokuspunkt, liegt der Schärfebereich nicht mehr auf dem Auge, sondern z.B. auf der Schnauze, wie das zweite Bild zeigt. Hier handelt es sich um einen klassischen Fehlfokus auf Grund der offenen Blende, auch wenn das Bild trotzdem irgendwie cool aussieht.

Unscharfe Fotos Offenblende
Hier liegt der Fokuspunkt nicht auf den Augen, sondern auf der Schnauze

Unschärfe durch geschlossene Blende

Kaum zu glauben, aber wahr, auch eine zu weit geschlossene Blende kann ein Grund für unscharfe oder zumindest nicht knackscharfe Bilder sein. Dazu muss man wissen, dass jedes Objektiv einen Bereich hat, indem es eine besonders gute Abbildungsleistung bietet. Bei den gängigen Modellen liegt dieser Bereich irgendwo zwischen den Blendenwerten f/7,1 und f/11, abhängig von Megapixel und Sensorgröße. Schließt man die Blende weiter, sprich erhöht man den Blendenwert, nimmt die Bildqualität wieder ab. Es kommt zu einer sogenannten Beugungsunschärfe. Grund dafür ist die Blendenöffnung, die immer kleiner wird, je weiter die Blende geschlossen wird. Das eintreffende Licht trifft dann nicht mehr direkt auf den Sensor, sondern wird am Rand der Öffnung gebeugt, was Unschärfe verursacht.

Dazu muss man allerdings sagen, dass dieser Effekt, anders als zum Beispiel ein Fehlfokus, mit freiem Auge am Display kaum zu erkennen ist. Auch wenn du deine Bilder hauptsächlich für das Internet optimierst, spielt die Beugungsunschärfe nur eine untergeordnete Rolle. Das Bild unten wurde beispielsweise mit Blende 22 fotografiert, um den Sonnenstern abbilden zu können. Trotzdem wirkt es alles andere als unscharf.

Unscharfe Fotos Beugungsunschärfe
Bei weboptimierten Bildern spielt die Beugungsunschärfe nur eine untergeordnete Rolle.

Tipp: Um zu testen, bei welcher Blende dein Objektiv die beste Abbildungsleistung bietet, montiere die Kamera auf einem Stativ und fotografiere ein Objekt deiner Wahl unter gleichen Bedingungen mit verschiedenen Blendenwerten. Dann betrachte die Bilder bzw. Ausschnitte vergrößert auf dem Computer und du wirst erkennen, bei welchem Blendenwert das schärfste Ergebnis realisiert wurde.

5. Der Bildstabilisator als Grund für unscharfe Fotos?

Was auf den ersten Blick komisch klingt, hat durchaus Berechtigung. Auch der Bildstabilisator kann schuld daran sein, dass deine Bilder unscharf werden. Entweder hast du vergessen ihn anzuschalten, was bei grenzwertigen Bedingungen dazu führen kann, dass deine Bilder nicht scharf werden. Ein Bildstabilisator verschafft dir einfach etwas mehr Spielraum und lässt dich die Grenzen der Technik ausreizen.

Unscharfe Fotos durch Bildstabilisator
Der Bildstabilisator kann auch ungewollt Grund für unscharfe Fotos sein

Oder, und das ist bei weitem der häufigste Grund, du hast den Bildstabilisator eingeschaltet, obwohl es für die Aufnahme nicht angeraten ist. Ist deine Kamera nämlich auf einem Stativ montiert, muss der Bildstabilisator abgeschaltet werden. Grund? Der Stabilisator versucht sonst ständig Bewegungen auszugleichen, die es gar nicht gibt und sorgt so für Unschärfe in deinen Bildern. Ich habe zu Beginn meiner Fotokarriere unzählige unscharfe Nachtaufnahmen gemacht und war oft ziemlich frustriert, da Einstellungen und Setting eigentlich immer korrekt waren. Es hat etwas gedauert, bis ich auf den Bildstabilisator als Wurzel des Übels gekommen bin, doch mittlerweile schalte ich ihn immer schon automatisiert ab, wenn ich die Kamera auf das Stativ packe.

Aufpassen: Sobald die Aufnahmen mit dem Stativ beendet sind, Einschalten nicht vergessen!

6. Das Bild ist unscharf durch das Auslösen

Deine Kamera sitzt bombenfest auf dem Stativ, der Bildstabilisator ist ausgeschaltet, das Motiv – nehmen wir an ein beleuchtetes Gebäude – bewegt sich nicht, alle Einstellungen passen und trotzdem wird dein Foto unscharf?

Dann liegt es vermutlich daran, dass du keinen Fernauslöser verwendest und deine Kamera jedes Mal beim Drücken des Auslösers leicht bewegst. Abhilfe schafft ein externer Auslöser (= Fernauslöser). Es gibt günstige (völlig ausreichende) Modelle mit Kabel* und etwas teurere drahtlose Auslöser per Funk*. Auch spezielle Apps können mittlerweile diese Funktion übernehmen.

Unscharfe Fotos Bildstabilisator
Steht die Kamera am Stativ, muss der Bildstabilisator ausgeschaltet werden

Alternativ kannst du auch einfach die Selbstauslösefunktion deiner Kamera mit einer Vorlaufzeit von 2 oder 5 Sekunden verwenden. Wenn du das machst, schalte bitte den nervigen Piepton aus, um andere Fotografen und umstehende Menschen nicht in den Wahnsinn zu treiben!

Wer ganz sicher gehen will, aktiviert bei einer DSRL zusätzlich zum Fern- oder Selbstauslöser noch die Spiegelvorauslösung. Diese Funktion verhindert, dass das Bild durch Vibrationen, die durch das Aufklappen des Spiegels entstehen, verwackelt.

Hinweis: Möchtest du im BULB-Modus fotografieren, sprich Belichtungszeiten von mehr als 30 Sekunden realisieren, musst du einen Fernauslöser verwenden. Idealerweise gibst du etwas mehr Geld aus und kaufst einen Auslöser mit integrierter Timerfunktion, damit du nicht zusätzlich am Smartphone die Zeit stoppen musst.

Unscharfe Fotos Fernauslöser
Das moderne Wien in der Dämmerung fotografiert mit 154 Sekunden Belichtungszeit. So lange Belichtungszeiten erfordern einen Fernauslöser.

7. Das Objektiv löst nicht hoch genug auf

Ein weiterer, wenig beachteter Grund für unscharfe Fotos sind Objektive, die nicht hoch genug für das gewählte Kameramodell auflösen. Wie ihr vermutlich mitbekommen habt, gibt es am Markt aktuell geradezu einen Wettkampf um die meisten Megapixel. Auch wenn mehr Megapixel nicht unbedingt bessere Fotos bedeuten, halten viele an diesem Glauben fest und treiben die Hersteller zu immer absurderen Ausmaßen. Die neue Nikon D850* beispielsweise hat eine Auflösung von unglaublichen 46 Megapixel, die Canon EOS 5DS* kommt gar auf über 50 Megapixel.

Das Problem ist, die 50 Megapixel nützen dir gar nichts, wenn du nicht gleichzeitig auch ein extrem hoch auflösendes und meist sehr teures Objektiv verwendest. Löst das Objektiv weniger hoch auf, beispielsweise nur mit 30 MP, verlierst du die restlichen 20 Megapixel und die Bildauflösung beträgt trotz teurer 50 Megapixel Kamera weiterhin nur 30 Megapixel.

Spuckt also deine neue, sehr hoch auflösende Kamera nur mittelmäßige Fotos aus, prüfe dein Objektiv, ob es überhaupt noch den Anforderungen der modernen Kameras entspricht. Denn leider lassen sich das Maximum an Schärfe und die volle Auflösung vieler neuer Kameras nur mit entsprechend teuren Linsen erreichen. Genau aus diesem Grund empfehlen wir auch immer, im Zweifel eher in ein gutes (teureres) Objektiv, als in einen neuen Kamera-Body zu investieren.

Tipp: Lies auch unseren großen Objektivvergleich, um die perfekte Linse für dich und deine Bedürfnisse zu finden.

8. Du fotografierst in RAW und vergisst auf das Nachschärfen

Zu guter Letzt wollen wir auch noch die Bildbearbeitung ansprechen. Fall dir deine Bilder trotz korrekter Einstellungen, perfekt adjustiertem Objektiv und treffsicherem Fokus mau und schwammig erscheinen, liegt es vielleicht an der Bearbeitung? Ein JPEG wird bereits in der Kamera automatisch verbessert und quasi druckfertig ausgespuckt. Ganz anders eine RAW-Datei. Fotografierst du im RAW-Format MUSST du deine Fotos zumindest leicht nachbearbeiten. Nachschärfen ist hier ein ganz wichtiger Punkt!

Merke dir, ein RAW entspricht in etwa dem, was früher in der analogen Fotografie ein Negativ war. In der Datei sind alle Bildinformationen gespeichert, doch man muss sie erst ausarbeiten, um das volle Potenzial zu sehen. Wie genau das aussieht hängt auch ein wenig vom Geschmack des Fotografen ab, doch Schärfe, Kontrast, Sättigung, Objektivkorrekturen und stürzende Linien sollten auf jeden Fall angepasst bzw. korrigiert werden.

Tipp: Nachschärfen ist wichtig, um das volle Potenzial deiner Aufnahme zu entfalten, aber bitte übertreibe es nicht mit dem Schärferegler. Übertrieben scharfe Bilder sind mindestens genauso schlimm anzusehen wie unscharfe Fotos. In Lightroom regelst du das Nachschärfen über den Punkt „Details“ und „Schärfen“. Ich maskiere meine Bilder immer zu gut 90%, so dass nur noch die Kanten und Konturen nachgeschärft werden. Dies ergibt erfahrungsgemäß ein viel natürlicheres Ergebnis. Am Beispiel unten sieht man das ganz gut, geschärft werden nur die weißen Bereiche, alles was schwarz ist bleibt unberührt.

Mit dem Schärferegler kannst du dein Bild nachschärfen. Maskieren verhilft zu einem natürlicheren Ergebnis.

Tipp 2: Versuche NIEMALS eindeutig unscharfe Fotos mit exzessiver Nachbearbeitung zu verbessern. Erscheint ein Bild auf den ersten Blick unscharf, wie beispielsweise das Foto der Londoner Skyline weiter oben im Artikel, dann ist es das auch und kein Programm der Welt kann es retten. Solche Fotos gehören abgehakt und in die Tonne geworfen.

Anders verhält es sich mit Bildern, die erst auf den zweiten Blick oder in der 100% Ansicht nicht ganz scharf wirken. Eine geringe Unschärfe fällt oft gar nicht auf, vor allem, wenn man das Foto für das Internet optimiert und nicht als Plakat ausdrucken möchte. Aufnahmen mit einer minimalen Unschärfe lassen sich durchaus noch für viele Zwecke verwenden, daher sollte man auch nicht ganz so streng mit sich sein, vor allem wenn es um Erinnerungen geht.

Unscharfe Fotos leichte Unschärfe
Der sibirische Tiger im Zoo Schönbrunn – leicht unscharf

Wäre dir z.B. aufgefallen, dass dieser Tiger nicht 100% scharf getroffen wurde? Ich finde das Foto trotz der leichten Unschärfe extrem gut gelungen und ich bin immer noch froh, dass ich diesen wunderschönen Moment einfangen konnte.

Unser Fazit

Unscharfe Fotos müssen nicht sein und mit ein wenig Übung wird der Ausschuss immer weniger werden. Als Fotograf lernt man sowieso nie aus, deshalb kann ich dir nur empfehlen, regelmäßig rauszugehen und zu fotografieren was das Zeug hält. Bei Spezialsituationen wie Langzeitbelichtungen macht es auch Sinn, verschiedene Einstellungen zu testen und eine Reihe von Bildern mit unterschiedlichen Settings anzufertigen. Der Vorteil der digitalen Fotografie ist ja, dass man nicht auf teure Filmrollen angewiesen ist und nicht benötigte Aufnahmen zu Hause einfach löschen kann.

Sei auch nicht zu streng mit dir und verzweifle nicht an der 100% Ansicht im Photoshop. Sofern du deine Bilder nicht auf die benachbarte Hauswand plakatieren möchtest, fällt auch eine leichte (angebliche) Unschärfe nicht weiter ins Gewicht.

Hast du noch weitere Tipps für scharfe Fotos? Wir freuen uns immer über hilfreiche Kommentare und weiterführende Tipps!

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Um keine Infos zu verpassen, folge mir auf Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram. Alternativ kannst du meinen Blog auch auf Bloglovin' oder via RSS Feed abonnieren!

Möchtest du meine Reiseberichte und Fototipps direkt in deine Mailbox erhalten? Melde dich jetzt für meinen kostenlosen Newsletter an. Zusätzlich erhältst du als Dankeschön für deine Anmeldung gratis Zugriff auf das E-Book "Günstig Reisen"!

Melde dich für meinen Newsletter an und erhalte 4-6 Mal pro Jahr eine Extraportion Reiselust, spannende Fototipps und exklusive Infos zu meinen Projekten direkt in deine Mailbox.


P.S. Kein Spam, nur viel Fernweh!



Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

Schreibe ein Kommentar