In einem anderen Beitrag hatte ich schon einmal geschrieben, dass das einzig Negative an tollen Erlebnissen ist, dass sie irgendwann vorbei sind. Das gilt leider auch für das Wandern in den Kitzbüheler Alpen! Drei Tage war ich auf dem KAT Walk (Kitzbüheler Alpen Trail) unterwegs, genoss herrliche Ausblicke auf die umliegenden Panoramen, kulinarische Höhepunkte und eine tolle Zeit mit meinen Wanderkollegen.

Der KAT Walk ist eigentlich auf 6 Etappen ausgelegt, doch für mich sollte die 3. Etappe vom Windautal zur Labalm die Letzte sein. Wie es mir auf der ersten und zweiten Etappe des KAT-Walks ergangen ist, könnt ihr übrigens hier und hier nachlesen.

Klar, dass meine Begleiter und ich das letzte Teilstück noch einmal so richtig genießen und mit allen Sinnen erleben wollten!

Nach einem stärkenden Frühstück im bezaubernden Steinberghaus, schnürten wir ein letztes Mal die Wanderschuhe und machten uns auf den Weg auf unsere letzte Etappe. Unser Hauptgepäck würde dankenswerterweise wieder mit dem Gepäckservice an unsere letzte Station geliefert werden und so brauchten wir uns um nichts kümmern. Ein Vorteil des KAT-Walks im Vergleich zu anderen Weitwanderungen ist definitiv, dass alles organisiert wird und man nur noch selber laufen muss! So kann man sich voll und ganz auf das Wandererlebnis und die Eindrücke konzentrieren!

Gott sei Dank spielte auch am letzten Tag das Wetter alle Stücke. Schon beim Frühstück begrüßte uns strahlender Sonnenschein und fast wolkenloser Himmel. Ideal für perfekte Wanderfotos, aber eine Herausforderung für die Kondition, wie wir schon bald feststellen würden.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Ausblick
Auf Forststraßen hinauf zur Scheibenschlag Niederalm

Die dritte Etappe des KAT Walks führt nämlich fast ausschließlich über fast baumlose Forstwege und Steige, was bei der großen Hitze ziemlich ermüdend sein kann. Ein ruhiges Tempo wählen und während der Wanderung viel trinken, war an diesem Tag besonders wichtig. Einmal mehr freute ich mich, dass ich meine Trinkblase dabei hatte und so ohne stehenzubleiben und in meinem Rucksack zu kramen Zugriff auf mein Wasser hatte. Man merke sich, Wandern in den Kitzbüheler Alpen im Hochsommer, kann ziemlich anstrengend sein und man sollte unbedingt sicher stellen, dass man genug zu trinken mit hat, auch, weil es auf der Strecke keine Einkehrmöglichkeiten gibt!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Fluss
Das erste Stück wandern wir entlang eines kleinen Flusses

Nach dem Steinberghaus liefen wir ein paar hundert Meter an einer Straße neben einem Fluss entlang durch das Tal. Schon bald folgte eine Abzweigung auf eine breite Forststraße, die sich in weiten Serpentinen den Berg hinauf schlängelte. Der Weg war nicht extrem steil, aber führte dennoch stetig bergan und das fast ausschließlich in der prallen Sonne. Klar, dass wir jedes noch so kleine Schattenplätzchen für eine Verschnaufpause nutzten und ein wenig inne hielten, um unsere Kräfte zu sammeln.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Panorama
Wir genießen das herrliche Bergpanorama der Kitzbüheler Alpen

Auf der Scheibenschlag Niederalm beschlossen wir, ein wenig zu rasten und die Aussicht zu genießen. Es war leider ein wenig diesig, aber trotzdem offenbarte sich uns ein Traumblick über das Tal. Die sanften Grasberge der Kitzbüheler Alpen haben schon etwas sehr malerisches an sich und lassen das Herz eines jeden Wanderliebhabers höher schlagen.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Scheibenschlag Hochalm
Auf dem Weg zur Scheibenschlag Hochalm

Irgendwann mussten wir uns aber von der Idylle losreißen und weiter wandern, schließlich hatten wir noch einige Kilometer und vor allem Höhenmeter vor uns. Von der Scheibenschlag Hochalm, die wir nach etwa einer halben Stunde erreichten, führte dann der steilste Teil dieser Etappe über einen ausgetretenen Pfad hinauf zur Hinterkarscharte, dem höchsten Punkt dieses Teilstücks.

Der Steig hat durch die vielen Kuhtritte schon etwas gelitten und ist nicht leicht zu sehen, daher gilt es die rot-weiß-roten Bodenmarkierungen besonders gut zu beachten. Besonders schön im Juni waren die blühenden Almrosen, welche die ganze Hochebene bedeckten und in ein rosarotes Blütenmeer verwandelten.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Aufstieg Hinterkarscharte
Aufstieg Richtung Hinterkarscharte
Wandern in den Kitzbüheler Alpen Almrosen
Im Juni blühen die Almrosen

Etwa eine Stunde dauerte der Aufstieg durch das Almrosenmeer, ehe wir einen gelben Wegweiser erreichten, der den höchsten Punkt der Etappe, die Hinterkarscharte auf 1829 m markierte. Hier hatten wir den schwierigsten Teil unserer abschließenden Wanderung durch die Kitzbüheler Alpen bereits hinter uns gelassen und freuten uns auf einen gemächlichen Abstieg ins Tal.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Hinterkarscharte
Die Hinterkarscharte markiert den höchsten Punkt der Etappe

Wir passierten die markante Scharte und wanderten auf einem malerischen Pfad durch eine Almwiese, an deren Ende ein kleiner Teich lag, in dem sich die Wolken spiegelten. Obwohl es keinen Schatten gab, beschlossen wir, an diesem idyllischen Ort unsere verdiente Mittagspause einzulegen. Der Aufstieg war schließlich anstrengend gewesen und unsere Körper verlangten förmlich nach einem kleinen Snack und ein bisschen Erholung.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Großer Rettenstein
Unser Mittagsstop mit Ausblick auf den Hohen Rettenstein. Ganz hinten kann man die weißen Gletscher des Groß Venedigers erkennen!

Also machten wir es uns an ein paar Felsen gemütlich und genossen unser Lunch-Paket bei einem grandiosen Blick auf den Hohen Rettenstein. Dieser Berg hebt sich wegen seines felsigen Gipfels sehr markant von den umliegenden Grasbergen ab und dominiert das Panorama. Im Hintergrund konnte man sogar den Groß Venediger erkennen, seines Zeichens mit 3666 m Höhe der zweithöchste Berg Österreichs.

Dieser Platz kurz nach der Hinterkarscharte war mit Sicherheit einer der schönsten und idyllischten der gesamten Wanderung und ich war einmal mehr begeistert, welche schönen Orte meine Heimat Österreich zu bieten hat!

Nach der Pause ging es weiter Richtung Tal. Immer im Blickfeld, der dominante Gipfel des Hohen Rettensteins. Mittlerweile hatte es etwas zugezogen und die Sonne brannte nicht mehr so gnadenlos vom Himmel wie am Vormittag. Eine Erleichterung für die Wanderer, das diesige Wetter machte allerdings das Fotografieren zu einer echten Herausforderung!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Hoher Rettenstein
So malerisch präsentiert sich der KAT-Walk auf der dritten Etappe

Der alpine Pfad endete bald in einer breiten Forststraße, die sich in weiten Serpentinen talwärts zog. Zuerst passierten wir die Hintenkar Hochalm und wanderten dann weiter bis zur gleichnamigen Niederalm. Wie uns schon in den letzten Tagen aufgefallen ist, gibt es hier in der Gegend fast immer eine „hohe“ und eine „niedere“ Variante einer Alm. Das vereinfacht wohl die Namensgebung der Gehöfte…

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Forstweg
Auf diesem Forstweg ging es über weite Strecken talwärts

Auf dem Weg ins Tal wanderte man quasi von einer Alm zur nächsten, während man herrliche Panoramablicke auf die Umgebung genoss. Einziger Wermutstropfen während unserer Wanderung: anscheinend war gerade Düngezeit und so begegneten wir einigen Bauern mit ihren Traktoren, die großzügig die Gülle auf den Wiesen und Feldern verteilten. Dies hatte zur Folge, dass wir sehr oft durch frisch gedüngtes Gras stapfen mussten und in der Folge ziemlich streng rochen. Die heiße Dusche hatten wir uns an diesem Tag wirklich redlich verdient!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Hintenkar Niederalm
Blick auf die Hintenkar Niederalm
Wandern in den Kitzbüheler Alpen Bach
Auf dem Weg zur Labalm passiert man einige glasklare Bäche

Ziel dieser letzten Etappe war für unsere Gruppe die Labalm, obwohl der dritte Teil des KAT-Walks offiziell eigentlich erst in Aschau endet. Doch die Labalm ist so ein idyllischer und friedlicher Ort, dass sich unsere Gastgeber wohl dachten, dass es ein besonders nettes Erlebnis sei, direkt auf der Alm zu übernachten. Wie Recht sie hatten!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Labalm
Die schon von weither sichtbare Labalm

Die schon von Weitem sichtbare Labalm liegt direkt am Fuß des Hohen Rettensteins und bietet alles, was das Wanderherz begehrt. Einen schönen Gastgarten mit Liegestühlen für Sonnenanbeter, einen Streichelzoo für die Kleinen, großartiges Essen und urgemütliche Zimmer mit Holzvertäfelung und typisch rot-weiß karierter Bettwäsche. Wir waren wirklich sehr froh, dass wir hier die Nacht verbringen und in das Almleben eintauchen durften.

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Labalm
Blick vom Ende des Wanderweges auf die Labalm

Der Wirt sorgte außerdem dafür, dass es uns kulinarisch an nichts fehlte! G’schmackige Tiroler Knödel und ein hausgemachter Zirben– sowie Nussschnaps trugen das ihre dazu bei, dass wir uns ziemlich bald zufrieden und satt auf die Zimmer zurückzogen. Davor erhielten wir übrigens alle noch den „KAT-Walk Finisher“ Badge, den wir stolz an unsere Rucksäcke hefteten. 52 Kilometer und über 3000 Höhenmeter hatten wir in den letzten Tagen überwunden und dabei den Herausforderungen einer alpinen Weitwanderung getrotzt. Rückblickend konnten wir wirklich stolz auf unsere Leistung sein, vor allem diejenigen, für die es die erste Wanderung gewesen war!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Zimmer Labalm
Mein gemütliches Zimmer auf der Labalm

Kurz vor dem Schlafengehen öffnete dann der Himmel seine Schleusen und zeigte uns mit aller Kraft, was für Naturgewalten hier in den Alpen herrschen. Es blitzte, donnerte und grollte in den Bergen und wir waren wirklich sehr dankbar, dass wir es zeitgerecht auf die Hütte geschafft hatten und den strömenden Regen von unseren kuscheligen Zimmern aus beobachten konnten.

Wir mochten gar keinen Gedanken daran verschwenden, wie schlimm es gewesen wäre, so einen krassen Wetterumsturz inmitten einer Wanderung zu erleben!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Sonnenuntergang
Wunderschöne Sonnenuntergangsstimmung nach dem Gewitter

Mich zog es dann trotz bleierner Müdigkeit doch noch einmal raus auf den Balkon, da sich nach dem heftigen Gewitter ein traumhaftes Farbenschauspiel über dem Tal zeigte. Und das musste ich einfach fotografisch festhalten, egal wie erschöpft ich war. Die untergehende Sonne tauchte das Tal in ein goldenes Licht, während Nebelschwaden über den Wiesen hingen und die trockene Erde nach dem unerwarteten Niederschlag wie eine Sauna dampfte. Ein unglaublich toller Anblick, der den krönenden Abschluss unserer dreitägigen Tour bildete!

Wandern in den Kitzbüheler Alpen Abendstimmung
Rosarote Abendstimmung über dem Tal

Der Regen hielt die ganze Nacht über an und stoppte auch in der Früh nicht. Während wir ein deftiges Frühstück genossen, prasselten draußen dicke Regentropfen auf die Fenster und dichte Nebelschwaden umhüllten die Gipfel, die wir tags zuvor noch bei strahlendem Sonnenschein bewundert hatten! Uns wurde noch einmal bewusst, dass wir wirklich verdammt viel Glück gehabt hatten, den KAT Walk bei so außergewöhnlich gutem Wetter genießen zu dürfen.

Und wir waren auch froh, dass uns an diesem Morgen ein Taxi abholte und zum Bahnhof nach Aschau brachte. Die letzten 5 Kilometer wären bei diesem Wetter wahrlich kein Vergnügen gewesen!

Fazit der Wanderung auf dem KAT-Walk durch die Kitzbüheler Alpen

Ich kann mich wirklich schwer entscheiden, ob mir die zweite oder die dritte Etappe nun am besten gefallen hat. Beide überzeugten, anders als die erste Etappe, mit viel unberührter Natur und romantischen Wanderpfaden abseits von Trubel und Hektik. Einfach perfekt zum Abschalten und Entspannen!

Der Platz kurz nach der Hinterkarscharte mit dem kleinen Teich und dem Ausblick auf den Hohen Rettenstein war jedenfalls einer der idyllischten Orte der gesamten Weitwanderung und eines der schönsten Fotomotive dieser Strecke.

Alles in allem hat mir das Wandern durch die Kitzbüheler Alpen auf dem KAT-Walk sehr gut gefallen und ich habe definitiv Blut geleckt. Sehr gerne möchte ich auch noch die Etappen 4-6 erwandern, denn ich bin neugierig, welche Ausblicke mich noch erwarten und mit welchen kulinarischen Highlights die restlichen Betriebe aufwarten!

Der KAT-Walk ist die perfekte Wanderung für alle, die gerne in das Thema Weitwandern eintauchen möchten, ohne dabei auf zu viel Komfort verzichten zu müssen. Durch die angebotenen Komplettpakete und den tollen Gepäckservice kann man sich voll und ganz auf die körperliche Ertüchtigung konzentrieren, ohne Gedanken an Organisatorisches, zu schwere Rucksäcke und Verpflegung auf den Etappen verschwenden zu müssen.

Je nach körperlicher Fitness stehen auch verschiedene Varianten des KAT-Walks zur Auswahl, so dass wirklich jeder das für ihn und seine Bedürfnisse passende Angebot finden kann.

KAT Walk 3. Etappe in Zahlen:

Länge: 19 km (bis nach Aschau, zur Labalm ca. 14 km)

Dauer: ca. 6,5 Stunden (zur Labalm ca. 5 Stunden ohne Fotografie Pausen!)

Höhenmeter: 1050 m aufwärts, 900 m abwärts

Höchster Punkt: 1.829 m


Disclaimer: Vielen Dank an Tirol Tourismus und die Kitzbüheler Alpen für die Einladung nach Tirol zum Wandern auf dem KAT Walk! Meine Meinung und Erfahrungen bleiben davon wie immer unbeeinflusst. Die Anreise nach Tirol habe ich selbst bezahlt.

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Um keine Infos zu verpassen, folge mir auf Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram. Alternativ kannst du meinen Blog auch auf Bloglovin' oder via RSS Feed abonnieren!

Möchtest du meine Reiseberichte und Fototipps direkt in deine Mailbox erhalten? Melde dich jetzt für meinen kostenlosen Newsletter an. Zusätzlich erhältst du als Dankeschön für deine Anmeldung gratis Zugriff auf das E-Book "Günstig Reisen"!

Melde dich für meinen Newsletter an und erhalte 4-6 Mal pro Jahr eine Extraportion Reiselust, spannende Fototipps und exklusive Infos zu meinen Projekten direkt in deine Mailbox.


P.S. Kein Spam, nur viel Fernweh!



Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für den tollen Bericht. Hab den letzten Teil anscheinend verpasst. Das mit dem Wetter wäre auch meine größte Sorge, denn wenn es schüttet und alles vorgebucht ist, ist es halt auch nicht so toll. Mal schauen, ob es sich vielleicht nächstes Frühjahr kurzfristig ausgeht. Die Abendstimmung am Ende war jedenfalls fantastisch!

Schreibe ein Kommentar