Die Reise von Adelaide nach Melbourne markierte den letzten Abschnitt meiner Australien Tour im Dezember 2014. Lange hatte ich überlegt wie ich dieses letzte Teilstück meiner Reise zurücklegen sollte. Ein weiterer Inlandsflug kam für mich nämlich nicht in Frage, da zwischen den beiden Städten die weltberühmte Great Ocean Road liegt, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte.

So blieben eigentlich nur drei Optionen übrig: entweder ein Mietauto nehmen und selber fahren, den öffentlichen Bus nutzen oder mich erneut einer geführten Tour anschließen. Ein Mietauto hat natürlich den Vorteil, dass man unglaublich flexibel und unabhängig ist. Andererseits war ich alleine unterwegs und so hatte ich doch Bedenken, dass der Trip ziemlich langweilig werden könnte. Außerdem ist die Strecke doch ziemlich lang und kurvenreich und zudem herrscht in Australien natürlich Linksverkehr. Wollte ich mir das wirklich antun? Ich entschied mich ziemlich rasch dagegen, da ich den letzten Abschnitt meiner Reise eigentlich so stressfrei wie möglich gestalten wollte.

So blieben nur noch der öffentliche Bus oder eine Tour übrig und ich kam ziemlich rasch zu dem Entschluss, dass ich vermutlich mehr von der Gegend mitbekommen würde, wenn ich mich in die Obhut eines professionellen Tourguides begeben würde. Mein Reisebüro STA Travel empfahl mir die 3-tägige „Grampians and Great Ocean Road Tour“ vom Touranbieter Groovy Grape Tours und da ich im Internet schon darüber gelesen hatte, schlug ich sofort zu.

Tagwache um 7 Uhr Morgens

Um den Tag möglichst ausgiebig zu nutzen wurde ich wieder einmal um sieben Uhr in der Früh abgeholt. Nach dem großartigen aber auch anstrengenden Ausflug nach Kangaroo Island war das natürlich etwas mühsam und so schaute ich noch etwas verschlafen aus der Wäsche, als ich mich auf dem Weg zum Bus machte. Gefühlte 5 Sekunden später war ich allerdings hellwach, denn Tourguide Steve, der mich bereits an der Tür erwartete, war das, was man einen leibhaftigen Daueranimator nennen kann. Innerhalb der ersten fünf Minuten hatte er bereits geschätzte 100 Mal wiederholt wie „brilliant“, „hilarious“ und „amazing“ der Tag nicht war und ganz überhaupt erst werden würde. Steve, braungebrannt, Zahnpasta Lächeln und knallenges T-Shirt, wirkte ein bisschen wie eine Mischung aus Duracell Häschen auf Red Bull Überdosis und Animateur auf Extasy. Er plapperte die ganze Zeit und ohne Pause und versprühte dabei gute Laune ohne Ende. Wo man um diese Uhrzeit solche Energien hernehmen konnte war mir ein Rätsel, aber im Laufe der kommenden Tage sollte Steve beweisen, dass er wirklich zur jeder möglichen und unmöglichen Uhrzeit seine gute Laune behielt. Übrigens im folgenden Video könnt ihr ein Interview von Steve sehen und einen Eindruck von diesem durchgeknallten Typen bekommen.

Meet Your Guide – Uluru – Lost In Australia from Lost In Australia on Vimeo.

Sage mir, wie du isst, und ich sage dir, was du bist.

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Unsere kleine Reisegruppe

Da es sich um die erste Tour des Jahres handelte, war die Tourgruppe ziemlich übersichtlich. Sie bestand aus drei super netten deutschen Mädls, meiner Wenigkeit und eben unserem immer glücklichen und aufgedrehten Guide Steve. Natürlich gibt es auch für einen Tourguide mit Sicherheit schlimmeres, als mit vier netten Damen durch Australien zu düsen, aber Steve übertraf mit seiner Fürsorge und seinem Einsatz wirklich jede Erwartung. So waren wir zwar nur vier Leute auf der Tour, aber eingekauft hatte Steve offensichtlich für eine ganze Armee. Ich glaube seine größte Sorge auf diesem Ausflug war, ob wir alle genug zu essen hatten und generell gut versorgt waren. So bereitete er nicht nur dreimal am Tag ein herrliches Essen aus wirklich frischen und schmackhaften Zutaten, sondern versorgte uns auch während der Fahrt mit Obst, Gemüse und Müsliriegeln. „Carrots“, „Apple“, „Muesli Bar“?? Girls you need to eat and you need to eat healthy!“ bekamen wir in schöner Regelmäßigkeit auf der Fahrt zu hören.

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Gut versorgt von Steve beim Picknick

Kein Wunder also, dass unser erster Stop auf der Tour zu einer italienischen Bäckerei in Adelaide führte, wo wir uns mit Schoko-Croissants und Cappuccino eindeckten, um für die Weiterfahrt gerüstet zu sein. Der erste Abschnitt war tatsächlich etwas mühsam, denn es galt Adelaide schnell hinter uns zu lassen, um rechtzeitig im berühmten „The Grampians Nationalpark“ anzukommen, wo noch eine kleine Wanderung anstand. Unterbrochen wurde unsere zügige Fahrt – dreimal dürft ihr raten – nur durch einen ausgedehnten Stop zum Mittagessen. Genial in Australien: In fast jedem größeren öffentlichen Park gibt es Barbecue- und Picknick-Areas mit professionellen Grillern, Wasseranschlüssen und Tischen. Kaum vorstellbar für uns Europäer sind diese Einrichtungen – zumindest die ich mit eigenen Augen gesehen habe – auch sauber und gepflegt; es ist eine Selbstverständlichkeit für die Aussies, dass der Müll nach dem Aufenthalt entsorgt und die Einrichtung selbst gereinigt hinterlassen wird.

The Grampians Nationalpark- Mc Kenzie Falls

Mc Kenzie Falls mit Graufilter
Mc Kenzie Falls mit Graufilter

Am späteren Nachmittag kamen wir endlich bei den Mc Kenzie Falls an und hatten Gelegenheit uns ein wenig die Beine zu vertreten. Nachdem Besuch der spektakulären Wasserfälle wanderten wir neben einem kleinen Flüsschen durch ein hübsches Tal und genossen die Natur. Die Wanderung war nicht besonders anspruchsvoll, aber es tat gut nach der langen Autofahrt die Glieder zu strecken. Auf Grund der angenehmen Größe der Gruppe mussten wir uns auch nicht hetzen und ich hatte somit sogar Zeit einige Aufnahmen mit Graufilter zu machen, um diese Technik weiter zu perfektionieren. Wasserfälle sind nun mal einfach die besten Motive, um mit Graufiltern und Langzeitbelichtung bei Tageslicht zu experimentieren.

Am Ende der Wanderung trafen wir wieder auf Steve, der bereits am Parkplatz auf uns wartete. Während wir durch den Nationalpark spazierten hatte Steve nämlich noch mehr Vorräte für den Abend eingekauft. Als ob der Minibus nicht sowieso schon aus allen Nähten platzen würde, aber Steve’s größte Sorge galt ja wie bereits erwähnt unserem Ernährungszustand.

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Kängurus beim Abendessen

Vor dem Abendessen hatten wir dann noch die Möglichkeit, wilde Kängurus zu beobachten, die den lokalen Sportplatz als Abendbuffet nutzten. Nachdem wir uns sattgesehen und unsere Speicherkarten mit geschätzten 100 weiteren Fotos von Kängurus aus jeglichem Blickwinkel gefüllt hatten,  bezogen wir unser gemütliches Quartier in einem netten Guesthouse mit Garten, das wir an diesem Abend ganz für uns alleine hatten. Steve zauberte ein herrliches Abendessen und plauderte dabei aus dem Nähkästchen. Nicht einmal die lange Fahrt hatte es geschafft Steve müde zu machen oder seinen Redefluss einzudämmen. Der Kerl war einfach nicht zu bremsen. Nach dem Abendessen wussten wir also Bescheid, dass der nächste Tag „hilarious“, „brilliant“ und „absolutely amazing“ werden würde und dass wir Mädls ja sowieso so was von „wonderful“ waren und auch nur die allerbeste Behandlung verdienen würden.

Don’t worry, be happy oder wie man trotz tristem Wetter die gute Laune erhält

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Unser Garten am ersten Abend

Wundert es euch, dass Steve am nächsten Morgen mit heißer Schokolade auf der Matte stand? „G’d to seeeee yaaaa“ kreischte er bei unserem Anblick und drückte uns das warme Getränk in die Hand während er wieder anfing uns von dem absolut unglaublich tollen Tag zu erzählen der uns bevorstand. Ich schwöre euch, langsam war ich mir sicher, dass sich der Typ jeden Morgen etwas einwerfen würde- ein perfektes Testimonial für „always be happy“ Pillen… Oder er versuchte uns mit seiner überdrehten Art ganz gezielt vom bewölkten Himmel und den für den australischen Frühsommer empfindlich frischen Temperaturen abzulenken. Schließlich hatte Steve uns doch versprochen, dass wir die weltberühmten 12 Apostel, eine beeindruckende Gesteinsformation vor der Küste der Great Ocean Road, bei Sonnenuntergang beobachten würden können. Eine Prognose, die sich bei einem Blick aus dem Fenster eher nicht bewahrheiten sollte.

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Wanderung „The Pinnacles“

Aber genug des Grübelns, erst einmal stand eine weitere ausgedehnte Wanderung im Grampians Nationalpark zu dem berühmten Aussichtspunkt „The Pinnacle“ an, von wo aus man eine grandiose Aussicht über den Nationalpark und das angrenzende Tal hat. Nach dem ersten Teilstück der Wanderung ließ uns Steve wieder alleine weiterlaufen, denn er hatte mal wieder – verplant wie er war – irgendeine Zutat für das bevorstehende Mittagessen vergessen und fuhr während unserer Wanderung in den nächstgelegenen Supermarkt einkaufen. Schließlich würden wir ja sonst mit ziemlicher Sicherheit verhungern 😉

Great Ocean Road, Shipwreck Coast & 12 Apostel grau in grau

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Spaß trotz Wetterpech

Nach einem ausgedehnten Mittagessen und dem obligatorischen Kaffeestop (zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits herausgefunden, dass ein Geheimnis von Steve’s immerwährender Aufgedrehtheit doppelti Espressi waren) ging es zügig weiter Richtung Great Ocean Road, während der Himmel immer mehr zuzog und die Wolken immer tiefer hingen. Die weltberühmte Shipwreck Coast und die London Bridge präsentierten sich daher leider grau in grau aber Steve gab sein Bestes, die Stimmung zu verbessern und uns bei Laune zu halten. Mittlerweile froren wir auch ziemlich, denn es war auf Grund des Windes ziemlich frisch und soviel Gewand hat man dann auch wieder nicht dabei, wenn man im australischen Frühsommer auf Rundreise ist. Ich glaube diese Temperaturen hatte Anfang Dezember niemand von uns erwartet.

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Am Frieren bei den 12 Aposteln

Kein Wunder also auch, dass sich auch das Postkartenmotiv „12 Apostel“ in Nebel hüllte. Anstatt einen spektakulären Sonnenuntergang zu genießen, wie man ihn aus einschlägigen Reisemagazinen oder von Werbeplakaten kennt, froren wir uns bei gefühlten 10 Grad, eiskaltem Wind und Nebel die Hinterteile ab. Denn wenn die Temperaturen am Meer mal in den Keller fallen und dazu noch ein Wind aufzieht, kriecht dir die Kälte auf Grund der Feuchtigkeit ganz schön schnell in die Knochen. Da halfen nicht einmal die von Steve organisierten Pizzen und die Rotweinflaschen, die wir vernichteten, während wir darauf hofften, dass doch noch ein Sonnenstrahl hinter der Wolkendecke hervorblitzen würde. Natürlich waren wir ein bisschen enttäuscht, denn jeder wollte natürlich die Sonne hinter den 12 Apostel  Meer versinken sehen, aber das Wetter ist eben immer ein unberechenbarer Faktor auf Reisen.

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12 Apostel, Great Ocean Road

Immerhin hatten wir eine gute Zeit zusammen, ich konnte trotzallem ein paar gelungene Graufilteraufnahmen schießen und im Hostel gab es vom immer besorgten Steve zum Aufwärmen und zur allgemeinen Stimmungsaufhellung wieder eine große Tasse heiße Schokolade.

Auf Grund des Wetters fiel natürlich auch der geplante Strandausflug am nächsten Tag wortwörtlich ins Wasser und auch der (optional) mögliche Helikopterflug machte auf Grund der Wetterlage wenig Sinn. Steve bemühte sich um Ersatzprogramm, er führte uns zu einem Leuchtturm (Cape Otway Light Station), fuhr Straßenzüge ab die bekannt waren für Koala Sichtungen und stoppte an diversen Lookouts sowie einigen Kaffeehäusern. Der Vorteil einer kleinen Gruppe ist natürlich auch eine gewisse Flexibilität, was er ausnutzte um uns den Tag trotz des miesen Wetters so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

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Papageien Alarm in Kennett River

Im „Great Otway National Park“ machten wir noch eine letzte kleine Wanderung durch die sogenannte Ancient World, ein einfacher Rundwanderweg wo du gewaltige Baumriesen, Farne und satte Vegetation bewundern kannst. Im Anschluss gingen wir dann in dem kleinen Örtchen „Kennett River“ auf Tuchfühlung mit Papageien, Kakadus und Koalas. Hier kann man wirklich tolle Fotos mit den Tieren schießen, da sie ziemlich zahm und Besucher ganz offensichtlich gewöhnt sind, aber sieh dich vor, denn die Vögel machen auch ziemlich viel Dreck, im schlimmsten Fall während sie dabei auf deinem Kopf sitzen.

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Die berühmte Great Ocean Road

Nach einem letzten Fotostop bei der weltberühmten Einfahrt zur Great Ocean Road, die Straße wurde übrigens von Soldaten die aus dem ersten Weltkrieg heimgekehrt waren, in die Klippen gehauen, hieß es dann schon Abschied nehmen von der schönen Szenerie und es ging die letzten Kilometer auf der Autobahn Richtung Melbourne.

Melbourne markierte für mich das Ende meiner wunderschönen Reise. Drei Tage würde ich in der Metrople verbringen, ehe ich wieder den Flieger Richtung Heimat nehmen musste.

Was ich in Melbourne alles erlebte, wie es mir bei meinem ersten AirbnB Erlebnis ging und was du in dieser Stadt keinesfalls verpassen darfst, erzähle ich dir in einem meiner nächsten Artikel.

Fazit der Groovy Grape Tour

Mir hat die Tour wirklich sehr gut Gefallen. Wir hatten einen unglaublich ambitionierten Tourguide, der nicht nur mit Herzblut dabei war sondern uns in diesen drei Tagen auch wirklich viel gezeigt hat. Ich denke nicht, dass ich, speziell ohne entsprechende Vorbereitungszeit, auch nur annähernd soviel gesehen hätte, wenn ich alleine mit dem Auto unterwegs gewesen wäre. Klar war Steve’s überdrehte Art manchmal schon fast ein wenig anstrengend, aber man merkte einfach, dass er seine Job wirklich gerne macht und Freude daran hat jungen Reisenden sein Land zu zeigen. Natürlich trug auch der Umstand, dass wir nur 4 Leute in der Gruppe waren erheblich dazu bei, dass die Tour extrem personalisiert und flexibel gestaltet war. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass es in der Hochsaison etwas stressiger zugeht.

Die Tour kostet aktuell 425 Australische Doller (das sind ca. 290 €; Stand 12.8.2015) und du kannst sie direkt über die Webseite des Anbieters oder aber auch in dem Reisebüro deines Vertrauens buchen.

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Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

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