Russland ist selten am Radar des durchschnittlichen Reisejunkies: Aus Russland kommen der Winter, Panzer und Fake News, so das gängige Urteil. Meiner Meinung nach stammen diese Aussagen jedoch von Leuten, die noch nie mit Russen Vodka getrunken haben und sich am nächsten Tag auch noch daran erinnern konnten. Im Westen kursieren leider viele falsche Vorurteile über Russland: Eines lautet zum Beispiel, dass man sich beim Saufen „Na sdorowje“ zuprostet.

Meine letztjährige Baltikumreise führte mich kurz nach Russland, genauer gesagt nach St. Petersburg. Da St. Petersburg als westlichste Stadt Russland gilt, wird der Besuch dieser Metropole als erste Station in Russland empfohlen, um den Kulturschock möglichst gering zu halten.

Der Kulturschock ist natürlich auch in St. Petersburg noch da: Niemand spricht Englisch, die Fassaden bröckeln und das Klima ist rau. Die Stadt ist dennoch eine umwerfende Metropole und DIE Kulturhauptstadt des Landes. Ein gängiges russisches Sprichwort lautet: Wer schnell Kohle scheffeln will, geht nach Moskau, wer Kultur erleben will, der geht nach St. Petersburg.

Falls du dieses Sprichwort beherzigen und nach St. Petersburg reisen willst, solltest du zumindest eine halbe Woche einplanen: Alleine für das Kunstmuseum Hermitage kann man zwei Besichtigungstage einplanen. Immerhin ist dieses Kunstmuseum nach dem Pariser Louvre das zweitgrößte auf der Welt. Ebenfalls auf der To-Do-Liste sollte ein Besuch des russischen Versailles – des Peterhofs – stehen.

Die Stadt selbst ist sehr weitläufig, auch wenn du im Zentrum zu Fuß unterwegs sein kannst, die Entfernunge darfst du nicht unterschätzen: Die herausgeputzte Prachtstraße der Stadt, der Newskij-Prospekt, ist zum Beispiel 4,5 Kilometer lang. Zu Fuß bist du leicht mehr als eine Stunde zwischen zwei Orten im Zentrum unterwegs.

Zum Glück sind die Tickets für die Metro sehr günstig: Eine Fahrt kostet RUB 45, was im Moment (Juni 2018) nur 60 Euro-Cent ausmacht. Jeden Tag wird die Metro von 2 Millionen Menschen frequentiert, die Stationen sind im sowjetischen Barockstil gestaltet. Wie fast alle sowjetischen Metro-Systeme ist auch das St. Petersburger-Metrosystem sehr tief in die Erde gelegt worden. Die Station Admiralteyskaya (Адмиралте́йская) befindet sich zum Beispiel 86 Meter unter dem Boden.

St. Petersburg Metro
Das U-Bahnsystem in St. Petersburg liegt tief in der Erde

 

Wenn man auf die Straße tritt fällt auf, wie schnell und gestresst die Leute unterwegs sind. Ich selber sehe mich als schnellen Fußgänger, der normalerweise die anderen Leute auf der Straße überholt, in St. Petersburg wurde ich sogar von Frauen in High-Heels überholt. In Moskau soll das Gehsteig-Tempo sogar noch höher sein.

St. Petersburg Sehenswürdigkeiten – Top 6

1.Hermitage

Sehenswürdigkeiten St. Petersburg Hermitage
Außenansicht des riesigen Kunstmuseums Hermitage

Die Attraktion Nr. 1 der Stadt: Die Hermitage (Эрмитаж) ist das zweitgrößte Kunstmuseum der Welt. Es befindet sich im majestätischen Winterpalast (der ehemaligen Residenz des Zaren) und in mehreren Nebengebäuden. In der Gemäldegalerie findest du 60.000 Kunstwerke, unter anderem von Leonardo da Vinci, Rubens, Rembrandt, Goya & vielen anderen Künstlern, aber auch die Räumlichkeiten selbst sind ein Augenschmaus. Insgesamt können Besucher 350 Räume besuchen. Obwohl es möglich ist, das Museum in mehreren Stunden zu durchlaufen, benötigst du in Wirklichkeit eine Woche, um einen wirklich guten Eindruck zu bekommen.

2. Peterhof – Das russische Versaille

Sehenswürdigkeiten St. Petersburg Peterhof
Die Wasserspiele in den Gärten von Schloss Peterhof

Schloss Peterhof (Петергоф) ist das russische Versaille und liegt ungefähr eine Fahrstunde vom Stadtzentrum entfernt am finnischen Meeresbusen. Das Highlight der Anlage sind die Wasserspiele: Insgesamt schießen in der Parkanlage 2.000 Fontänen in die Höhe.

3. Brücken über der Newa

Sehenswürdigkeiten St. Petersburg Newa Brücken
Die Brücken über der Newa werden zum Klang von klassischer Musik hochgezogen

St. Petersburg liegt an der Newa. Dieser kurze 74 Kilometer lange Strom, verbindet den Ladogasee, den größten See Europas mit einer Fläche die fast so groß ist wie Slowenien, mit der Ostsee. In der Nacht werden die Brücken über der Newa hochgezogen, damit Schiffe zwischen Ladogasee und Ostsee passieren können. Begleitet wird dieser Vorgang von bombastischer klassischer Musik, während tausende Nachtschwärmer das Ufer säumen und sich betrinken.

Wenn die Brücken hochgezogen werden, solltest du sichergehen, auf der richtigen Seite der Stadt zu sein. Nach dem Hochziehen ist mehrere Stunden lang kein Direktverkehr zwischen den Stadtteilen möglich (beziehungsweise wäre eine Fahrt mit einem stundenlangen Umweg verbunden), spätestens wenn die Metro ihren Betrieb in der Nacht einstellt, bist du deshalb auf der jeweiligen Seite gefangen.

4. Bluterlöser-Kirche

Sehenswürdigkeiten St. Petersburg Bluterlöser Kirche
Im Vordergrund: Einer der vielen Kanäle, der die Stadt durchzieht. im Hintergrund: Die prächtige Bluterlöser-Kirche.

Die prächtigste Kathedrale der Stadt! Sie sieht der Basilius-Kathedrale am roten Platz in Moskau sehr ähnlich. Erbaut wurde sie von 1883 bis 1912 an der Stelle, an der Alexander II einem Attentat zum Opfer gefallen war. Auch das Innere der Kathedrale ist sehr sehenswert, für die Besichtigung muss jedoch Eintritt gezahlt werden.

5. Peter-und-Paul-Festung

Sehenswürdigkeiten St. Petersburg Festung
Die Peter und Paul Festung

Die weitläufige Festung nimmt eine eigene Insel in der Newa ein. Im Inneren der Festung befinden sich heute viele Museen, wie das Raumfahrtsmuseum oder das St. Petersburger Stadtmusem. Für Touristen am interessantesten ist sicher die Peter-und-Paul-Kathedrale, in der auch viele Mitglieder der Zarenfamilie begraben sind. Ebenfalls sehenswert ist der Gefängniskomplex: Die Festung galt als berüchtigstes Gefängnis des Zarenreichs und der Bolschewisten.

Ganz mutige können am Sandstrand außerhalb der Festung schwimmen gehen. Das ist offiziell wegen der Wasserqualität verboten, kümmert aber die meisten Russen nicht.

6. Weiße Nächte in St. Petersburg

St. Petersburg weiße Nächte
Naturphänomen Weiße Nächte in St. Petersburg

St. Petersburg ist die nördlichste Millionenstadt der Welt, weshalb im Sommer die Sonne nur kurz untergeht und es auch in der Nacht noch hell und dämmrig ist. Die Winter sind dafür sehr dunkel. Bekannt ist St. Petersburg für die weißen Nächte. Aufgrund dieses Naturphänomens ist es empfehlenswert, die Stadt im Zeitraum um die Sonnenwende zu besuchen.

St. Petersburg Zeitzone

Die Stadt liegt in der Moscow Standard Time (MSK). Im Sommer beträgt die Zeitverschiebung zu Deutschland, Österreich und der Schweiz 1 Stunde, im Winter jedoch 2 Stunden, weil Russland vor einigen Jahren die Zeitumstellung abgeschafft hat.

St. Petersburg beste Reisezeit

Reisezeit St. Petersburg
Die beste Reisezeit für St. Petersburg ist der Sommer

St. Petersburg ist weit weniger kalt als Moskau und kann deshalb auch im Winter besucht werden. Auf Temperaturen von minus 10 Grad musst du dich dennoch einstellen! Die Ostsee verhindert zwar, dass es im Winter zu kalt wird, sie kühlt jedoch auch im Sommer die Stadt ab. Selbst während meines Besuches im Mai war es ständig kühl und windig. Wirklich ideal für einen Besuch sind daher die Sommermonate. Aufgrund der weißen Nächte ist der Sommer auch die schönste Jahreszeit der Stadt.

St. Petersburg Anreise

Die Anreise ist per Flugzeug, Bus oder Fähre möglich.

  • St. Petersburg mit dem Bus erreichen

Es gibt gute Busverbindungen von Tallinn, die Fahrtzeit dauert circa 7 Stunden und die Preise fangen bei 10 Euro an. Ich fuhr diese Strecke mit dem Anbieter luxexpress.eu, der – wie der Name schon sagt – über sehr gut ausgestattete, komfortable Busse verfügt.

  • St. Petersburg Flughafen

Der Pulkovo Flughafen wird von den meisten deutschen Flughäfen (und von Wien) direkt angeflogen und liegt ungefähr 23 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Leider ist er recht schlecht an die Stadt angeschlossen, es gibt zum Beispiel keinen Express-Zug. Um in das Stadtzentrum zu kommen, ist es am billigsten, einen Bus zu nehmen und dann in die Metro umzusteigen:

Der Bus 39Ex fährt innerhalb von 20 Minuten zur Moskovskaya-Metro-Station. Von dort kannst du dann zu alle Orten der Stadt ansteuern.

St. Petersburg Visum

Wie du ein Visum für Russland beantragen kannst und was du alles beachten musst, erkläre ich dir in diesem Artikel:

Visum für Russland – So reist du in Putins Reich


Warst du schon einmal in St. Petersburg und hast noch weitere Tipps für unsere Leser? Wir freuen uns über deine Empfehlung in den Kommentaren!

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Autor

Reisejunkie, Autor, Solopreneur. Mag es, ungewöhnliche Orte zu entdecken und nach seinen eigenen Regeln zu leben.

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