Marrakesch, die rote Perle Afrikas, so genannt wegen ihrer roten Lehmhäuser, ist eine Stadt mit fast tausendjähriger Vergangenheit. In ihrer Geschichte war Marrakesch oft heiß umkämpft. Mehrere Jahrhunderte lang durfte sich die Stadt sogar als Königsstadt bezeichnen. Ein Titel den in Marokko sonst nur die Städte Fès, Meknès und Rabat beanspruchen können.

(Hier ist ein Inhaltsverzeichnis, damit du gleich zu den für dich interessanten Kapiteln navigieren kannst)

Um kaum ein Reiseziel wurde in den letzten Jahren ein solcher Rummel gemacht, wie um die rote Perle Afrikas.

Wie so viele Städte mit reicher historischer Vergangenheit, positionierte sich auch Marrakesch im 21. Jahrhundert als Touristenparadies. Mit viel Erfolg:

2019 schien es mir fast so, als ob es keinen deutschsprachigen Reiseblogger mehr gäbe, der nicht auf Instagram Bilder von beeindruckenden Gewürzpyramiden oder Selfies mit freundlich-lächelnden Marokkanern vor farbenfrohen Mosaikfliesen postete.

Marrakesch wirkt aus der Ferne wie der Erfüllungsort aller mitteleuropäischer Morgenland-Fantasien: Bunte Farben, elegante Gärten, wohlriechende Gewürze, freundliche Berber. Was will man mehr?

Außerdem gilt die Stadt als exotischster Ort, den Reiseholiker innerhalb von vier Flugstunden oder einem CO2-Verbrauch von weniger als einer 1 Tonne erreichen können, wenn wir bei dieser Betrachtung Städte wie Erbil im Irak oder Damaskus in Syrien mal außen vorlassen.

Aber zahlt sich ein Flug nach Marrakesch wirklich aus. Hält die Stadt, was die vielen Blogbeiträge und Instagramfotos versprechen?

Entführt dich ein Spaziergang in den Sūq tatsächlich in die Märchen von tausendundeiner Nacht, oder wachst du am Ende nicht eher im Alptraum von tausendundnochvielenmehr Scams auf?

Klar ist, dass Marrakesch polarisiert:

Hier in Marrakesch sind also all die hübschen Motive zu finden, über die man ständig auf Instagram stolpert. Man muss jeden einzelnen davon einfach mal gesehen haben. Entweder, um sich sofort zu verlieben oder um das Ganze als „been there, done that“ beruhigt abzuhaken. Auch kann man die Stadt nicht verlassen, ohne in den Souks gewesen zu sein. Dort feilscht man nach Herzenslust, um handgeflochtene Körbe, Teppiche und orientalische Teekannen zu erstehen. Man erkundet die verwinkelten Gassen der Medina und lässt sich überraschen, was hinter kunstvoll verzierten Holztoren wohl stecken mag. Es könnte eines der Riads sein, jedes davon eine märchenhafte Oase für sich – Jeanette Fuchs

Marrakech war intensiv und zwei ganze Tage haben völlig ausgereicht. Die Reizüberflutung hat mich derartig erschöpft, dass ich wirklich froh war, als es anschließend endlich in Richtung Wüste ging – Anna Laura Kummer

Was ich mir von einer Reise nach Marrakesch versprach, war 1001 – Nacht Romantik, unendlicher Farbzauber, Duftorgien im Basar und orientalische Rhythmen, wie ich sie bislang nirgendwo erlebt hatte… Seit meiner letzten städtischen Enttäuschung 2016 mit Lissabon, hat mich kürzlich keine Reise, kein Ort so sehr enttäuscht und fast schon genervt, wie Marrakesch – Anna von Annaway

Drei Blogbeiträge, zweieinhalb Meinungen. Welche davon am zutreffendsten ist? Das will ich mit dir in diesem Artikel erforschen.

Beste Reisezeit für Marrakesch (und Marokko)

Marrakesch liegt auf 450 Meter Seehöhe in einer Wüstenregion, ganz in der Nähe des mächtigen Atlasgebirges. Im Sommer weht hier der Wüstenwind Schirokko, der für Temperaturen jenseits der 40° Celsius sorgt. Auch im Winter erreichen die Tagestemperaturen regelmäßig mehr als 20°, wobei es in der Nacht durchaus kalt werden kann, auch wenn der Gefrierpunkt nur selten unterschritten wird.

Für Mitteleuropäer ist das Klima im Frühling und Herbst am angenehmsten, aber auch der Winter ist eine sehr behagliche Reisezeit. Du solltest jedoch Jacken und Pullover für die Nacht und die frischen Morgenstunden mitnehmen.

Liegt Marrakesch in der Sahara?

Zwar liegt Marrakesch in einer wüstenartigen Ebene, die Sahara fängt jedoch erst auf der anderen Seite der Berge an, wobei ich bisher noch keine Quelle finden konnte, die mir den offiziellen Beginn der Sahara mit Sicherheit nennen konnte. Im Internet wird der Beginn der Sahara oft mit den Dünenlandschaften von Merzouga und Erg Chebb gleichgesetzt, was jedoch nicht ganz korrekt ist, da die Sahara nur zu 20% aus Sandwüste besteht. Ob die Stadt Ouarzazate, die ich im Rahmen meines Urlaubs besuchte, schon offiziell zur Sahara gehört, konnte mir bisher ebenfalls noch keine Quelle nennen (oft wird die Gegend von Reiseunternehmen als Sahara-Grenzregion angegeben). Fakt ist: Die ersten Dünen sind von Marrakesch mit dem Auto 8 bis 9 Stunden entfernt.

Top Sehenswürdigkeiten in Marrakesch

Jemma al Fna

Der Jemma al Fna (Djemaa el Fna, جامع الفناء) ist das Herz der Stadt, doch wer den Platz das erste Mal besucht, könnte zu der Vermutung kommen, dass die Stadt schon bald an einem Herzinfarkt sterben wird:

Hier treffen sich Gaukler, Händler, Touristen, Schlangenbeschwörer, Saftverkäufer, Betrüger, Taschendiebe und Kriminelle. Gemeinsam ergibt diese Mischung eine einzigartige Mischung, die ich in dieser Form noch nirgendwo auf der Welt gesehen hatte.

Als ich das erste Mal über den Platz schlenderte, wurde es mir bald zu viel: Schlangenbeschwörer, die giftige Kobras als Stolperfallen auf den Boden platzierten. Tierquäler, die angeleinte Affen unbedarften Touristen auf die Schulter setzten. Aggressive Promotoren, die fast schon Gewalt anwendeten, um mich in ihre Restaurants zu zwingen. Motorräder, die, ohne zu bremsen, durch die Menschenmengen rasten.

Der Platz entwickelt für mich seinen Charme erst nach dem zweiten Besuch. Ich verstehe jedoch auch all die Menschen, die einfach keine Sympathie für diesen nach Schweiß, Garküchen und Diesel riechenden Menschenauflauf aufbauen können, denen dieser Platz immer fremd und vor allem gefährlich vorkommen wird.

Wenn du neu im Orient bist, lass dir mit dem Kennenlernen des Jemma al Fna Zeit. Besuche ihn nicht am Abend, sondern komme am frühen Nachmittag, am besten am Freitag, wenn viele Marokkaner in der Moschee sind. Dann ist der Jemma al Fna am ruhigsten, sodass du dich relativ ungestört umschauen und einen ersten Eindruck gewinnen kannst.

Gehe zu einem der Obststände und gönne dir einen frisch gepressten Multivitaminsaft, den du schon für wenige Dirham kaufen kannst. Lass dir deine Schuhe putzen. Gewöhne dich daran, Gaukler und Bettler abzuwimmeln. Wenn dir der Trubel schon am Freitagnachmittag zu viel ist, solltest du keinesfalls am Abend zurückkommen.

Sūq von Marrakesch

Neben der Jemma a lFna ist der Sūq das Zentrum Marrakesch. Als Sūq wird im Orient ein Markt bezeichnet, der sich jedoch nicht auf einen fest definierten Marktplatz beschränkt, wie in Europa, sondern die engen Gassen der Medina (alten Innenstadt) durchzieht. Traditionellerweise findet man im Sūq Handwerker, Juweliere oder Verkäufer von Lebensmittel, Gewürzen oder Tieren. In der modernen Zeit richten sich die Sūqs der Welt jedoch immer mehr an die Bedürfnisse der Touristen aus, während es die Einheimischen mehr und mehr in die Malls und Geschäfte am Stadtrand zieht.

Der Sūq von Marrakesch erstreckt sich über weite Teile der Medina der Stadt und ist einer der größten in der arabischen Welt. Marrakesch-Besuchern wird nahegelegt, sich zumindest einmal im Sūq zu verlaufen und um Waren zu feilschen. So manche Besucher kommen sogar nur für diese Zwecke in die Stadt: Sie kriegen hier ihren Kick, denn ein Spaziergang durch die Marktgassen führt unweigerlich zu einer Überforderung der Sinne:

Lärm, Menschenmassen und Motoradfahrer, die den Sūq für eine Schnellstraße halten.

Geruch von Safran, Arganöl, Schweiß, Fleisch und Benzin

Die Luft in den engen Gassen ist stickig und das Atmen fällt teils schwer. Doch wer sich unwohl fühlt, findet so schnell nicht wieder aus dem Gassengewirr heraus. Die Wege sind verwinkelt, der Verlauf folgt keiner sichtbaren Logik. Du gehst gerade in eine Richtung und stehst fünf Minuten später wieder am Ausgangspunkt.

Eine Offlinekarte von Marrakesch auf Google Maps herunterzuladen, ist der wichtigste Überlebenstipp, den ich dir geben kann, bevor du in die Gassen des Sūq aufbrichst.

Nur so kannst du im Sūq navigieren, ohne dich ständig zu verlaufen. Vorsicht! Orientierungslosigkeit macht dich zum leichten Opfer: Sobald du offensichtlich herumirrst, wirst du in Windeseile von einem hilfsbereiten Samariter angesprochen, der dir verspricht, dich wieder aus dem Irrgarten herauszubringen.

Es ist besser diese Angebote abzulehnen. Warum? Das erkläre ich im Abschnitt Scams in Marrakesch.

Ein Problem des modernen Sūqs ist, dass hauptsächlich Ramschwaren verscherbelt werden: Orientgefühle kommen beim Anblick von chinesischer Billigware nicht auf.

Der gentrifizierte Sūq

Dennoch hat inzwischen auch im Sūq von Marrakesch eine sichtbare Gentrifizierung stattgefunden. In den letzten Jahren wurden hunderte alte Riads (traditionelles marokkanisches Haus mit Innenhof) von Europäern aufgekauft, aufgefrischt und in Luxus-Boutiquehotels umgewandelt.

Le Jardin

Ich war sehr erfreut, Ruheoasen wie das Restaurant Le Jardin inmitten des Labyrinths zu finden, wo ich verschnaufen, frische Luft atmen und Minztee trinken konnte. So mancher Reisende mag über diese Gentrifizierung die Nase rümpfen und sich lieber dem authentischen Treiben in den Gassen aussetzen. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Ramschmärkte des modernen Sūqs genauso wenig mit dem klassischen Sūq der Vergangenheit zu tun haben, wie die gentrifizierten Riads. Authentizität findest du leider nicht an einem Ort, der gerade auf Instagram angesagt ist.

Restaurant Le Jardin 

Adresse: 32 Souk Jeld Sidi Abdelaziz, Marrakesh 40000, Marokko

Cafe Árabe

Adresse: 184 Rue Mouassine, Marrakesh 40000, Marokko

Feilschen im Sūq

Die meisten Waren im Suq sind Ramsch und nicht so hochwertig wie die hier abgebildeten Gewürze. (Diesen Laden kann ich aber echt weiterempfehlen: Herboristerie Palais El Badià, 22 Arset Iamaach Touareq jdad Marrakech)

In mehreren Blogartikeln sah ich den Hinweis, im Sūq nicht zu hart zu feilschen, da Marokko ein armes Land sei. Doch wer glaubt, beim Feilschen mit einem Marokkaner einen guten Preis aushandeln zu können, hat eine maßlos übertriebene Vorstellung seines Verhandlungsgeschickes.

Ein Marokkaner, der seit seiner frühen Kindheit im Sūq arbeitet, feilscht jeden Tag öfters mit Kunden als du in deinem gesamten Leben über irgendetwas verhandeln wirst.

Wenn Europäer einen Laden im Sūq betreten, ist das so als würde die Fußballnationalmannschaft von San Marino gegen Deutschland spielen. Alles, was sie beim Feilschen erreichen können, ist Schadensbegrenzung: Statt 0:13 vielleicht nur 1:4 verlieren, aber unterliegen werden sie sicher.

Das bemerkte ich, als ich mir im Sūq eine Teekanne kaufte und sehr erfreut war, den Preis nach harter Verhandlung um fast zwei Drittel drücken zu können. Als ich dann ein paar Tage später, nachdem ich schon in meiner Heimat zurückgekehrt war, die Kanne einweihen wollte, und mir Minztee zubereitete, bemerkte ich, warum mir der Verkäufer beim Preis so schnell entgegenkam: Die Kanne war leck und der Tee rannte auf meinem Schreibtisch aus.

Manchen Leuten macht das Feilschen Spaß. Ihnen ist es egal, ob sie übers Ohr gezogen werde. Für sie zählt der Spaß an der Sache und sie nehmen das Ergebnis nicht zu wichtig. Ich denke, dass Menschen mit einer solchen unbekümmerten Einstellung eine leichtere Zeit in Marrakesch haben werden.

Feilschen ist nichts für Misanthropen und sollte immer mit einem Lächeln im Gesicht durchgeführt werden. Nimm das Verhandeln nicht zu ernst, lache den Verkäufer aus, wenn er dir seinen überzogenen Erstpreis nennt, genieße den überzuckerten Minztee, den er dir andrehen wird, und ignoriere seinen gespielten Wutanfall, wenn du den Laden am Ende mit leeren Händen verlässt (aber ein paar Münzen für den Tee, darfst du schon da lassen).

Anima Garten – Le retour du paradis

Als europäischer Künstler in Marrakesch einen Garten anzulegen, scheint immer mehr in Mode zu kommen. Den Anfang machte der Jardin de Majorelle des Malers Jacques Majorelle, 2010 legte der österreichischen Universalkünstler André Heller nach und begann damit, das Gartenparadies Anima anzulegen

Der zentral gelegene Jardin de Majorelle ächzt inzwischen schon unter den Touristenmassen, sodass es kaum mehr möglich ist, ohne langer Warterei hineinzukommen. Viel angenehmer geht es in Hellers zurückgekehrten Paradies zu, dessen Motto nicht ohne Grund “Le retour du paradis” lautet.

Ein Grund für die Ruhe ist, dass Anima fast 40 Autominuten vom Stadtzentrum entfernt liegt. Eine Reise, die nicht viele Touristen auf sich nehmen.

Zu deinem Glück pendelt ein kostenloser Shuttlebus zum Garten, sodass du nicht auf den unverlässlichen öffentlichen Verkehr, Taxis oder einen Mietwagen vertrauen musst (mit dem Auto durch die Straßen Marrakesch zu fahren, gleicht für ungeübte Autofahrer einem Himmelfahrtskommando).


Die Haltestelle des Busses hinter der Koutoubia-Moschee sollte man sich vorher auf Google Maps markieren, da sie vor Ort nicht mit einem Schild gekennzeichnet ist, und auch die meisten Marokkaner bei der Suche nicht weiterhelfen können.

Schau dir unbedingt die Abfahrtszeiten des Shuttles vor der Abfahrt an: In der Regel kommt der Bus alle 40 Minuten, in den Sommermonaten pendelt er jedoch nur zweimal am Tag zwischen Stadt und Park hin und her. Es ist nicht immer leicht einen Sitzplatz zu ergattern, deswegen solltest du das Ticket für den Garten schon vorher kaufen, damit du bei der Sitzplatzvergabe bevorzugt wirst.

Schaut nicht aus wie ein Park, der erst vor 5 Jahren eröffnet hat?

Heller wollte ein Werk für die Ewigkeit errichten, aber auch noch zu Lebzeiten etwas von seinem Paradies erleben. Deshalb brachte er ausgewachsene Palmen, Bäume, Kakteen und Blumen in den Park, sodass es heute so wirkt, als ob es hier schon seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar seit den Zeiten der Saadier, einen Park gäbe. Tatsächlich gab es hier vor 10 Jahren bloß eine Rosenfarm, die den Boden auslaugte und für die Landwirtschaft unfruchtbar machte.

Heute ist der Park ein kleines Paradies, in dem es an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken gibt. Exotische Früchte, bunte Farben, fremde Gerüche. Anima ist Wellness für die Sinne und der perfekte Platz zum Entspannen, wenn man Ruhe vom turbulenten Marrakesch braucht.

Sehenswürdigkeiten in Marrakesch, die du nicht gesehen haben musst:

Saadier-Gräber

Die Saadier herrschten von 1549 bis 1664 in Marokko und wurden in diesem Mausoleum beigesetzt. Offenbar hatten sie sich während ihrer Herrschaft nicht nur Freunde gemacht, denn der Alawiden-Sultan Mulai Ismail, der auch den Beinamen “Der Blutdürstige” trug, beschloss die Gräber mit einer hohen Mauer zu umgeben, um die Saadier für immer vergessen zu machen. Doch Geschichte hat einen langen Atem: 1917 wurden die Gräber zufällig wiederentdeckt und seither gelten sie als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

In Wirklichkeit ist das Spektakulärste an diesen Gräbern ihre Langweiligkeit: Wer die 70 Dirham Eintritt gezahlt hat, kommt in einen schmucklosen von Stampflehm-Mauern umgebenen Innenhof, der an Omas Vorgarten erinnert.

Hier gibt es einige Grabsteine zu besichtigen, es fehlt jedoch an Informationen, welche Saadier hier begraben wurden und warum die Gräber so lange in Vergessenheit gerieten.

Hauptattraktion ist der Saal der zwölf Säulen: Dieser ist durchaus sehenswert, aber um einen kurzen Blick zu erhaschen, muss man sich an das Ende einer langen Schlange stellen. In meinen Fall dauerte die Warterei mehr als vierzig Minuten. Eine Zeitspanne, die du in Marrakesch sicher besser investieren kannst.

Sehenswürdigkeiten, die ich nicht gesehen habe

Jardin de Majorelle

Schlange vor dem Jardin de Majorelle

Jacques Majorelle war ein französischer Landschaftsmaler, der in Marokko lebte, wo er seinen Orientfetisch auslebte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann er außerhalb der Medina die Anlage eines Gartens, der die Grundlage des heutigen 4000 m² großen Parks bildete. Nach seinem Tod verwilderte die Anlage für einige Zeit und wurde erst im Jahr 1980 vom Modeschöpfer und Yves Saint-Laurent und seinem späteren Ehemann Pierre Bergé aufgekauft.

Heute ist der Park eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Leider so beliebt, dass sich jeden Tag hunderte Meter lange Schlangen vor den Toren des Gartens bilden.

Ich hatte beim Anblick der wartenden Menge keine Lust mehr, das Innere des Parks zu erblicken, und genoss stattdessen ein überteuertes Eis in einem Cafe an der Rue Yves St. Laurent.

Um in den Park hereinzukommen, empfiehlt es sich anscheinend, das Ticket schon im Vorhinein zu kaufen, aber auch dann muss man lange in der Schlange warten.

Bahia Palast

Ich stand vor der Entscheidung mit den Bahia Palast oder die Saadier-Gräber anzusehen und entschied mich für die Besichtigung der Gräber. Dass mich die Gräber nicht beeindruckten, tat ich hier schon kund, ob mir der Bahia Palast besser gefallen hätte, bleibt wohl bis zu meinem nächsten Besuch ein Rätsel. Tatsache ist, dass der Palast auf Google eine höhere Bewertung hat (4.3 Sterne im Vergleich zu 4.0 Sterne).

Erbauen ließ ihn der Großwesir Bar Ahmed im 19. Jahrhundert, der die Absicht hatte den größten Palast seiner Zeit zu bauen, auch um genügend Platz für seinen üppigen Harem zu schaffen. Das Ziel die größte Palastanlage zu schaffen, wurde nicht ganz erreicht, dennoch scheint die Anlage (laut den Fotos) sehr sehenswert zu sein.

Ausflüge in der Umgebung

Tour nach Ouarzazate und Aït-Ben-Haddou

Die Lehmhäuser von Aït-Ben-Haddou, im Hintergrund die schneebedeckten Viertausender des Atlas

Die Tour führt über das Atlasgebirge zu den beiden Beduinenstädten Ouarzazate und Aït-Ben-Haddou. Am beeindruckendsten an der Tour sind nicht die beiden Städte, sondern die hohen Berge des Atlas, die hier mehr als viertausend Meter in den Himmel reichen und im Winter mit Schnee bedeckt sind.

Auch Aït-Ben-Haddou ist eine sehr fotogene Beduinenstadt, die aus eng aneinander gebauten Stampflehmhäusern besteht, die auf einem Felsen ruhen. Früher kontrollierten die stolzen Berber, die in diesem kargen Land schon seit Jahrtausenden leben, den Karawanenhandel zwischen Timbuktu und Marrakesch. Heute vergrößert sich ihr Reichtum durch Buskarawanen, die kontinuierlich neue Touristen zu diesem UNESCO-Weltkulturerbe karren.

Die Stadt ist vielen Leuten auch als Filmkulisse bekannt: So war Aït-Ben-Haddou unter anderem Kulisse für einige Szenen von Lawrence von Arabien (1962), Gladiator (2000) und Game of Thrones (2012).

Gleich in der Nähe befindet sich die Stadt Ouarzazate, die auch das Wirtschaftszentrum der Region ist. So arm wie das Land an Vegetation ist, so arm ist die Stadt an Sehenswürdigkeiten, das einzige monumentale Gebäude Ouarzazates ist die Festung (Kasbah) der Stadt. Interessanter sind die Atlas Corporation Studios, die größten Filmstudios Nordafrikas (Mollywood). Wenn im Kino Bibel- und Monumentalverfilmungen zu sehen sind, kannst du sicher sein, dass sie hier im südwestlichen Marokko gedreht wurden.

Tour nach Essaouira

Die Küstenstadt Essaouira ist 175 km (Luftlinie) von Marrakesch entfernt und kann im Rahmen eines Tagesausflugs besichtigt werden. Diese Stadt wurde schon in der Antike von den Phöniziern gegründet und war lange Zeit der wichtigste Hafen Marokkos. In den 60er Jahren wurde Essaouira zum Treffpunkt der Hippies dieser Zeit. Auch Jimi Hendrix hielt sich hier eine Zeit lang auf.

Tour nach Merzouga und Erg Chebb


Wer mehrere Tage Zeit hat, sollte nach Merzouga und der Dünenlandschaft Erg Chebb fahren. Für diesen Trip solltest du aber mindestens 3 Tage einplanen. Die Wüsten Marokkos sind größtenteils Kieswüsten, hier in Erg Chebb gibt es jedoch eine echte Sandwüste mit mächtigen Dünen, die bis zu 150 Meter hoch werden können.

Tour zum Jbel Toubkal und wandern im Atlasgebirge

Der Jbel Toubkal ist der höchste Berg Marokkos und sogar ganz Nordafrikas. Von Marrakesch aus werden zweitägige Bergwanderungstouren zum Berg angeboten. Angeblich ist der Toubkal leicht zu besteigen, wer es sich zutraut, kann seinen Gipfel erklimmen und Höhenluft schnuppern. Alle anderen können einfach die im Vergleich zu Marrakesch sehr frische und saubere Luft der Atlasberge genießen.

Regeln und Tipps für Reisen nach Marokko

Keine Drohnen mitnehmen

Drohnen dürfen in Marokko nur mit einer Sondergenehmigung der Regierung verwendet werden. Wer mit Drohne und ohne Genehmigung erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe sowie der Beschlagnahmung des Geräts rechnen.

Kein Geld mitnehmen: (falsch)

Ich las nach meiner Reise in einem Reiseblog, dass es nicht erlaubt sei, Euros nach Marrakesch mitzunehmen. Wie blöd, dass ich bei meiner Reise zuvor mehrere hundert Euro in der Geldbörse dabeihatte.

Eine kurze Recherche klärte jedoch auf: Es ist überhaupt kein Problem ausländisches Geld mitzunehmen (ab einem Betrag von 100.000 Dirham muss es deklariert werden). Nach marokkanischer Rechtsprechung ist es aber illegal, marokkanisches Geld (Dirham, درهم) nach Marokko einzuführen. Das soll der Geldwäsche vorbeugen und betrifft dummerweise auch Kleinstbeträge.

Offenbar wird es aber toleriert, kleine Summen von bis zu 1000 Dirham mitzunehmen, und in der Regel wird man bei der Einreise auch nicht nach Geld kontrolliert. Wer auf der sicheren Seite bleiben will, reist ohne marokkanisches Geld ins Land. Wer noch kleine Mengen vom letzten Marokko-Urlaub besitzt, kann diese trotzdem ohne Kopfzerbrechen einstecken, um zum Beispiel den Bus für die Fahrt ins Zentrum zu bezahlen.

Menschen fotografieren

In der islamischen Welt gibt es ein Bilderverbot, weshalb es manche Marokkaner nicht gerne sehen, von Touristen fotografiert zu werden: So sieht man im Sūq oft Bilder mit der Aufschrift “No Photos”.

Das ist zumindest die offizielle Begründung. nach meiner Vermutung hat diese Ablehnung in vielen Fällen aber eher säkulare Gründe, denn Geld für Fotos zu verlangen, ist eine nie enden wollende Geldquelle. Wer als Tourist Fotos macht, ohne etwas zu kaufen, wird schnell darauf aufmerksam gemacht, dass das Bildmotiv nicht kostenlos ist. Durchaus zu Recht: Auch in anderen Ländern finde ich es sehr unsympathisch, wenn Fotografen Porträt-Bilder von Leuten aufnehmen, ohne um Erlaubnis zu fragen.

Während meines Aufenthalts war es nie ein Problem, Menschen und Waren zu fotografieren, nachdem ich in einem Laden etwas gekauft hatte (oder abgezockt wurde).  Auch im Sūq oder auf dem Jemma al Fna konnte ich Fotos machen, ohne einen Obolus zu entrichten. Ich vermied es aber, auf einzelne Personen zu fokussieren.

Essen und Trinken in Marrakesch

Die Nordafrikanische Küche hat einen sehr guten Ruf, vor allem weil die Speisen stark gewürzt werden. Kreuzkümmel, Muskat, Zimt, Safran, Pfefferminze, Nanaminze oder Koriander sind nur einige der vielfältigen Gewürze, die von marokkanischen Hausfrauen beim Kochen verwendet werden. Typische Speisen sind:

  1. Tajine. Das sind Speisen, die im gleichnamigen Lehmkochtopf zubereitet werden, meistens geschmorrtes Fleisch und Gemüse.
  2. Couscous. Anders als der Instant-Couscous aus den Supermärkten wird der Couscous in Nordafrika nicht in fünf Minuten aufgekocht, sondern über kochendem Wasser in einer aufwendigen Prozedur gedämpft. Süßer Couscous wird ebenfalls als süße Nachspeise angeboten.
  3. Briouats. Teigtaschen, die mit Fleisch, Gemüse oder Käse gefüllt werden.

Restauranttipp:

Streetfood (Name unbekannt), Rue Tariq Bnou Ziad, Marrakech 40000, Marokko (zwischen Boulevard Mohamed Zerktouni und Rue de la Liberté)

Familiengeführter Frühstücksimbiss, der sich auf traditionelle Fladen und leckeres Brot spezialisiert hat. Den Imbiss unbedingt mit frischgepressten Orangensaft genießen.

Al Bahriya Seafood Restaurant, 75 Bis Av. Moulay Rachid, Guéliz, Marrakesch 40000,

Fische und Meeresfrüchte in der Wüste. Anfangs sehr skeptisch konnte mich dieses Restaurant am Ende doch überzeugen (obwohl ich ein großer Seefood-Banause bin). Vermutlich das beste Fischrestaurant der Stadt.

www.al-bahriya.com

Marrakesch und Alkohol

“We don’t drink, we smoke Hash” erklärte mir der freundliche Sūq-Verkäufer. Erst später begriff ich, dass er mir Cannabis verkaufen wollte. Es versteht sich von selbst, dass man im Ausland bei solchen Angeboten nicht zugreifen sollte, vor allem weil Haschisch in Marokko illegal ist, auch wenn man es überall kaufen kann und das Land der größte Cannabisexporteur für europäische Kiffer ist.

Tatsache ist, dass der Verkäufer recht damit hatte, dass es in Marokko heute keine Alkoholkultur gibt. Doch das war nicht immer so: Wein wurde in Marokko schon vor mehr als zweitausend Jahren angebaut. Den Anfang machten die Phönizier, später florierte die Weinproduktion unter den Römern. Nach der Islamisierung war das Land für mehrere hundert Jahre “trocken”. Erst Ende des 19. Jahrhunderts pflanzten französische Siedler wieder Weinreben an, doch dieser Wiederbelebung endete rasch nach der Unabhängigkeit des Königreichs in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Erst vor wenigen Jahren wurde der Weinanbau wieder aufgenommen, auch um Exportgüter für den Weltmarkt zu produzieren. Heute gilt Marokko als größter Weinproduzent in der islamischen Welt: Die Flaschen werden hauptsächlich exportiert, an Touristen im Land verkauft oder heimlich von alkophilen Marokkaner geschlürft.

Wein im Supermarkt zu kaufen, stellt Touristen vor keine große Schwierigkeit, weil die größeren Supermärkte oft eine eigene Alkoholabteilung besitzen. Kleinere Kioske haben meistens keine Alkohollizenz, es gibt jedoch spezielle Liquor Stores, die sich um das Wohlbefinden der ungläubigen Touristen kümmern.

Wenn du dein Abendessen im Restaurant gerne mit einem Glas Wein begleiten willst, wirst du in Marrakesch nicht ganz auf deine Kosten kommen, weil nur wenige Restaurants alkoholische Getränke anbieten. Zwar werden auf den Getränkekarten oft Cocktails wie Mojitos oder Caipirinhas angepriesen, aber leider handelt es sich dabei meist um die jungfräulichen Varianten ohne Alkohol.

Wer ein Glas Wein trinken will, muss die entsprechenden Lokalitäten gezielt suchen. Angeblich wird Wein im Café Arabe in der Medina ausgeschenkt, aber da ich dort nie verkehrte, kann ich das nicht bestätigen. Ein Geheimtipp ist das Baromètre Marrakech in der Rue Moulay Ali, wo ich den Silvesterabend verbrachte. Hier gibt es ein reichhaltiges Angebot an leckeren Cocktails mit Alkohol und französische Weinen. Laut den Rezensionen ist im Baromètre auch das Essen auf Topniveau.

Empfehlung:

Baromètre Marrakech, Rue Moulay Ali, Marrakesh 40000, Marokko

Marrakesch und Shishas

Hanf wird in Marrakesch an jeder Ecke verkauft, schwieriger ist es eine gute Shisha-Bar zu finden. Das mag so manche überraschen, da Shishas doch als typisch für den Nahen Osten und Nordafrika gelten. Tatsächlich liegt der Ursprung der Wasserpfeifer in Indien und verbreitete sich von dort über Persien in die Türkei und den arabischen Raum. In Marokko dürfte das Shisha-Rauchen jedoch eher eine neue Entwicklung sein. Auch scheint die Polizei in Marokko gegen Shisha-Lokale vorzugehen, da sie angeblich als Ort zum Haschischrauchen genutzt werden.

Abgesehen davon, dass kaum ein Lokal in Marrakesch Shishas im Angebot hatte, waren die verfügbaren Wasserpfeifen allesamt ähnlich teuer wie in Mitteleuropa. Angeblich gibt es einige gute Shishabars, mir sind sie jedoch nicht untergekommen. Wer seinen Urlaub mit Wasserpfeifenrauchen verbinden will, sollte deshalb eher die klassischen Shisha-Länder wie Ägypten oder die Türkei besuchen.

Ist Marrakesch sicher? (auch für Frauen)

Die Sicherheit eines Ortes als ortsunkundiger Reisender zu beurteilen, ist keine leichte Sache. Selbst in Städten mit hoher Kriminalität konzentrieren sich die Verbrechen auf einige wenige Orte und finden meistens zu bestimmten Uhrzeiten (Crime Time) statt. Wer sich auf den richtigen Straßen bewegt, mag von einem Ort einen sehr sicheren Eindruck bekommen, während der nächste Reisende zufällig die falsche Abzweigung nimmt, am Crime-Hotspot landet und dort seiner Brieftasche entledigt wird. Auch ist es unmöglich als Mann die Sicherheit eines Orts für alleinreisende Frauen zu beurteilen.

Daher kann ich hier nur einen sehr subjektiven Eindruck, garniert mit ein paar Statistiken, wiedergeben

Die Webseite riads-marrakesch.de behauptet:

Grundsätzlich ist Kriminalität in Marokko ein kleineres Problem als in Deutschland. Das betrifft sowohl die Schwere als auch die Häufigkeit von Delikten.

Das ist offensichtlich nicht ganz richtig und kann mit einem Blick auf die Statistik widerlegt werden. Demnach ist Marokko ein Medium-Crime-Country, gefährlicher als Mitteleuropa, aber kein Crime-Hotspot. Außerdem hat Marokko eine durchschnittliche Mordrate von rund 2,1 vorsätzlichen Tötungsdelikt je 100.000 Einwohner. Das ist ungefähr dreimal so viel wie in Österreich, aber noch immer deutlich weniger als in Lateinamerika oder den USA (5,3 vorsätzlichen Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner).

Demnach muss wohl niemand in Marokko um Leib und Leben fürchten, solange er sich nicht mit der organisierten Kriminalität anlegt, was ich in keinem Land empfehlen würde.

Höher ist die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Taschendiebstahls oder eines teuren Scams zu werden: Als marokkanisches Touristenzentrum lockt die Stadt nicht nur ehrbare Arbeiter, sondern auch anrüchige Glücksritter an, die es mit der Moral nicht allzu ernst meinen. Ich bin hier schon darauf eingegangen, dass das Feilschen allgegenwärtig ist, und du bei diesem Spiel mit Sicherheit unterliegen wirst. Doch mit diesem kleinen Betrug rechnet man an diesem Ort und am Ende der Reise hat ihn so mancher Reisende sogar ins Herz geschlossen (für wenige ist er auch ein Grund zurückzukommen).

Störender ist der schwere Betrug, der manchmal einem Raub nicht unähnlich ist, auf den ich im folgenden Abschnitt eingehen werden.

Marokkaner sind größtenteils freundliche und gastfreundliche Leute, doch aufgrund der Touristenmassen konzentrieren sich im Sūq diejenigen Elemente der Gesellschaft, die auf das schnelle Geld aus sind und sich nicht darum kümmern, wie schlecht sie ihr Land im Ausland präsentieren. Zu deiner Beruhigung: Selbst Marokkaner und andere Nordafrikaner werden hier abgezockt.

Die 5 nervigsten Touristen Scams in Marrakesch

Das Abzocken von Touristen gehört zu Marrakesch wie die rote Farbe der Lehmhäuser. Es ist fast unausweichlich, früher oder später in Marrakesch einem Scam zum Opfer zu fallen. Bleibe dennoch gelassen, wenn du bemerkst, dass du Opfer einer Abzocke wurdest.

Manche Abzocker könnte man am ehesten als Straßenkünstler bezeichnen, die einfach eine tolle Performance abliefern, denen man das Geld freiwillig in die Hand drücken würde, selbst wenn man den Schwindel bemerkt. Du musst dir jedoch nicht von plumpen Abzockern, das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Ein Abzocker muss zeigen, dass er seine Kunst beherrscht, ansonsten hat er dein Geld nicht verdient.

Im Folgenden stelle ich dir einige häufige Scams vor, die dir im Sūq und der Medina begegnen werden. Mit diesem Wissen solltest du die meisten Abzocken erkennen und vermeiden können. Gegen die wirklich ausgereiften Scams kannst du dich jedoch kaum wehren, auch weil du sie häufig erst bemerkst, wenn du wieder zurück in der Heimat bist.

Der barmherzige Samariter

Am ersten Tag meines Marrakesch-Besuchs schlenderte ich mit meiner Freundin durch die Medina. Wir waren gerade dem stressigen Jemma Al Fen entkommen und suchten nach einem Restaurant für unser Abendessen. Das erkannte ein freundlicher junger Mann: I will show you the best restaurant. It is around the corner. Promise me, promise me…

Wir folgten gehorsam, doch als wir um die erste Ecke bogen und noch immer kein Restaurant in Sichtweite war, stoppten wir. Unser neuer Freund beschwichtigte uns mit Händen und Füßen, dass das Lokal nicht weit weg sei. Ein anderer Mann kam zufällig vorbei und bestätigte ebenfalls, dass wir gleich ankommen würden.

“Promise me, promise me…”

Ich packte meine Freundin bei den Armen und kehrte um.

Wir wären fast Opfer der klassischsten Betrugsmaschen in Marrakesch geworden: Touristen verirren sich im Sūq, daraufhin werden sie von ortskundigen Einheimischen zum Zielort gebracht. Dort stellt sich jedoch heraus, dass der Führer nicht nur altruistische Absichten hatte. Wer kein (stattliches) Trinkgeld bezahlt, wird in Windeseile von einer Traube wütender Männer umringt. Es gibt einige Berichte von Touristen, die in einer solchen Situation ihr gesamtes Geld abtreten mussten. So manche würden dafür das Wort Raub benutzen, aber das hört man in Marrakesch nicht gerne…

Als wir ein paar Tage später am Weg zum Fotomuseum “Maison de la photographie” waren, konnte ich dank Google Maps relativ zielsicher dorthin navigieren. Als wir nur noch wenige Abzweigungen vom Museum entfernt waren, sprach uns plötzlich ein Mann an:

“The museum is this way”. Dabei zeigte er genau in die falsche Richtung. Vermutlich hätte uns sehr lange im Kreis herumgeführt und dann vor dem Museum ein stattliches Trinkgeld verlangt.

Die Henna-Xanthippen

Henna ist ein wichtiger Bestandteil der marokkanischen Berber-Kultur. Dabei handelt es sich um einen Farbstoff, der aus dem gleichnamigen Hennastrauch gewonnen wird. Henna wird zum Färben der Haare aber auch zum Bemalen der Hände und Gesichter verwendet (Henna-Tattoos).

Für viele Touristen ist es verlockend, sich auf der Reise durch das Königreich ein Tattoo malen zu lassen. Immerhin ist es ein tolles Motiv für Instagram, ohne gleich für alle Ewigkeit die Hand zu verzieren, da die Farben nach ein bis zwei Wochen wieder verblassen.

Diesen Touristenwünschen kommen die Henna-Frauen am Jenna al Fna schneller nach als es den potenziellen Opfern lieb ist. Wer gedankenverloren über den Platz schlendert, wird früher oder später von einer älteren Frau angesprochen. Ihr geht es jedoch nicht um eine freundliche Plauderei, vielmehr will sie deine Hand schnappen und sofort mit Henna bemalen.

Spätestens wenn die erste Farbe auf deine Hand spritzt, musst du weglaufen. Sonst hast du innerhalb weniger Augenblicke ein fertiges Tattoo am Handrücken picken. Es versteht sich von selbst, dass diese ungefragt angefertigten Tattoos alles andere als toll aussehen. Leider müssen sie trotzdem bezahlt werden und Rabatt wird selbstverständlich nicht gegeben, denn wer mit dem Hergeben des Geldes zögert, wird sofort von einem schreienden und tobenden Rudel alter Frauen umrundet.

Schlangenbeschwörer, Affen und andere Tiere

Der Jemma al Fna ist auch ein Ort von Tierzurschaustellung.

In einer Ecke des Platzes sitzen die Schlangenbeschwörer. Vor ihnen am Boden liegen mehrere giftige Schlangen. Kobras. Genauer gesagt ägyptische Kobras, die zehnmal so giftig wie ihre indischen Verwandten sind. Angeblich wurden ihre Giftzähne entfernt, doch ich wäre mir da nicht so sicher, bei mindestens einer Kobra konnte ich die giftigen Fangzähne sehen.

Die Schlangenbeschwörer sitzen im Schneidersitz vor ihren Tieren und beschwören die Schlangen scheinbar mit einer Flöte oder Trommel. Dabei bewegt sich die Giftnatter rhythmisch zur Melodie. Es soll der Eindruck entstehen, dass das Tier zur Melodie tanzt, aber in Wirklichkeit bewegt sich nicht die Kobra zur Musik: Da Schlangen keinen Luftschall wahrnehmen können, passt vielmehr der Schlangenbeschwörer seine Musik an die Tanzbewegung der Schlange an.

Die Schlange reagiert bloß auf die Form und Bewegung der Flöte, die sie zugleich an eine Beute, einen Konkurrenten und einen Balzpartner erinnert.

Dadurch kommt es im Gehirn der Schlange zu einer Reizüberflutung: Sie weiß nicht, ob sie angreifen, fliehen oder Beischlaf ausüben soll, weshalb sie in ihrer wippenden Drohstellung verbleibt, den Hals spreizt und ihren Kopf rhythmisch hin und her bewegt.

Schlangenbeschwörer sind die bekanntesten Gaukler des Morgenlands. Wie alle Unterhaltungskünstler wollen sie eine Spende für ihre Show bekommen. Das merkst du spätestens, wenn du die Szenerie fotografierst und sofort um einen Obolus gebeten wirst. In vielen Fällen legen dir die Beschwörer die Schlangen gleich um deinen Hals und bitten deine Begleiter um ein Foto.

Tierschützer kritisieren diese Zurschaustellung der Kobras: Angeblich überleben die Tiere den Stress am Jemma al Fna nur wenige Wochen lang, während sie in der freien Wildbahn mehr als zwanzig Jahre alt werden können. Die Schlangenbeschwörer behaupten hingegen, dass es den Tieren sehr gut gehe, und die Kobras durchaus mehrere Jahre im Dienst bleiben.

Es fällt mir schwer, einzuschätzen, wie tierquälerisch die Schlangenbeschwörung wirklich ist, ob es eine Tradition ist, die ihre Bewahrung verdient hat, oder einfach aufgrund der Tierquälerei schon längstens aus der modernen Zeit gefallen ist.

Definitiv grausam ist das Schicksal der Affen auf dem Jemma al Fna. Wobei es möglich ist, dass mein Mitleid mit den Primaten einfach nur deshalb größer ist, weil mir als Mensch diese Tiere so viel näher sind als Schlangen, die mit der menschlichen Natur überhaupt keine Ähnlichkeit zeigen.

Die Affen sind die wahren Stars des Platzes und wurden brav darauf abgerichtet, dieses Spiel mit guter Miene mitzuspielen.  Kein Motiv des Jemma al Fna wird öfters fotografiert, aber das verwundert nicht: Du gehst nichtsahnend über den Platz und eher du dich versiehst, legt dir einer der freundlichen Primaten seine Tatze in die Hand und schwingt sich auf deine Schulter.

Wer glaubt, jetzt kostenlos den Schnappschuss seines Lebens machen zu können, wird gleich darauf vom Affenhalter eines Besseren belehrt. Fotos mit Affen kosten Geld, doch dieses Geld kommt nicht den Affen zugute. Sie sind die Opfer dieses Geschäfts: Leben ihr Leben an Eisenketten gefesselt fern ihres natürlichen Lebensraumes.

Für mehr Infos über die Ausbeutung von Tieren im Tourismus siehe auch Lisas Artikel: Tierschutz auf Reisen

Gesperrte Tore

Dieser Scam ist eine Variante der barmherzigen Samariter: Opfer sind meistens Touristen, die sich im Sūq verirrt haben und keine Karte dabeihaben. Ihnen wird gesagt, dass das Tor in der nächsten Gasse gesperrt sei, dass er sie aber als Führer zum gewünschten Ziel bringen wird. Selbstverständlich für ein kleines Trinkgeld, das im Notfall mit Nötigung und selten mit Gewalt eingetrieben wird. Ähnlich wie die Variante mit “Maison de la photographie ist in dieser Richtung” basiert der Scam auf eine Lüge: Tagesüber werden keine Tore geschlossen. Es ist immer besser den aufdringlichen Führer zu ignorieren und selbst nachzusehen, ob das Tor verschlossen ist. Fast immer wird man einen freien Durchgang finden.

Taxifahrer

Wie in allen südlichen Ländern ist Taxifahrer in Marokko eine heikle Angelegenheit. Angeblich sind die Taxis in Marrakesch dazu verpflichtet, ein Taxameter zu verwenden, nur wird man als Tourist niemals in die Situation kommen, in ein solches Taxi zu steigen. Es soll Touristen geben, die es in der Vergangenheit geschafft haben, den Taxifahrer zum Einschalten des Taxameters zu bewegen, nur weiß ich nicht, ob diese Erzählungen nicht eher zu den Legenden des Morgenlandes zählen.

Am leichtesten ist es, mit dem Taxifahrer einen Fixpreis auszuhandeln. Dabei ist es wichtig, eine ungefähre Ahnung davon zu haben, wie viel Ortsüblichen für eine Fahrt berechnet wird: Grob gesagt, werden für eine Fahrt vom oder zum Flughafen von der Medina 100 Dirham berechnet. Wer von der Medina in das moderne Stadtviertel Guerlitz fahren will, muss ungefähr 50 Dirham blechen.

Selbstverständlich werden die Taxler versuchen einen höheren Preis durchzusetzen. Am besten fragst du immer vor Fahrtantritt zwei bis drei Taxler, um eine Preisübersicht zu bekommen. Gehe nicht zu offiziellen Taxiständen, weil sich dort die Fahrer absprechen. Wenn du auf der Straße ein Taxi wegschickst, wird der nächste Taxifahrer, der die Verhandlung beobachtet hat, normalerweise einen etwas niedrigeren Preis anbieten, weil er schon gesehen hat, dass du auf die hohen Einstiegspreise nicht eingehst.

Unterkünfte

In Gartenhotels wie dem Beldi Country Club lässt es sich gut leben, nur mit der Realität der Stadt haben diese Orte wenig zu tun.

Die meisten Besucher der Stadt kommen entweder in einem Riad in der Medina unter, oder verbringen ihre Zeit in einem der vielen luxuriösen Gartenhotels am Rande der Stadt. Als dritte Variante kann ich auch die Unterkunft in einem Airbnb Apartment empfehlen. Ich würde Reisende dazu raten, das Apartment nicht direkt in der Medina zu buchen, da hier viele Unterkünfte keine Fenster und keine Heizung haben, was in den kühleren Monaten sehr unangenehm werden kann. Falls du dennoch einer Unterkunft in der Medina buchst, achte unbedingt darauf, dass die Zimmer klimatisiert sind und es eine Dachterrasse gibt.

Hotels in Medina

Riad Les Nuits de Marrakech. Eine der Riads mit der besten Bewertung. Verfügt über Swimmingpool, Dachterrasse und Whirlpools (aber leider nicht über einen Hammann).
Adresse: 134, Derb Gach Gach, Derb Dabachi, Marrakech 44000, Marokko
(diese Unterkunft auf Booking.com* buchen)

Gartenhotels – Beldi Country Club

Ich verbrachte einen Nachmittag im Beldi Country Club. Einem luxuriösen Gartenhotel knapp außerhalb der Stadt. Hier zu leben ist relativ teuer. Wer mit kleinem Budget reist, kann die Anlage trotzdem besuchen, um zum Beispiel in einem der Restaurants zu essen, oder den schönen Park zu besichtigen.

Adresse: Km 6, Route de Barrage. „Cherifia“ Marrakech Morocco

Beldi Country Club

Apartment in Neu-Marrakesch (Gueliz)

Die Neustadt (Gueliz) ist an und für sich keine Touristenattraktion, bietet aber einen authentischeren Einblick in die marokanische Gesellschaft als die touristische Medina. Der Vorteil hier ist, dass man sich dem Trubel entziehen kann, der in den engen Gassen der Innenstadt herrscht. Man findet in Gueliz auch viele Restaurants, die auf marokkanische Gäste und nicht auf Touristen ausgerichtet sind.

Fazit: Ist Marrakesch empfehlenswert?

Marrakesch ist anders als alles, was man in Europa zu sehen bekommt. Ob du die Stadt ins Herzen schließen wirst, hängt sicher auch davon ab, wer du bist und nach was du suchst. Für die meisten Menschen ist die Stadt zu intensiv, vor allem wenn sie kein Gartenhotel als Rückzugsort zur Verfügung haben. Dennoch bleibt Marrakesch aufgrund der Andersartigkeit sehenswert. Anstatt zu viel Zeit in der Stadt zu verbringen, solltest du für deine Reise aber auch genügend Zeit außerhalb der Stadt einplanen. Nicht nur Marrakesch, sondern auch die Landschaften Marokkos sind sehenswert. Schneebedeckte Berggipfel in der Sahara, Dünen, oder filmreife Beduinendörfer. Wer Marokko bereist, wird viel sehen und viel erleben, sollte aber auch eine Dosis Gelassenheit mitbringen.

Weitere Artikel:

Marokko Tipps für Anfänger (Gastbeitrag von Melanie)

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Autor

Reisejunkie, Autor, Solopreneur. Mag es, ungewöhnliche Orte zu entdecken und nach seinen eigenen Regeln zu leben.

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