Dieser Beitrag ist ein Gastartikel von Benjamin Schardt – ein 23 Jahre junger Student aus München, der gerne reist, Koffer testet und auf hartschalenkoffer-test.com darüber bloggt.

Jede Reise ist einzigartig und auch die Anforderungen an das Gepäck sind jedesmal gänzlich verschieden.

Reise-Nerds wie Conni von Planet Backpacker kümmert das eher weniger. Sie sind nur mit Handgepäck unterwegs, egal wie lange die Reise dauert und wohin es geht. Für Otto-Normalreisende ist dieser Ansatz jedoch oft zu extrem, denn nur die wenigsten wollen ganz auf einen Reisekoffer verzichten.

Aber welcher Koffer ist für welche Reise der beste? Hartschalenkoffer mögen für einen Städtetrip über den Atlantik ideal sein, aber bei einer einwöchige Wanderung durch die Dolomiten wäre es wohl sehr mühsam, sie mitzuschleppen.

Im Prinzip lassen sich vier reiseabhängige Variablen ausmachen, um sein Gepäck ideal zu verstauen. Diese sind:

  • Reiseziel
  • Reisedauer
  • Reiseaktivitäten – Transportmittel

Daneben gibt es eine Hand voll Kriterien, die es unabhängig von der Reise bei der Auswahl des künftigen Reisebegleiters aus Polycarbonat oder Polyester stets zu beachten gilt. Dies sind vor allem qualitative Merkmale, wie die Verarbeitung der Nähte an den Griffbereichen oder die Stabilität der Rollen. Aber auch funktionale Gründe wie die Position und die Anzahl von Taschen im Inneren des Koffers können die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Gepäckstück beeinflussen.

Die Reisedauer bestimmt die Koffergröße

… das klingt logisch. Wer zwei Wochen unterwegs ist braucht mehr Platz für Klamotten und Hygieneartikel als das bei einer Städtereise über ein Wochenende der Fall wäre. Doch was heißt ‚mehr Platz‘ in diesem Kontext genau?

Nun, dass hierbei lediglich grobe Richtwerte an die Hand gegeben werden können, versteht sich von selbst. Doch diese Zahlen haben sich in der Mehrzahl der Fälle als geeignete Richtwerte herauskristallisiert:

  • Reisedauer 2-3 Tage: 30 bis 50 Liter
  • Reisedauer 1-2 Wochen: 60 bis 80 Liter
  • Reisedauer 2-4 Wochen: 100 bis 120 Liter
    (Wobei die Literangabe hier das tatsächlich nutzbare Innenvolumen eines Koffers bezeichnet.)

Reiseziel und Reiseaktivitäten

… gehen bei der Wahl des geeigneten Gepäckstücks Hand in Hand. Hier steht ganz klar die Zweckdienlichkeit im Vordergrund. Ist beispielsweise geplant, längere Wanderungen samt Gepäck auf unwegsamen Gelände zu absolvieren, so sollte zu einem Reisekoffer mit Rucksackfunktion (ein sog. Duffle) gegriffen werden.

Geht es jedoch lediglich darum, im Rahmen einer Urlaubsreise den Koffer möglichst angenehm vom Flughafen ins Taxi und von dort ins Hotelzimmer zu befördern, so sind Trolleys mit vier Rollen ratsam. Diese Überlegungen mögen Dir vielleicht trivial erscheinen, doch wie oft werden Gebrauchsgegenstände – und dazu zählen die Koffer zweifelsohne – primär nach ihrer Optik, nach dem Design und nicht nach ihrer Funktionalität gekauft? Wer hier die Priorität zweckorientiert setzt, wird mit seinem Koffer wahrscheinlich zufriedener sein.

Generell gilt an dieser Stelle auch noch: Je länger die Wege voraussichtlich sein werden, die es samt Trolley zu bewältigen gilt, desto mehr gewinnt das Leergewicht eines Koffers an Bedeutung. An diesem Punkt sind die Unterschiede dank der neuen Materialien bei Hart- und Weichschalenkoffern allerdings nur noch minimal.

Wo noch vor knapp zehn Jahren ein Hartschalenkoffer prinzipiell etwa 2 bis 3 Kilogramm mehr auf die Waage brachte, so beträgt heute der Gewichtsaufschlag im Vergleich zur weichen Konkurrenz lediglich wenige Gramm – den hochmodernen Kunststoffen sei Dank!

Wo wir bereits bei der Oberflächenbeschaffenheit sind:

Das Transportmittel

… spricht eine klare Empfehlung für oder gegen Weichschalenkoffer aus. Wer mit dem Flugzeug sein nächstes Reiseabenteuer bestreitet sollte besser zum Hartschalenkoffer greifen – es sei denn, es handelt sich um Handgepäck.

Die robusteren Hartschalen halten die Belastungen im Gepäcklagerraum eines Flugzeugs – teilweise lagern bis zu mehreren hundert Kilogramm an Fremdgepäck auf dem eigenen Koffer – deutlich besser aus. Zudem sorgt die glatte Oberfläche für ein Abrutschen spitzer Gegenstände. Auf Textiloberflächen können hierbei schnell große Risse entstehen.

Übrigens: Wer mit dem Flugzeug in die USA reist, sollte unbedingt an ein TSA-Schloss denken. Marken wie Samsonite oder Delsey haben dies mittlerweile serienmäßig an ihren Modellen angebracht. Falls sich kein TSA-Schloss am Koffer befindet, so darf das Sicherheitspersonal am Flughafen das Gepäckstück ohne weiteres aufbrechen, sofern sie potentiell gefährliches Gepäck darin vermuten. Mit einem TSA-Schloss können die Sicherheitsbeamten einen Blick in den Koffer werfen, ohne diesen dabei zu beschädigen.

Bei allen anderen Transportmitteln ist die Wahl der Oberflächenbeschaffenheit eher eine Frage des Geschmacks. Oftmals wird gerade bei Reisen mit dem eigenen PKW die Weichschale aufgrund der höheren Flexibilität bevorzugt. Sie lässt sich schlichtweg einfach im Auto verstauen, wenn sich nur noch wenig Platz im Inneren befindet.

Typische Schwachstellen

Wie bei allen Gebrauchsgegenständen, so gibt es auch bei den Koffern typische Achillesfersen, die es beim Neuerwerb intensiv zu prüfen gilt.

Schwachstelle Nummer eins wäre hierbei mangelhafte Verarbeitungsqualität, welche sich an den Nähten manifestiert. Abstehende Fäden oder gar Unregelmäßigkeiten im Nähmuster sind erste Indizien für ein schnelles Aufreißen nach wenigen Einsätzen. Dies gilt insbesondere an den Arealen um die Griffe herum, denn hier herrscht beim Ziehen bzw. Tragen die maximale Zugkraft.

Einen weiteren Kritikpunkt stellen oftmals die Rollen dar. Hier gilt es einen optimalen Kompromiss zwischen Abriebfestigkeit und angenehmen Rollverhalten zu finden. Denn die kleinen Räder aus Weichgummi sind zwar sehr leise, angenehm und gleichmäßig was das Rollverhalten betrifft, unterliegen aber einem höheren Abnutzungsgrad als die Rollen aus Hartkunstoff.

Zu guter Letzt ist immer auch ein Blick ins Innere eines Koffers ratsam. Hier sollte neben einer Kontrolle was die Ausstattung betrifft (Spanngurte, Seitentaschen, Schuhfach, etc.) auch überprüft werden, ob man im Bepacken des Koffers nicht zu sehr eingeschränkt wird.

Denn oftmals ist ein hoher Kompartimentierungsgrad, also das zu starke Verschachteln des Innenraums, dafür verantwortlich, dass der vorhandene Platz gar nicht erst optimal ausgefüllt werden kann. Doch in diesem Punkt haben die Hersteller in den letzten Jahren scheinbar hinzugelernt, sodass hier eklatante Einschränkungen kaum mehr vorkommen.

Letztlich entscheidet immer auch die Reisehäufigkeit darüber, welche Qualitätsstufe eine sinnvolle Investition darstellt. Wer für ein bestimmtes, einmaliges Reisevorhaben einen Koffer sucht, für den können auch sehr preiswerte Modelle ausreichend sein – sofern der Komfortverlust nicht berücksichtigt wird.

Steht bei der Auswahl eines Koffers allerdings bereits fest, das dieser in regelmäßigen Abständen zum Einsatz kommen wird, so ist der teurere aber dafür hochwertig verarbeitete Markenkoffer langfristig gedacht fast immer die günstigere Wahl.

Wurde auch dieser Punkt, das Budget, bedacht, so verbleiben lediglich das Design und die Farbgebung als letztes Kriterium. Doch da diese Entscheidung nun wirklich einzig und allein dem persönlichen Geschmack obliegt, endet dieser Ratgeber hier und ich hoffe, dir einige Ansatzpunkte für die Auswahl deines künftigen Koffers mit auf den Weg gegeben zu haben.

Foto © William Cho

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Autor

Reisejunkie, Autor, Solopreneur. Mag es, ungewöhnliche Orte zu entdecken und nach seinen eigenen Regeln zu leben.

4 Kommentare

  1. ninainfosuccess Antworten

    Koffer mit hartschale sind durchaus sinnvoll.

    Ich nutze solche Koffer schon mehr als 3 Jahre und kann die nur empfehlen!

  2. Hey,

    ich selbst Reise auch immer gerne mit Handgepäck und hätte aber gerne einen Hartschalenkoffer in Handgepäck-Größe, da habe ich irgendwie Probleme ein passendes Modell zu finden. Werde mal auf deiner verlinkten Homepage vorbeischauen 🙂

    Liebe Grüße Dietrich

    • Hallo Dietrich,
      ich habe einen Samsonite Spinner aus Hartschale für Städtereisen. Mein Modell gibt es nicht mehr im Handel, aber der Nachfolger dürfte der Cosmolite oder Firelite Spinner sein. Eigengewicht der neuen Modelle 1,7 kg. Haben halt leider auch ihren Preis 😉

      LG
      Lisa

  3. Hallo,
    Ich habe beide Arten von Koffern. Jedoch transportiere ich Kameras und ander empfindliche Kleingeräte und diese sind doch in einem Hartschalenkoffer besser geschützt.
    Für Kleidung darf es ruhig auch ein Koffer aus weichem Material sein.
    Danke für den guten Beitrag.

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