Kennst du sie auch, diese herrlichen Bilder vom nächtlichen Sternenhimmel mit Millionen von funkelnden Sternen und den faszinierenden Strukturen der Milchstraße, wie sie mit freiem Auge normalerweise kaum erkennbar sind? Und du fragst dich vielleicht, welches Wunderwerk der Technik es benötigt, um dieses herrliche Naturphänomen auf Bildern festzuhalten? Astrofotografie gehört mit Sicherheit zu den anspruchsvolleren Sparten der Fotografie, doch keine Sorge, auch du kannst mit ein wenig Übung und dem richtigen Equipment lernen, den Sternenhimmel und die herrliche Milchstraße zu fotografieren. Und ich rede hier nicht von teurer Spezialausrüstung oder hochkomplexer Theorie. In meinem Tutorial möchte ich dir auf einfache und verständliche Weise die Grundlagen der Astrofotografie vermitteln und dir zeigen, wie du mit einer normalen Spiegelreflex- oder Systemkamera in Verbindung mit einem geeigneten Objektiv tolle Bilder der Milchstraße anfertigen kannst.

Ich selbst habe mich 2016 erstmals mit dem Phänomen Astro- und Sternenhimmelfotografie auseinandergesetzt und in weiterer Folge auch einen Workshop zu dem Thema besucht. Mein bisher angesammeltes Wissen und alle Erfahrungswerte, die ich in den vergangenen zwei Jahre gemacht habe, habe ich dir in diesem Tutorial in 5 Schritten zusammengefasst.

In 5 Schritten zum perfekten Sternenhimmel Foto – Astrofotografie leicht gemacht

Dunkel, dunkler am Dunkelsten – der perfekte Ort und die richtige Zeit für Milchstraßenfotos

Welches Equipment benötige ich für das perfekte Sternenhimmelfoto?

Die richtigen Einstellungen für gelungene Astrofotografie

Bildausschnitt und Bildgestaltung bei Astrofotografie

Bildbearbeitung der Milchstraßenbilder


Der perfekte Ort und die richtige Zeit für Milchstraßenfotos

Die Grundlage für ein tolles Milchstraßenbild bildet der Ort, wo es aufgenommen wird. Um die Milchstraße und die Sterne mit allen ihren prachtvollen Details wahrnehmen zu können, braucht es einen möglichst dunklen Ort mit wenig Lichtverschmutzung. Als Lichtverschmutzung bezeichnet man zum Beispiel die Lichter von Städten oder Dörfern, den Schein von Straßenlaternen oder auch die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos. Dieses Licht strahlt in den Nachthimmel und wird von der Atmosphäre reflektiert. In unserem dicht besiedelten Europa ist es daher gar nicht so einfach, einen geeigneten Ort für Astrofotografie zu finden. Ideale Bedingungen findest du bei uns meistens nur noch im Hochgebirge oder auf weiten Feldern abseits der großen Metropolen. Im Internet gibt es auch einige Karten, die Lichtverschmutzung anzeigen und dir dabei helfen, möglichst dunkle Orte in deiner Umgebung zu finden.

Tutorial Astrofotografie: Milchstraße in den österreichischen Alpen
Einer meiner ersten Versuche, die Milchstraße einzufangen, entstanden in den österreichischen Alpen

Hast du einen dunklen Ort für deine Fotos gefunden, gilt es auch die richtige Zeit zu beachten und zwar sowohl im Hinblick auf die Jahreszeit als auch im Bezug auf den richtigen Zeitpunkt im Laufe eines Monats. Denn auch das helle Licht des Vollmonds kann deine Bemühungen für schöne Nachtbilder zunichte machen. Daher solltest du immer einen Blick auf den Mondkalender werfen und deine Sternenhimmelaufnahmen rund um den Neumond planen, wenn das Mondlicht wenig bis gar nicht vorhanden ist. Bezüglich der Jahreszeit ist es auf der Nordhalbkugel so, dass das Zentrum der Milchstraße in den Wintermonaten nicht sichtbar ist, daher eignen sich in unseren Breiten besonders die Monate zwischen Mai in September für Astrofotografie, wobei man in den Sommernächten beachten muss, dass die Nächte nicht sehr lang sind und man daher nur ein kurzes Zeitfenster für die Sternenhimmelfotos zur Verfügung hat. Die Monate August und September eignen sich daher in der Theorie besser als Juni, in dem die Nächte am kürzesten sind!

Zu guter Letzt muss man auch noch die Wettervorhersage im Blick haben. Dichte Wolken hindern den Blick auf den Nachthimmel, aber auch Nebel, verdampfender Regen oder Sandpartikel in der Atmosphäre können dein Sternenhimmelfoto negativ beeinflussen.

Kurz zusammengefasst benötigst du als Setting für die Sternenhimmelfotografie also: einen dunklen Ort mit einem klaren Himmel rund um Neumond in den Sommermonaten.

Welches Equipment benötige ich für das perfekte Sternenhimmelfoto?

Hast du deinen idealen Ort gefunden, solltest du dich in einem nächsten Schritt mit dem Equipment beschäftigen. Keine Sorge, in Zeiten der digitalen Fotografie und der hohen technischen Qualität der Kameras am Markt benötigst du für ein normales Sternenhimmelbild kein extrem teures Spezialequipment oder gar Teleskop. Einfache Milchstraßenbilder können mit jeder Spiegelreflex- oder Systemkamera geschossen werden, die manuelle Einstellungen zulässt und im Idealfall über ein gutes Rauschverhalten verfügt. Natürlich steht und fällt die Qualität des aufgenommenen Fotos mit der Qualität der Kamera bzw. vor allem des verbauten Sensors, aber schon Einsteigerkameras können – in Verbindung mit einem geeigneten Objektiv – respektable Ergebnisse bringen.

Die Kamera

Wie bereits oben erwähnt brauchst du eine Kamera, die manuelle Einstellungen von ISO, Blende und Belichtungszeit zulässt. Spiegelreflex– und Systemkameras eignen sich dafür am besten, aber auch hochwertige Kompaktkameras lassen sich teilweise bereits manuell einstellen. Das Problem bei Kompaktkameras ist allerdings, dass es dafür keine Wechselobjektive gibt und außerdem der verbaute Sensor ziemlich klein ist, was das Rauschen – das Bild wird körnig dargestellt – ab bestimmten ISO-Werten verstärkt. Die Problematik des Bildrauschens steht und fällt mit der Größe des Sensors, weshalb Vollformat-Kameras bei solchen Spezialsituationen wie Astrofotografie deutlich im Vorteil sind. Der größere Sensor lässt einfach viel mehr Spielraum bei ISO zu, sprich man kann den ISO-Wert deutlich mehr ausreizen als bei APS-C Kameras. Meine eigene Kamera, die Nikon D7100* kommt zum Beispiel schon bei ISO 1600 an ihre Grenzen was die Abbildungsqualität anbelangt, während die große Vollformat-Schwester Nikon D750* auch noch mit ISO 6400 akzeptable Ergebnisse liefert. Warum gerade die ISO bei der Sternenhimmelfotografie eine solch wichtige Rolle spielt, erkläre ich dir im Abschnitt über die richtigen Einstellungen.

Fazit: für einen gelungenen Einstieg in die Astrofotografie brauchst du eine Kamera, bei der sich die Basiswerte ISO, Belichtungszeit und Blende manuell einstellen lassen und die im Idealfall über ein überdurchschnittlich gutes Rauschverhalten verfügt.

Tutorial Astrofotogtafie Milchstraße
Die Milchstraße aufgenommen in der Nähe von Wien, im unteren Teil des Bildes sind die Lichter der Stadt zu erkennen

Objektiv

Fast noch wichtiger als die Kamera ist das geeignete Objektiv. Dies gilt zwar grundsätzlich für alle Bereiche der Fotografie, aber bei Astrofotografie ist es wirklich von essentieller Bedeutung. Die unendliche Weite des Sternenhimmels sowie die Details der Milchstraße lassen sich am besten mit einem möglichst weitwinkeligen Objektiv einfangen. Und auch im Bezug auf die Belichtungszeit hat ein Weitwinkelobjektiv große Vorteile, aber dazu komme ich später noch.Weitwinkelig bedeutet übrigens eine kurze Brennweite, das heißt wir sprechen von ungefähr 14 mm im Vollformatbereich und etwa 10-11 mm im APS-C Bereich.

Ein weiterer wichtiger Faktor beim Objektiv ist die Lichtstärke. Um die einzelnen Sterne und die Strukturen der Milchstraße sichtbar machen zu können, muss möglichst viel Licht auf den Sensor treffen. Je lichtstärker ein Objektiv (kleiner Blendenwert = große Blendenöffnung), desto mehr Licht lässt es durch und desto besser eignet es sich für Astrofotografie. Ein Blendenwert von f/2,8 gilt als ideal, kleinere Werte wie f/1,8 oder gar f/1,4 lassen natürlich noch mehr Gestaltungsspielraum zu, allerdings ist die Auswahl an geeigneten und vor allem leistbaren Objektiven mit einer solchen Lichtstärke sehr begrenzt.

Meine im Februar 2018 in der Atacama-Wüste in Chile auf Herz und Nieren getestete absolute Objektivempfehlung für Sternenhimmelfotografie mit Nikon Vollformat-Kameras ist übrigens das brilliante Nikkor 14-24mm f/2,8, das gerne auch als die Mutter aller Weitwinkelobjektive bezeichnet wird. Das Objektiv hat unglaublich gute Bewertungen auf allen möglichen Portalen, weshalb ich es kaum erwarten konnte diese Linse selbst zu testen. Selbst Fotografen mit Kameras von Fremdherstellern sollen dieses Objektiv gerne mit Adapter verwenden, da es auf dem Markt kaum etwas vergleichbares gibt. Auch mich hat diese Linse 100% überzeugt. Die Unterschiede in der Abbildungsqualität verglichen mit meinem Standardequipment sind wirklich phänomenal. Die Bilder sind auch bei Offenblende schon extrem scharf, die Verzerrungen gering und die Farben und Kontraste brilliant.

Weitere Informationen zu Objektiven, ihrem Einsatzbereich und den technischen Daten sowie meine Empfehlungen für verschiedene Kameratypen und Fotosituationen findest du auch in meinem großen Objektiv-Vergleich.

Tutorial Astrofotografie Milchstrasse Botswana
Die Milchstrasse über dem Okavango Delta in Botswana

Stativ

Um den Sternenhimmel und die Milchstraße in all ihrer Pracht einfangen zu können, musst du eine Langzeitbelichtung machen. Dafür muss deine Kamera einen sicheren Stand haben und gut fixiert sein. Wie bei normalen Nachtaufnahmen und dem Fotografieren mit Graufilter solltest du daher ein Stativ im Gepäck haben. Man kann die Kamera zwar alternativ auch auf einen Stein, den Boden oder sogar einen Rucksack stellen, doch gerade bei Sternenfotos muss man die Linse meistens stark nach oben ausrichten, wofür sich ein Stativ mit flexiblem Kugelkopf einfach am besten eignet. Außerdem kannst du so leichter zwischen Hoch- und Querformat wechseln, was dir mehr Flexibilität in der Bildgestaltung gibt. Stative gibt es in allen möglichen Formen und Größen, auf Reisen hat sich bei mir seit Jahren das Compact Traveller von der Firma Rollei* bewährt. Es überzeugt mit seinem kompakten Packmaß von nur 33 cm und dem geringen Gewicht von 1170g in der Basisversion bzw. 980 g in der Carbon-Variante* und hält dank seiner Traglast von 5 kg trotzdem eine Vollformat-Kamera mit einem qualitativ hochwertigen Objektiv gut aus.

Fernauslöser

Um Verwacklungen durch das Drücken des Auslösers zu vermeiden solltest du einen Fernauslöser einsetzen. Einfache Fernauslöser mit Kabel gibt es schon für wenig Geld* zu kaufen und diese Investition ist wirklich sinnvoll, wenn du gerne mit Langzeitbelichtungen experimentierst. Alternativ kannst du aber auch den Selbstauslöser deiner Kamera mit 2 oder 5 Sekunden Vorlaufzeit verwenden.

Die richtigen Einstellungen für gelungene Astrofotografie

Welche Einstellung man für ein bestimmtes Foto braucht, hängt immer ganz stark von der Situation und dem erwünschten Ergebnis ab. Es gibt keine allgemeingültige Anleitung, daher ist es immer wichtig, zu experimentieren und verschiedene Sachen auszuprobieren. Aber natürlich gibt es für ein gelungenes Sternenhimmelfoto ein paar gewisse Grundregeln, die man beachten sollte:

Belichtungszeit

Man könnte ja annehmen, dass man in entsprechend dunkler Umgebung quasi endlos belichten kann. Das ist leider bei Sternenhimmelfotos nicht der Fall und Schuld daran ist die Erdrotation. Diese ist zwar für uns normalerweise nicht spürbar, wird aber bei lange belichteten Nachthimmelfotos sichtbar, indem die Sterne nicht als Punkte sondern als Striche – sogenannte Startrails – dargestellt werden. Das kann unter Umständen gewollt sein, wenn die Milchstraße im Fokus steht sollten die einzelnen Sterne aber scharf und punktförmig dargestellt werden. Daher muss man in einem ersten Schritt herausfinden, wie lange die maximale Belichtungszeit für die eingesetzte Kamera/ Objektiv-Kombination ist.

Bei Recherchen im Internet stößt man ziemlich schnell auf die Formel: maximale Belichtungszeit = 500 / (Cropfaktor x Brennweite). Bei einer Vollformat-Kamera wie der Nikon D750 und einer Brennweite von 14 mm würde das mit der Formel 500 / (1x 14) = 35,7 eine Belichtungszeit von knapp 36 Sekunden ergeben. Bei einer APS-C-Kamera und einem Crop-Faktor von 1,5, wie der Nikon D7100 wären wir in diesem Fall bei knapp 24 Sekunden maximaler Belichtungszeit.

Tutorial Astrofotografie Milchstraße Okavango-Delta
Die Milchstraße über einem Lagerfeuer im Okavango-Delta

Das klingt alles sehr einfach, doch es ist Vorsicht geboten! Ich rate ganz stark dazu, diese Ergebnisse maximal als Anhaltspunkt zu nehmen, denn erfahrungsgemäß ist die maximale Belichtungszeit, um wirklich scharfe Bilder zu bekommen, deutlich kürzer als mit der Formel errechnet. Ich persönlich würde zum Beispiel bei einer Brennweite von 14 mm bzw. 11 mm auf APS-C nie mit mehr als 25 Sekunden fotografieren! Wie lange du wirklich belichten kannst, ist aber schlussendlich Erfahrungssache. Daher empfehle ich immer mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, um sie später am Computer zu analysieren. Mit ein wenig Übung und Routine wirst du bald wissen, welche Belichtungszeit in Verbindung mit deinem Equipment die besten Ergebnisse liefert.

Blende

Wie bereits weiter oben angesprochen ist es für ein gelungenes Sternenhimmelfoto mit möglichst vielen Details notwendig, soviel Licht wie möglich auf den Sensor zu lassen. Da wir bei der Belichtungszeit auf Grund der Erdrotation beschränkt sind, müssen wir uns das benötigte Licht von anderer Stelle holen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Blende. Je größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Eine große Blendenöffnung wird übrigens durch eine kleine Blendenzahl ausgedrückt. Das mag für Laien etwas verwirrend anmuten, muss man sich aber einfach merken. Die größtmögliche Blendenöffnung eines Objektivs wird durch die Beschriftung f/Zahl oder 1:Zahl angegeben. Je kleiner die Zahl, desto weiter kann die Blende geöffnet werden. Ideal für Sternenfotos sind Objektive mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2,8 oder sogar weniger. Die größtmögliche Blende des oben genannten Weitwinkelobjektivs Nikkor 14-24 mm ist f/2,8, ein optimaler Wert für Astrofotografie.

Brennweite

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Astrofotografie ist die Brennweite. Der Nachthimmel ist schier endlos und auch die Milchstraße erstreckt sich über eine ziemlich große Fläche, von daher ist es notwendig, ein möglichst weitwinkeliges Objektiv, sprich eine Linse mit einer kurzen Brennweite, einzusetzen. Bei Vollformat-Kameras wäre das eine Brennweite von ungefähr 14 mm, bei APS-C-Kameras sind 10 oder 11 mm ideal. Wenn man dann noch die oben angesprochene Formel betrachtet sieht man außerdem, dass eine kurze Brennweite auch eine positive Auswirkung auf die Belichtungszeit hat, denn die Formel lautet ja 500/ (Crop-Faktor x Brennweite). Das heißt also, je kürzer deine Brennweite, desto länger kannst du auch belichten und das ist nicht unwesentlich bei einer Fotosituation, die soviel Licht wie möglich erfordert.

ISO

Wer sich schon ein wenig mit den Grundlagen der Fotografie beschäftigt hat, weiß, dass Belichtungszeit, Blende und ISO miteinander in Verbindung stehen. Sehr schön wird diese Abhängigkeit auch in Form eines Belichtungsdreiecks dargestellt. Wird ein Faktor verändert, muss man auch einen anderen anpassen, um ein gleich belichtetes Bild zu erhalten. Der ISO definiert die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Je höher der ISO-Wert, desto lichtempfindlicher der Sensor. Wer noch Erfahrung mit der analogen Fotografie hat, erinnert sich bestimmt, dass es früher Filme mit unterschiedlichen ISO-Werten zu kaufen gab. 100, 200, 400, 800 usw. Das Prinzip ist heute gleichgeblieben, allerdings passt die Kamera den ISO-Wert je nach Einstellung entweder automatisch an oder er  kann vom Fotografen im Menü je nach Bedarf verändert werden.

Wie bereits mehrfach erwähnt, benötigen wir für ein gutes Sternenfoto möglichst viel Licht. Daher reizen wir nicht nur die Belichtungszeit bestmöglich aus und öffnen die Blende, sondern wir schrauben auch die ISO so hoch wie möglich. Wie hoch, das hängt stark von deiner Kamera und vor allem dem verbauten Sensor ab. Hohe ISO-Werte führen nämlich irgendwann zu Bildrauschen, sprich das Bild wird vor allem an den dunklen Stellen körnig und kann Pixelfehler aufweisen. Je größer der Sensor, desto später tritt normalerweise das unschöne Bildrauschen auf. Das ist mit ein Grund, warum Vollformat-Kameras bei Sternenhimmelfotos einen kleinen Vorteil gegenüber APS-C-Kameras haben. Während bei meiner Nikon D7100 das Bildrauschen bereits bei ISO 1600  deutlich erkennbar ist, liefert die Vollformat-Kamera D750 auch bei ISO 6400 noch mehr als akzeptable Ergebnisse!

Astrofotografie Lightpainting vor der Milchstraße
Für Profis: Lightpainting vor der Milchstraße

Fokussieren

Sind die Einstellungen geklärt, geht es um das Fokussieren. An einem dunklen Ort ohne Lichtquelle als Anhaltspunkt versagt der Autofokus und du musst manuell fokussieren. Aber auch das gestaltet sich nicht so einfach, wenn es keine Lichtquelle oder einen Gegenstand in der entsprechenden Entfernung als Bezugspunkt gibt. Einfach auf „unendlich“ stellen hilft meistens auch nicht, da die Markierung an den Objektiven fast immer zu ungenau ist. Meistens befindet sich die korrekte Position für unendlich kurz vor der Markierung, aber auch das ist von Objektiv zu Objektiv verschieden. Auf jeden Fall solltest du dich vor deiner ersten Astrofotografie-Session mit dem manuellen Fokussieren und der korrekten unendlich Einstellung deines Objektivs beschäftigen! Auch solltest du blind dazu in der Lage sein, den Fokus an deiner Kamera und an deinem Objektiv von automatisch auf manuell umzustellen.

Der einfachste Weg, den Fokus auf unendlich zu stellen ist übrigens, untertags auf den Horizont scharf zu stellen. Danach solltest du natürlich den Fokusring deiner Kamera nicht mehr verschieben. Um sicher zu gehen, kannst du dir die unendlich Position auch mit einem Lackstift oder einem kleinen Klebestreifen am Objektiv markieren.

Eine etwas schwierigere, aber ebenfalls mögliche Methode ist mittels Live-View einen hellen Stern heranzuzoomen und diesen durch drehen des Fokusrings scharf zu stellen. Je kleiner der Lichtpunkt des Sterns, desto schärfer. Diese Methode funktioniert aber nur, wenn die Kamera über ein außerordentlich gutes Live-View verfügt. Erfahrungsgemäß ist dieser bei Canon übrigens deutlich besser als bei Nikon!

Eine dritte Möglichkeit ist es den Scheinwerfer eines Autos oder einer Taschenlampe aus einer gewissen Distanz als Fokuspunkt zu nehmen. Diese Vorgehensweise ist einfach, hat aber den Nachteil, dass sich deine Augen danach wieder an die Dunkelheit gewöhnen müssen.

Bildausschnitt und Bildgestaltung bei Astrofotografie

Kurz möchte ich mich auch noch mit dem Thema Bildausschnitt und Bildgestaltung beschäftigen. Grundsätzlich stehen im Zentrum des Interesses natürlich der Sternenhimmel und die Milchstraße, weshalb diese natürlich den größten Teil des Fotos einnehmen sollten. Um das Bild interessanter zu machen solltest du allerdings auch die Umgebung mit einbauen und so einen Vordergrund gestalten. Immer gut macht sich zum Beispiel die Silhouette von Bergen, über die sich die Milchstraße spannt. Du kannst aber auch Gebäude, Bäume oder sogar dich selbst als Vordergrund in Szene setzen. Auf dem Bild unten siehst du zum Beispiel mich vor dem unglaublichen Sternenhimmel über der Atacama-Wüste in Chile. Um so ein Bild zu realisieren, solltest du eine Pose finden, die du möglichst ohne viel Bewegung über die gesamte Belichtungszeit, also meist 20-25 Sekunden, halten kannst, da Bewegungen unscharf dargestellt werden.

Tutorial Astrofotografie Selbstportrait
Selbstportrait vor dem Sternenhimmel, Atacama-Wüste in Chile

Bildbearbeitung der Milchstraßenbilder

Zum Abschluss möchte ich auch das Thema Bildbearbeitung kurz anreißen. Grund dafür ist, dass du vermutlich enttäuscht sein wirst, wenn du deine ersten Ergebnisse auf dem PC betrachtest. Anstelle von kräftigen Farben und detaillierten Strukturen, wie man sie von den gängigen Milchstraßen-Fotos kennt, wirst du vermutlich nur einen hellen Schleier am Sternenhimmel erkennen. Zur besseren Veranschaulichung habe ich dir unten ein komplett unbearbeitet RAW- Foto direkt aus der Kamera eingefügt. Hier wurde noch gar nichts bearbeitet, weder die Farben, noch die Objektivkorrekturen oder die Schärfe. (an dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich von der Bildqualität dieses mit dem Nikkor 14-24 f/2,8 aufgenommenen Bildes wirklich beeindruckt war. Das Rohmaterial mit diesem Objektiv ist auf jeden Fall schon sehr gut!)

Tutorial Astrofotografie: Milchstraße unbearbeitet
Ein Foto der Milchstraße direkt aus der Kamera

Du siehst also, dass der Feinschliff eines guten Sternenhimmelbildes immer erst in der Nachbearbeitung erfolgt. Zum besseren Vorher- Nachher Vergleich habe ich dir dasselbe Bild auch noch einmal mit einer unbearbeiteten und einer bearbeiteten Seite eingefügt. Man kann erkennen, dass durch die Objektivkorrekturen die Abschattungen an den Rändern vollkommen verschwunden sind. Außerdem fällt sofort auf, das die Farbtemperatur viel kühler ist. Ich hatte den Weißabgleich bei der Aufnahme auf „automatisch“ gesetzt und im Nachhinein im Lightroom angepasst, um die für Milchstraßenbilder typische Farbgebung zu erhalten. Bei diesem Foto sind es ungefähr 3800 Kelvin. Dazu habe ich die Belichtung leicht verstärkt (nach Bedarf) und den Kontrast kräftig angehoben, um die Strukturen besser hervorzuheben.

Tutorial Astrofotografie Bildbearbeitung
Milchstraßenfotografie: Vorher-Nachher Vergleich

Um die Details besser herauszuarbeiten, kannst du auch noch die Lichter reduzieren, je nach Bedarf und abhängig von der Aufnahmesituation! Mit der Rauschreduzierung („Glätten“) solltest du sparsam umgehen, da durch übermäßiges Glätten die Sterne verschwinden. Falls du die Details im Zentrum der Milchstraße herausarbeiten willst, kannst du noch den Radial-Filter anwenden und damit diesen Bereich selektiv bearbeiten, indem du Kontrast und Klarheit anhebst.

Zum Abschluss möchte ich an dieser Stelle noch betonen, dass Bildbearbeitung natürlich sehr subjektiv ist. Wie stark ein Bild bearbeitet wird, hängt am Ende immer vom Geschmack des Fotografen ab. Verschickst du eine Rohdatei an fünf verschiedene Leute, wirst du mit ziemlicher Sicherheit auch fünf verschiedene Bearbeitungen zurückbekommen. Daher kann ich dir nur empfehlen, dich mit den Reglern in Photoshop und/oder Lightroom vertraut zu machen und ein wenig zu experimentieren. Dann wirst du ziemlich bald einen Workflow und auch einen eigenen Stil entwickeln.


Ich hoffe, dass dir dieses ausführliche Tutorial gefallen hat und ich auch dir Lust auf Astrofotografie und Sternenhimmelbilder gemacht habe. Solltest du noch Fragen haben oder auch weitere Tipps für eine gelungene Aufnahme, hinterlasse mir doch einfach einen Kommentar unter dem Artikel!

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Um keine Infos zu verpassen, folge mir auf Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram. Alternativ kannst du meinen Blog auch auf Bloglovin' oder via RSS Feed abonnieren!

Möchtest du meine Reiseberichte und Fototipps direkt in deine Mailbox erhalten? Melde dich jetzt für meinen kostenlosen Newsletter an. Zusätzlich erhältst du als Dankeschön für deine Anmeldung gratis Zugriff auf das E-Book "Günstig Reisen"!

Melde dich für meinen Newsletter an und erhalte 4-6 Mal pro Jahr eine Extraportion Reiselust, spannende Fototipps und exklusive Infos zu meinen Projekten direkt in deine Mailbox.


P.S. Kein Spam, nur viel Fernweh!




Dir gefällt dieser Beitrag? Dann teile ihn doch!
Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

3 Kommentare

  1. Hallo,
    möchte auch gerne ein Milchstraßen Bild mit Lightpainting mit brennender Stahlwolle machen.
    Verrätst du mir deine Kamera Einstellungen. Wäre super. Vielen Dank

    Freundliche Grüsse
    Jürgen

    • Hallo Jürgen,

      die Einstellungen von dem Foto lauten wie folgt:

      Brennweite: 14 mm (Vollformat)
      Blende: f/2,8
      Belichtungszeit 30 Sekunden
      ISO 3200

      Bei Lightpainting muss man generell aufpassen, dass das Foto nicht zu hell wird. Die mögliche Belichtungszeit hängt aber auch stark von der Brennweite und Blende ab! (siehe Artikel) Hast du mehr Brennweite musst du möglicherweise kürzer belichten und wieder über die ISO korrigieren. Wenn dein Objektiv nicht so lichtstark ist wirst du auch mehr ISO brauchen, um die gleiche Helligkeit zu erhalten.

      LG

      Lisa

Schreibe ein Kommentar