Im September 2015 fuhr ich auf meine erste Fotosafari nach Südafrika. Wir besuchten auf der Suche nach den „Big-5“ den berühmten Krüger-Nationalpark, den weniger bekannten aber nicht minder schönen Hluhluwe-iMfolozi-Nationalpark in der Provinz KwaZulu-Natal und zum Abschluss den iSimangaliso-Wetland-Park, wo wir hauptsächlich Hippos und Krokodile fotografierten.

Ich hatte jahrelang auf diese Chance gewartet und wollte meine Erlebnisse natürlich so professionell und eindrucksvoll wie möglich festhalten. Doch Fotografieren auf Safari ist gar nicht so einfach, wie es sich vielleicht anhört und dementsprechend viele Anfängerfehler beging auch ich bei meinen ersten unbedarften Fotografieversuchen auf Safari in Südafrika. Damit euch das nicht passiert, habe ich in diesem Artikel meine wichtigsten Erkenntnisse und Learnings zusammengefasst und einige Tipps für euch gesammelt, wie ihr das Beste aus euren Safarifotos herausholen könnt!

Mich selbst zieht es auch bald wieder nach Afrika. Schon im September werde ich Namibia und Botswana erkunden und ich hoffe, dass sich das Üben und Lesen ausgezahlt hat und ich dieses Mal mit einer noch besseren Fotoausbeute nach Hause kommen werde.

Aber sehen wir uns das Thema „Fotografieren auf Safari“ nun im Detail an.

Um Familie und Freunde mit wirklich atemberaubenden Fotos der afrikanischen Tierwelt in Begeisterungsstürme zu versetzen, braucht es neben einem großen Quentchen Glück was die Tiersichtungen angeht, ein halbwegs professionelles Equipment (Blende, Belichtungszeit und ISO sollten sich manuell anpassen lassen), die richtigen Einstellungen an der Kamera, die optimale Brennweite und natürlich viel, viel Übung.

Beim Üben geht es nicht nur darum, ein Basiswissen über die Einstellmöglichkeiten der Kamera zu erlangen und die Grundlagen der Fotografie zu beherrschen, sondern man sollte sich auch schon im Vorhinein mit dem Verhalten der Tiere und ihren Bewegungsabläufen auseinandersetzen. Und wenn man sich – so wie ich letztes Jahr – für die Safari ein neues Objektiv anschafft, dann rate ich dir sowieso dieses dringend auszuprobieren und ein paar Einstellungen zu testen, bevor es dann auf der Reise richtig ernst wird.

Für ein besseres Verständnis und mehr Transparenz schreibe ich dir auch zu jedem Bild die wichtigsten EFIX-Daten dazu (Brennweite, Belichtungszeit, Blende, ISO), damit du ein Gefühl für die Einstellungen bekommst.

Um die Navigation zu erleichtern, habe ich dir außerdem ein Menü eingefügt, so dass du bequem zu den einzelnen Punkten springen kannst!

Wie kann ich das Fotografieren auf Safari am besten zuhause üben?

Welche Kamera eignet sich am besten für das Fotografieren auf Safari?

Welches ist die sinnvollste Kamera/ Objektiv-Kombination für eine Safari?

Welche Brennweite benötige ich beim Fotografieren auf Safari?

Welches sind die richtigen Kameraeinstellungen für atemberaubende Safarifotos?

Welches Zubehör empfiehlt sich bei einer Safari-Fotoreise?

Was sollte ich noch beim Fotografieren auf Safari beachten?



Wie kann ich das Fotografieren auf Safari am besten zuhause üben?

Ihr fragt euch jetzt wahrscheinlich, wo in Gottes Namen ihr in Deutschland oder Österreich das Fotografieren von afrikanischen Wildtieren üben könnt, aber die Antwort ist eigentlich ganz naheliegend: im Zoo. Auch ich übte für meine Safarifotos ausgiebig und an mehreren Tagen im Tiergarten Schönbrunn in Wien und kehre auch jetzt noch gerne dorthin zurück, um Fotos zu schießen.

Im Zoo kannst du in Ruhe dein Equipment testen und ohne Stress verschiedene Einstellungen ausprobieren, denn der Vorteil hier ist, dass die Tiere immer da sind und sich nicht wirklich verstecken können. So bekommst du außerdem auch einen klasse Einblick in die typischen Verhaltensweisen der Tiere und ihre Bewegungsabläufe. Natürlich muss dir klar sein, dass wilde Tiere noch deutlich unberechenbarer in ihren Aktionen sind und außerdem die Distanz in den meisten Fällen eine größere sein wird.

Das Zebra und den Elefanten habe ich z.B. im April 2016 bei einem Besuch im Tiergarten Schönbrunn in Wien aufgenommen. Perfekte Motive, um mich auf die Safari in Namibia und Botswana im kommenden September vorzubereiten!

Fotografieren auf Safari üben, Zebra, Tiergarten Schönbrunn
Zebra, Tiergarten Schönbrunn, 2016

(Blende: 5,6 / Brennweite: 300 / Belichtungszeit: 1/500 / ISO: 200)

Üben für das Fotografieren auf Safari: Tiergarten Schönbrunn
Elefant, Tiergarten Schönbrunn, Wien 2016

(Blende: 4,8 / Brennweite: 155 / Belichtungszeit: 1/500 / ISO: 250)

Solltest du keinen Zoo in deiner Nähe haben, kannst du deine Tierfotografie Skills natürlich auch an deinen Haustieren üben, oder den Hund eines Freundes für ein Fotoshooting ausborgen. Hunde sind ganz tolle Motive, um zu üben, schnelle, rasch die Richtung wechselnde Motive einzufangen!

Welche Kamera eignet sich am besten für das Fotografieren auf Safari?

Generell empfehle ich dir eine Kamera, bei der du zumindestens die Grundeinstellungen wie Blende, Belichtungszeit und ISO-Wert manuell einstellen kannst. Außerdem solltest du die Möglichkeit haben, Wechselobjektive zu montieren, da nur wenige Kameras von Grund auf mit ausreichend Zoom ausgestattet sind und die Brennweite aber einer der Schlüsselfaktoren für gute Safari-Fotos ist. (dazu komme ich in einem der nächsten Punkte)

Viele Leute glauben fälschlich, dass eine teure Kamera automatisch ein Garant für bessere Fotos ist und sind dann enttäuscht, wenn sie Zuhause das Ergebnis betrachten. Generell gilt, dass eine Kamera immer nur so gut ist, wie der Mensch der sie bedient. Ein Profifotograf mit einem geschulten Auge wird also auch mit einem Smartphone noch bessere Fotos machen, als ein Amateur mit der teuersten Spiegelreflexamera im Automatikmodus.

Mit dieser Aussage möchte ich dich aber bei Gott nicht frustrieren, sondern ich eigentlich aufmuntern und motivieren, dich näher mit deiner Kamera zu beschäftigen und dich mit den Grundeinstellungen vertraut zu machen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine gute, Safari-taugliche Kamera folgende Eigenschaften erfüllen muss:

  • Manuelle Einstellmöglichkeiten von Blende, Belichtungszeit und ISO ermöglichen
  • Die Möglichkeit bieten, Wechselobjektive mit größerer Brennweite zu montieren
  • Im Idealfall auch bei höheren ISO-Werten z.B. 3200 oder 6.400 ein gutes Rauschverhalten zu zeigen. (dazu mehr später)

Wir fotografieren beide mit einer Nikon D7100 und sind mit ihrer Abbildungsleistung sehr zufrieden. Es handelt sich dabei um eine semi-professionelle Spiegelreflexkamera mit APS-C Sensor im DX-Format. Die Kamera ist wetterbeständig und staubdicht, ein Pluspunkt übrigens wenn es auf die sandigen Pisten in Afrikas Nationalparks geht. Der Vollständigkeit halber solltest du wissen, dass es von dieser Kamera bereits ein Nachfolgemodell gibt, die Nikon D7200!

Persönlich haben wir keine Erfahrung mit System- und Bridgekameras und können dir für diesen Bereich auch keine ehrliche Empfehlung aussprechen, aber viele andere Reiseblogger sind sehr zufrieden mit der Sony Alpha 5100 bzw. dem etwas höherklassigen Modell Sony Alpha 6000. Wenn dir eine Spiegelreflexkamera also zu klobig ist oder du Gewicht sparen möchtest, könnte die Sony Alpha eine Alternative für dich sein! Ein weiterer Vorteil der Sony Alpha ist, dass es für diese Kamera bereits an relativ umfangreiches Angebot an Wechselobjektiven gibt!

Welches ist die sinnvollste Kamera/ Objektiv-Kombination für eine Safari?

Wenn du dich für eine Kamera entschieden hast, solltest du dir Gedanken über mögliche Kombinationen von Kamera(s) und Objektiven machen. Bei einer Safari denkt man natürlich sofort an einen Telezoom als geeignetes Objektiv, aber du solltest nicht vergessen, dass in Afrika auch spektakuläre Landschaften auf dich warten, die am besten mit einem möglichst weitwinkeligen Objektiv eingefangen werden können.

Die für Allrounder und Minimalisten (also gewichtsbewusste Reisende) beste Kombination ist daher eine Kamera, die die oben besprochenen Eigenschaften mitbringt und ein klassischer Reisezoom wie z.B. das Nikon 18-300mm oder das neue Tamron 16-300mm Objektiv. Ich selber habe keines dieser beiden Objektive in Verwendung und kann dir daher hinsichtlich der Abbildungsqualität keine ehrliche Empfehlung aussprechen. Die 2mm mehr Weitwinkel würden mich aber tendenziell eher zum Tamron Objektiv greifen lassen, außerdem ist der Preis mit knapp unter € 500 etwas günstiger. Einen sehr ausführlichen und ehrlichen Testbericht über dieses neue Objektiv mit vielen Beispielfotos haben übrigens die Kollegen Jenny und Sebastian von 22places.de verfasst, an die ich dich gerne weiter verweise, wenn das Objektiv für dich interessant klingt.

Was ist der Nachteil einen Reisezooms?

Wo Licht da auch Schatten und neben dem klaren Vorteil den ein Reisezoom dir bietet, nämlich mehrere Brennweiten (Weitwinkel, 35 -50mm, Tele) in einem Objektiv zu vereinen, gibt es auch einige Nachteile. Ein Reisezoom wird dir natürlich niemals die Qualität liefern, die dir ein hochwertiges Weitwinkel bzw. ein reines Teleobjektiv bieten, ganz zu schweigen natürlich von den Vorzügen einer lichtstarken Festbrennweite mit einer kleinsten Blende von 1,8 oder sogar darunter.

Ob dich das stört bzw. ob dir das überhaupt auffällt ist eine andere Frage. Natürlich gibt es viele selbsternannte Profis die im Internet mit Begeisterung über Reisezooms lästern, die Beispielfotos bleiben sie aber meistens schuldig. Und Fakt ist, viele Unterschiede lassen sich maximal im Labor aber sicher nicht mit freiem Auge messen und ich wage mal zu behaupten, dass ein Reisezoom für 95% der Hobbyfotografen ausreichend ist. Besonders auch wenn man bedenkt, dass dir das beste Objektiv nichts nutzt, wenn du nicht weißt welche Einstellungen du in einer konkreten Situation, wie z.B. einer Safari, anwenden musst.

Wenn du doch auf Nummer sicher gehen willst und für jede fotografische Situation gewappnet sein möchtest, dann führt an einer Kombination aus einem Weitwinkelobjektiv für Landschaftsaufnahmen (am besten mit Polfilter) und einem Telezoom kein Weg vorbei. Ganz ambitionierte Fotografen stecken dann gleich auch noch die lichtstarke Festbrennweite ein (weil das Gewicht eh schon egal ist), um für Fotos von Menschen und Alltagssituationen gerüstet zu sein. Dies ist im übrigen die Art und Weise, wie ich im September meine Reise antreten werde. Mit in meinem Gepäck sind fix:

Ich hab da leider auch so einen kleinen Tick, für jede Fotografiesituation das passende Objektiv dabei haben zu müssen. 🙂

Was ist der Nachteil von zwei oder mehr Objektiven?

Der größte und wahrscheinlich offensichtlichste Nachteil, wenn du zwei oder mehr Objektive mit dir herumschleppst, ist das Gewicht. Ich hatte auf Bali sogar vier Objektive dabei und während des Urlaubs fast 2 Kilo abgenommen, weil ich überall und egal bei welcher Temperatur meinen Fotorucksack hochgeschleppt hatte. Aber was tut man nicht alles für ausgezeichnete Reisefotos…

Ein weiterer Nachteil ist das Wechseln der Objektive. Gerade auf einer Safari kann das ziemlich heikel sein, da du dich immer der Gefahr aussetzt, dass Staub auf den Sensor oder ins Gehäuse kommt. Für deine Objektive empfehle ich dir daher einen guten UV-Filter als Schutz vor Staub und für die Reinigung der Kamera solltest du immer ein professionelles Pflegeset im Gepäck haben.

Und natürlich könnte es theoretisch sein, dass du eine spannende Situation verpasst, weil gerade während du mit dem Weitwinkel gemütlich die Landschaft ablichtest, ein Löwe aus dem Busch springt. Meinen Erfahrungen im Krüger Nationalpark nach eher unwahrscheinlich, aber natürlich möglich.

Wenn du das vermeiden möchtest und wirklich 100% auf Nummer sicher gehen willst, immer die richtige Linse parat zu haben, wirst du nicht daran vorbeikommen mit zwei Kamerabodies unterwegs zu sein. Während meiner Rundreise durch Südafrika traf ich mehrmals auf Fotografen, die gleich mit zwei oder sogar noch mehr Kameras unterwegs waren. Anfangs tat ich das noch als vollkommen übertrieben ab, aber spätestens bei der Bootsfahrt durch den herrlichen iSimangaliso-Wetland-Park verfluchte ich mich selbst, dass ich kurz vor der Reise meine alte Nikon D90  auf Ebay verscherbelt hatte. Während ich dauernd umstecken musste, um einerseits die atemberaubende Landschaft einfangen zu können, und andererseits die zahlreichen Hippos und Krokodile ablichten zu können, fotografierten die Vollprofis einfach abwechselnd mit ihren Kameras und konnten natürlich viel flexibler und schneller auf spektakuläre Fotomotive, wie den drohenden Hippobullen reagieren.

Fotografieren auf Safari: Hippobulle
Hippobulle in St. Lucia

(Blende: 5,6 / Brennweite: 300 / Belichtungszeit: 1/400 / ISO: 220)

Der größte Vorteil dieser Variante? Du hast beide Objektive griffbereit, das Umschrauben entfällt und so läufst du wie auch bei der Kombination mit dem Reisezoom nicht Gefahr, besondere Momente zu verpassen, weil du gerade dabei bist deine Linse zu wechseln. Außerdem musst du dir keine Sorgen wegen Staub und Verunreinigung machen, da du deine Objektive frühestens im Hotel abmontieren musst.

Der Nachteil sind natürlich die höheren Kosten für zwei Kamerabodies (außer du hast dir deine Vorgängerkamera schlauerweise behalten) und natürlich ein noch größeres Gewicht als bei der Reisevariante mit den Wechselobjektiven.

Ich habe mir übrigens für die kommende Reise keine zweite Kamera angeschafft und werde weiter auf die Variante mit den Wechselobjektiven setzen. Sollte ich aber irgendwann einmal von der Nikon D7100 auf ein neues Modell upgraden, so werde ich mit Sicherheit meine alte Kamera behalten, um genau für solche Fotosituationen, die ein schnelles Umschalten erfordern, gewappnet zu sein!

Welche Brennweite benötige ich beim Fotografieren auf Safari?

Die Brennweite ist ein Schlüsselfaktor für exzellente Safarifotos und grundsätzlich kann man davon nicht genug haben, vor allem, wenn man auch Vögel ablichten möchte. Eine hohe Brennweite hat aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile und der meist sehr hohe Preis ist dabei noch das geringste Übel.

Generell gilt, dass du ein Objektiv mit mindestens 300mm Brennweite mitnehmen solltest. Alles was darunter liegt wird mit ziemlicher Sicherheit nicht ausreichen, wobei 200mm natürlich immer noch besser sind als 100mm.

Bei der Tierfotografie ganz wichtig ist das Thema Fluchtdistanz. Als Fluchtdistanz bezeichnet man den Mindestabstand, den ein Tier zu einem anderen, möglicherweise bedrohlichen, Lebewesen akzeptiert, ohne zu fliehen. Daraus folgt: Je größer die Fluchtdistanz, desto scheuer ist das Tier!

Mehr Brennweite ermöglicht dir also, tolle Fotos auch von scheuen Tieren zu schießen, ohne deren Fluchtdistanz zu überschreiten und die Tiere möglicherweise zu verjagen. Natürlich kann man das Ganze auch andersherum sehen: wie nahe kann ich mich problemlos einem Tier nähern, ohne Gefahr zu laufen angegriffen zu werden?

Professionelle Wildtierfotografen greifen daher meistens auf Brennweiten von 500mm oder sogar mehr zurück, um ihre spektakulären Fotos zu schießen ohne die Tiere zu stören oder sich selbst in Gefahr zu begeben.

Brennweiten ab 500mm sind aber nicht nur extrem teuer, sondern führen bei Freihandfotografie auch leicht zu Verwacklungen. An dieser Stelle merke dir, je länger deine Brennweite, desto schwieriger wird es verwacklungsfreie Fotos ohne Stativ zu schießen. Und was bringen dir deine 600mm+ Brennweite, wenn du bei der Durchsicht erkennst, dass jedes zweite Foto Verwacklungsunschärfte hat?

Moderne Objektive verfügen zwar meistens über Bildstabilisatoren, die das Verwacklungsrisiko etwas reduzieren und dir etwas mehr Spielraum geben, aber bitte bedenke auch das Gewicht dieser Mega-Zooms. Je länger deine Safari dauert – und erfahrungsgemäß ist man mindestens einen halben Tag unterwegs – desto schwerer wird es dir fallen mit so einem Riesenteil zu fotografieren und desto eher läufst du Gefahr, deine Fotos zu verwackeln.

Um dein Ergebnis zu optimieren kannst du dir als Grundregel merken, dass deine maximale Belichtungszeit nicht länger als der Umkehrwert deiner Brennweite sein sollte. Bei 500mm Brennweite entspricht dies beispielsweise 1/500 Sekunden Belichtungszeit.

Wie wirkt sich der Crop-Faktor auf meine Brennweite aus?

Hier musst du auch noch den Crop-Faktor bedenken, der das Verhältnis der beiden gängigsten Kamerasensoren APS-C und Vollformat wiedergibt. Ich möchte jetzt nicht im Detail auf den Crop-Faktor eingehen, aber generell kannst du dir merken, dass Vollformatkameras einen größeren Bildbereich (= Kleinbild) abbilden können als APS-C Kameras. Der bessere Sensor mit dem größeren Bildbereich und die (im Detail) meist bessere Bildqualität haben natürlich auch ihren Preis: professionelle Vollformatkameras sind deutlich teurer als ihre kleinen Schwestern mit APS-C Sensor. Das sollte dich aber jetzt nicht weiter beunruhigen, als Hobbyfotograf brauchst du dir darüber eigentlich keine Gedanken machen. Du wirst auch mit den Kameras mit APS-C Sensor tolle Fotos machen. Wichtig ist nur, dass du dir bewusst bist, dass  der Crop-Faktor Auswirkungen auf die Brennweite hat und so deine Fotos beeinflussen kann.

Wir haben ja bereits angesprochen, dass der Crop-Faktor ungefähr 1,5 beträgt. Das heißt, dass 50mm Brennweite bei Vollformat auf Kameras mit APS-C Sensor 75mm Brennweite entsprechen. Umgekehrt bedeutet es, dass wenn ich den 50mm Ausschnitt einer Vollformatkamera mit meiner APS-C Kamera darstellen möchte, auf ein Objektiv mit 35mm zurückgreifen muss, um den gleichen Bildausschnitt darzustellen.

Das gleiche gilt natürlich auch bei einem Tele-Zoom: ein 300mm Zoom entspricht auf einer APS-C Kamera 450mm. Das hat einerseits den Vorteil, dass du mit deiner APS-C Kamera mehr aufs Bild bekommst bzw. gefühlterweise  „näher dran“ bist, andererseits solltest du diesen Faktor auch bei deiner Belichtungszeit beachten. Ich empfehle dir, nie unter 1/500 zu belichten, wenn du mit den vollen 300mm Zoom fotografierst (was in Afrika oft der Fall sein wird), bzw. entsprechend weniger, wenn deine Brennweite noch länger ist. (1/750 bei 500mm Brennweite, 1/1000 bei 600mm usw.)

Die meistens Einsteiger und Semiprofessionellen Kameras, wie z.B. auch die Nikon D7100 verfügen übrigens über den APS-C Sensor.

Falls du noch mehr über den Crop-Faktor erfahren willst, so habe ich hier einen ziemlich interessanten und lesenwerten Artikel gefunden. Wissenwertes zum Crop-Faktor

Zusammenfassend empfehle ich dir, wenn du noch in den Anfängen der Wildtierfotografie steckst, dein Geld in ein gutes und qualitativ hochwertiges 300mm Objektiv zu investieren, da du mit mehr Brennweite wahrscheinlich Probleme mit der Handhabung bekommen wirst. Alle Tierfotos auf dieser Seite sind mit der 300mm Linse von Nikon geschossen und meiner Erfahrung nach reicht diese Brennweite in den allermeisten Safarisituationen aus, da man vielen Tieren, besonders Zebras und Giraffen, aber auch Elefanten, überraschend nahe kommt.

Bei dieser Giraffe waren 300mm z.B. schon zu viel. Das Portraitfoto wurde mit 250mm Brennweite aufgenommen!

Fotografieren auf Safari: Giraffe
Giraffe im Krüger Nationalpark

(Blende: 5,6 / Brennweite: 250 / Belichtungszeit: 1/750 / ISO: 100)

Falls du bereits über ein wenig Fotografieerfahrung verfügst und gerne mit etwas größeren Brennweiten experimentieren möchtest, ohne dafür gleich den Preis eines Kleinwagens hinzublättern, gibt es mittlerweile eine gute Auswahl an Super-Zooms zu halbwegs leistbaren Preisen. Sofern es dir möglich ist, solltest du bei Verwendung dieser Zooms immer mit einem Stativ fotografieren oder das Objektiv zumindestens irgendwo ablegen (Bohnensack), um das Risiko von Verwacklungsunschärfen zu vermindern.

Ich habe selbst bisher keines dieser Objektive persönlich getestet und kann daher nicht sagen, wie sie sich voneinander unterscheiden und wo die jeweiligen Stärken und Schwächen liegen. Preislich liegt das Tamron Objektiv mit knapp unter € 1.000,- aktuell am günstigsten.

Tamron SP 150-600 F/5-6,3 Di VC USD

Sigma 150-600/5,0-6,3 DG OS HSM Sports

Nikon AF-S Nikkor ED VR 200-500 1:5,6

Canon EF 100-400mm f/4,5-5,6 L IS

Welches sind die richtigen Kameraeinstellungen für atemberaubende Safarifotos?

Ganz wichtig für tolle Fotos sind natürlich auch die richtigen Kameraeinstellungen. Leider gibt es kein Patentrezept für tolle Fotos, sonst würden wir ja alle für National Geographic fotografieren 😉 und natürlich hängt die richtige Einstellung auch von der jeweiligen Situation ab.

Möchtest du ein einzelnes Tier fotografieren, dass sich vom Hintergrund abhebt, ein Tier, das sich in weiterer Entfernung befindet mit samt der Landschaft auf ein Foto bannen oder vielleicht eine Gruppe von Tieren ablichten?

Generell gilt bei Tierportraits: Blende auf, damit möglichst viel Licht auf den Sensor trifft und du deine Belichtungszeit verkürzen kannst. Da Tiere sich zumeist nicht wie Statuen verhalten, sondern immer in  Bewegung sind, brauchst du eine kurze Belichtungszeit, um diese Bewegungen einzufrieren und Unschärfen zu vermeiden. Je nach Schnelligkeit der Bewegung sind dabei mindestens 1/500 Sekunden nötig.

Ein gemächlich wandernder Elefant wird sich z.B. locker mit 1/500 ablichten lassen, um einen Geparden bei der Hatz einzufrieren, wirst du mit 1/1000 oder sogar deutlich kürzerer Belichtungszeit belichten müssen, damit das Foto scharf ist.

Fotografieren auf Safari: Elefant
Elefantenkuh im Krüger-Nationalpark

(Blende: 4,8 / Brennweite: 122 / Belichtungszeit: 1/350 / ISO: 100)

Außerdem musst du bei der Wahl deiner Belichtungszeit auch noch deine Brennweite bedenken (siehe oben). Als Grundregel gilt, dass die Belichtungszeit nie länger als der Umkehrwert deiner Brennweite sein sollte, bei 200mm Zoom also mindestens 1/200 usw.

Eine offene Blende (= kleinstmöglicher Blendenwert) ermöglicht dir außerdem, dein Motiv schön freizustellen und ein schönes Bokeh (= verschwommender Hintergrund) zu erzeugen. Wenn du zoomst, verstärkt sich der Effekt!

Diesen Gelbschnabel-Toko habe ich z.B. mit weit offener Blende 5,6 und 270mm Brennweite fotografiert. Wie du siehst, ist der Hintergrund verschwommen und kaum mehr zu erkennen und der Vogel hebt sich schön ab.

Fotografieren auf Safari: Gelbschnabel-Toko
Gelbschnabel-Toko

(Blende: 5,6 / Brennweite: 270 / Belichtungszeit: 1/1000 / ISO: 250)

Wenn du Landschaften fotografieren möchtest  oder Tiere in Landschaften einbinden möchtest, musst du dich an die Grundregeln der Landschaftsfotografie halten, wo die Priorität meistens darin liegt, den größtmöglichen Teil des Fotos scharf abzubilden. Um die sogenannte Tiefenschärfe zu erreichen, musst du deine Blende schließen (kleine Blende = großer Blendenwert), als Richtwert empfiehlt sich bei Landschaften ein Wert zwischen 9 und 11.

Eine geschlossene Blende bedeutet aber im Gegenzug auch weniger Licht auf dem Sensor, was bei schlechten Lichtverhältnissen bedeutet, dass du länger belichten musst, um das Foto scharf zu bekommen. Sollte das nicht möglich sein, musst du die Lichtempfindlichkeit (ISO) erhöhen, um die für ein korrekt belichtetes Foto notwendige Lichtmenge innerhalb der kurzen Belichtungszeit zu erreichen.

Ein gutes Beispielfoto ist dieses Bild eines Löwen, das ich während der Safari im Krüger-Nationalpark gemacht habe. Um das Tier und die es umgebende Landschaft scharf abzulichten, habe ich den Blendenwert auf 9 erhöht. Da ich das Foto mit 300mm Zoom aufgenommen habe, musste ich auch die Belichtungszeit entsprechend berücksichtigen. (300mm entspricht 450mm bei Kleinbild, daraus folgt dass ich im Idealfall 1/500 Sekunden Belichtungszeit wählen sollte, um ein scharfes Bild zu erhalten) Diesen Wert konnte ich nur dadurch erreichen, dass ich auch die ISO auf 500 hochgeschraubt habe.

Fotografieren auf Safari: Löwe
Löwe im Krüger-Nationalpark

(Blende: 9 / Brennweite: 300 / Belichtungszeit: 1/500 / ISO: 500)

Das Resultat war so scharf, dass ich den Löwen sogar ausschneiden konnte und immer noch ein zufriedenstellendes Ergebnis erhielt- zum Glück, denn es sollte sich um die einzige Löwensichtung während meiner Südafrika-Rundreise handeln!

Fotografieren auf Safari: Löwe
Bildausschnitt Löwe im Krüger-Nationalpark

Zusatzinfo für Nikon: bei Nikon-Kameras kannst du unter der Einstellung der ISO-Empfindlichkeit auch eine maximale Belichtungszeit einstellen. So kannst du z.B. bei ISO-Automatik eine maximale Belichtungszeit von 1/500 einstellen. Wenn du dann im Blendenautomatikmodus „A“ fotografierst und deine Blende so weit wie möglich öffnest, wird die Kamera immer mit mindestens 1/500 belichten und die dafür benötigte ISO automatisch wählen! Das ist ein tolles Feature für Tierfotografie, du darfst bloß nicht vergessen diese Einstellungen nach der Safri wieder zurückzusetzen! 😉

Welches Zubehör empfiehlt sich bei einer Safari-Fotoreise?

Das meiste Zubehör habe ich eigentlich im Laufe des Artikels schon angesprochen. Hier ist noch einmal eine Auflistung aller benötigten Utensilien neben deiner Kamera:

Was sollte ich noch beim Fotografieren auf Safari beachten?

Nachdem du jetzt schon eine ganze Menge an technischen Inputs für deine perfekten Safarifotos erhalten hast und dir wahrscheinlich schon der Kopf raucht, sofern du wirklich den ganzen Artikel durchgearbeitet hast, möchte ich dir jetzt noch ein paar allgemeine Tipps geben.

  • Wenn du ein Objektiv mit „Vibration Reduction“ (Nikon) oder „Image Stabilization“ (Canon) hast, aktiviere es!
  • bitte den Fahrer den Motor abzustellen. Das ist nicht bei allen Tieren möglich (z.B. Raubkatzen oder Elefantenbullen) ist aber sehr hilfreich, um scharfe Fotos zu erhalten.
  • Sträucher und Büsche erschweren der Kamera mit Autofokus korrekt zu fokussieren, eventuell musst du manuell fokussieren!
  • Versuche, wenn möglich deine Kamera abzulegen, um mehr Stabilität zu gewährleisten.
  • Mache mehrere Aufnahmen, speziell bei großen Brennweiten ist die Gefahr einer Verwacklung der ersten Aufnahme hoch!
  • Wenn möglich, beachte das Licht. Safaris in den frühen Morgenstunden oder in der sogenannten „Goldenen Stunde“, kurz vor Sonnenuntergang, sind Ausfahrten in der Mittagszeit vorzuziehen. Zu Mittag ist das Licht hart, und auch die Tiere sind meiner Erfahrung nach am Morgen und in den Abendstunden deutlich aktiver!
  • Geize im Zweifel nicht mit der ISO. Besser ein Foto, das etwas verrauscht ist, als ein unterbelichtetes oder unscharfes Foto! Wenn du mit Nikon fotografierst, nutze die ISO-Automatik und die Einstellung der maximalen Belichtungszeit! (siehe oben)

Ich hoffe, dass dir meine Tipps für besseres Fotografieren auf Safari gefallen haben und du davon profitieren kannst. Es würde mich ehrlich freuen, wenn dir meine Tipps helfen, bessere Fotos zu schießen! Warst du schon einmal auf Safari? Gibt es noch etwas, was man beachten sollte? Ich freue mich über deine Tipps und Anregungen in den Kommentaren!

In der Galerie findest du noch mehr von meinen besten Safarifotos aus Südafrika:

Wenn du noch mehr Safari-Fotos sehen willst, hier geht es zu meinem Bericht über die Safari im Etosh-Nationalpark! Dort hatte ich dann endlich auch ganz großes Katzenglück!

Fotografieren auf Safari- meine besten Tipps und Tricks

Hat dir dieser Artikel gefallen?

Um keine Infos zu verpassen, folge mir auf Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram. Alternativ kannst du meinen Blog auch auf Bloglovin' oder via RSS Feed abonnieren!

Möchtest du meine Reiseberichte und Fototipps direkt in deine Mailbox erhalten? Melde dich jetzt für meinen kostenlosen Newsletter an. Zusätzlich erhältst du als Dankeschön für deine Anmeldung gratis Zugriff auf das E-Book "Günstig Reisen"!

Melde dich für meinen Newsletter an und erhalte 4-6 Mal pro Jahr eine Extraportion Reiselust, spannende Fototipps und exklusive Infos zu meinen Projekten direkt in deine Mailbox.


P.S. Kein Spam, nur viel Fernweh!



Autor

Hat 1 Jahr in Mexiko gelebt, ist solo durch Neuseeland & Australien gereist und war im Overlander im südlichen Afrika unterwegs. Lisa liebt Abenteuer- und Aktivreisen, spannende Herausforderungen und ist dabei immer auf der Suche nach dem perfekten Fotomotiv. Dafür schleppt sie auch gerne ihre gesamte Kameraausrüstung auf einen Berg.

2 Kommentare

  1. Hallo Lisa,
    gute Idee gleich eigene Reisen anzubieten und auch noch speziell für Fotografen. Dann drücke ich mal die Daumen 🙂
    Hab mit Interesse Deine Fototipps gelesen, da auch niemals ohne Kamera verreise. Völlig richtig, dass eine gute Ausrüstung nicht automatisch bessere Fotos macht. Aber was die Argumente gegen ein Zoom betrifft: Wenn man nicht die höchsten Ansprüche hat und mit seinen Bildern später keine großformatigen Plakatwände bestücken möchte, wird man die Unterscheide zwischen einem hochwertigen Zoom und einer hochwertigen Festbrennweite oft garnicht feststellen können. Das sind schon Feinheiten auf hohem Qualitätsniveau. Und die Sache mit dem Objektivwechsel, wenn gerade etwas Tolles in der Umgebung aber der „falschen“ Entfernung passiert, sollte man nicht unterschätzen.
    LG
    Stefan

    • Hallo Stefan,

      Danke für dein Kommentar! Das mit dem Zoom ist völlig richtig und so habe ich es ja auch beschrieben. Ein Hobbyfotograf wird vermutlich den Unterschied zwischen einem Reisezoom und einer Festbrennweite kaum feststellen können. Bei höheren Ansprüchen und Fotos für Druck etc. ist das vermutlich anders. Ich selbst setze bei Safaris aktuell nur noch auf zwei Kameras, um für alle Fotosituationen gewappnet zu sein, aber auch um ein Backup zu haben, falls eine Kamera mal streikt.

      Liebe Grüße
      Lisa

Schreibe ein Kommentar